Energieversorgung:
Größte Baustelle der Stadt / Neuer Steinkohleblock soll 2013 in Betrieb gehen / Klimaschützer-Klage anhängig
Großkraftwerk legt Grundstein zum Block 9
Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Langscheid
Großer Auftrieb heute auf der größten Baustelle der Metropolregion: Das Großkraftwerk (GKM) legt - bei längst laufendem Baubetrieb am Neckarauer Rheinufer - den Grundstein zum 1,2 Milliarden Euro teuren Steinkohle-Block 9, der ab Ende 2013 die "zukunftssichere Energiebereitstellung in der Metropolregion" gewährleisten soll, wie es in der Einladung heißt. Die GKM-Vorstände Wolfgang Frey und Dr. Karl-Heinz Czychon haben viele Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eingeladen, allen voran Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner, die ebenso wie Mannheims Alt-Oberbürgermeister Gerhard Widder, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender der GKM AG, sein Nachfolger Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und GKM-Betriebsratsvorsitzender Ümit Lehimci bei der Festveranstaltung das Wort ergreifen will.
Seit Ostern vergangenen Jahres wird auf dem Areal an Altriper und Duisburger Straße gebaut, derzeit sind gut 400 Menschen auf dem weitläufigen Gebiet am Werk. Baustellenleiter Gernot Mieth zeigte sich dieser Tage mit seinen Fachbauleitern Dieter Hellmann und Bernhard Korn glänzender Laune: "Wir liegen gut im Zeitplan, alles läuft bisher bestens!" Der Rohbau des 180 Meter hohen Schornsteins ist seit Wochen fertig, ebenso die beiden 120 Meter hohen Treppentürme des Kesselhauses. Mieth: "Der Innenausbau ist in vollem Gang." Die acht Meter durchmessenden Elemente der Schornstein-Innenröhre wurden kürzlich in einer nächtlichen Aktion per Schiff angeliefert und aufs Baustellengelände gebracht, in den Treppentürmen sind die Elektriker und Geländerbauer am Werk.
Auch das Maschinenhaus - hier wird später die Turbine eingebaut - "wächst" längst aus dem Keller heraus: "Es ist sogar für uns Fachleute faszinierend, wie schnell das vor sich geht", lobt Dieter Hellmann die Arbeit seiner Kollegen. Bis September müssen die Bodenplatten für alle Kraftwerksteile fertig sein, denn Mitte Oktober folgt der nächste wichtige Bauabschnitt. Mieth: "Dann beginnen wir mit dem Stahlbau für das Kesselhaus." Bis Mitte 2013 soll alles fertig sein, im Herbst soll Block 9 zunächst in den Probebetrieb und ab Jahresende dann dauerhaft ans Netz gehen.
Dass die Baustelle nicht nur die größte, sondern auch die sicherste in der Metropolregion ist, dafür sorgen Mieth und seine Leute mit einem umfangreichen Arbeitsschutzprogramm. Von Mitte des kommenden Jahres an werden - bis Ende 2012 - weit über 1000 Menschen an Block 9 bauen, in der "heißen Phase" um den Jahreswechsel 2011/12 werden es sogar über 1600 Beschäftigte sein. "Die Leute kommen aus den unterschiedlichsten Ländern", erklärt Gernoth Mieth. Klar, dass deswegen alle Schulungen, Einweisungen und Kennzeichnungen in allen gängigen Sprachen verfasst werden müssen. Und spätestens nach einem Jahr müssen die Mitarbeiter erneut geschult werden.
Gänzlich unumstritten war das Bauprojekt indessen nicht: Im Vorfeld kam es zu wiederholten Protesten von Klimaschützern, ein Bürgerbegehren gegen den Bau des Kohlekraftwerks scheiterte im Sommer 2008, und derzeit ist eine Klage des Bunds für Umwelt und Naturschutz gegen die Baugenehmigung für den Block 9 beim baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof anhängig.
Leser-Kommentare
Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen