„Ich bin gestolpert, aber nicht gefallen“
Pop: Whitney Houston kommt am 29. Mai in die Mannheimer SAP Arena – gesund, jedoch mit wechselhaften Kritiken
"Ich bin unfassbar glücklich und erleichtert, endlich wieder bei Euch zu sein", sagt Whitney Houston, den Tränen nahe. "Und ich verspreche Euch, so schnell gehe ich nicht wieder weg." Sie ist tatsächlich zurückgekommen. "I Look To You" heißt ihr aktuelles Album. Es ist das erste seit sieben Jahren. Am 9. Dezember startete die 46-Jährige nach gut zehn Jahren Tournee-Abstinenz in Moskau die "Nothing But Love World Tour", die Anfang Februar in Asien fortgesetzt wurde. An einem kühlen Augustabend 1999 im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses war Houston zuletzt in Mannheim zu hören - am 29. Mai wird sie in der SAP Arena vermutlich barmherzigere Bedingungen für gesangliche Höchstschwierigkeiten vorfinden.
Um den Zustand ihrer Stimme und ihre Fitness gab es zuletzt Diskussionen: Beim australischen Tourauftakt am 22. Februar in Brisbane wurde ihre Gesangs-Performance teilweise in der Luft zerrissen, es war von Kurzatmigkeit die Rede, Hustenaussetzern und einer langen Pause bei der gesanglich extrem anspruchsvollen Ballade "I Will Always Love You". Mitschnitte auf Youtube belegen Letzteres, aber dass Houston den Song tiefer ansetzt und Diskrepanzen zur Originalversion mit einigen Soulgirlanden überdeckt, hat auch einen gewissen Reiz. Zwei Tage später zogen die Rezensenten in Sydney dann auch deutlich positivere Noten.
Während Houstons persönliches Management zu der wechselhaften Resonanz nur mitteilen lässt, dass sich die Pop-Diva großartiger Gesundheit erfreue, erklärt ihr Tour-Promoter Andrew McManus (Backstreet Boys, The Who, Fleetwood Mac) Formschwankungen mit dem Zigarrettenkonsum der Sängerin. "Sie raucht, Gott segne sie, ich kann es ihr nicht verbieten", sagte der Impresario dem Onlinemagazin Contactmusic. Aber sie nehme keinerlei "Substanzen" und fühle sich mit der Show vollkommen wohl. "Sie weiß, dass sie nicht mehr jede Note so trifft wie früher, bietet aber auf jeden Fall viel fürs Eintrittsgeld." Denjenigen, die Whitney wie vor 20 Jahren singen hören wollen, rät McManus bissig: "Geht los und kauft eine CD. Aber wenn Ihr eine wahrhaft professionelle Künstlerin erleben wollt, die 100 Prozent gibt und sich an Songs versucht, die die größten Sänger zu Zwergen schrumpfen lassen, dann kommt vorbei."
Dass Houstons Stimme zumindest etwas rauer geworden ist, dass sie gesanglich naturgemäß nicht mehr so hoch kommt wie mit Anfang 20, zeigen auch die aktuellen Studioaufnahmen. Die belegen aber auch, dass sie es noch kann - vor allem als Interpretin mit großem Talent für spannende Phrasierungen. Die neuen Songs selbst gehen in Ordnung, sind abwechslungsreich, poppig und flott. Sie stammen unter anderem aus den Federn von Alicia Keys ("Million Dollar Bill") und R. Kelly ("I Look To You").
Es sieht durchaus danach aus, als könnte die 46-Jährige an ihre einzigartige Karriere mit 140 Millionen verkauften Alben, unzähligen Nummer-1-Hits und Klassikern wie "I Will Always Love You" oder "One Moment In Time" anknüpfen.
Whitney spricht bei einem Treffen mit Journalisten in London mit fester, klarer Stimme. Sie macht einen lebendigen, einen begeisterten, einen gesunden Eindruck. Über dem schwarz-weiß gescheckten Leopardenmusterkleid von Dolce & Gabbana zeichnet sich sogar ein winziges Wohlfühlbäuchlein ab. Die Phase, in der Whitney als horrormäßig aussehendes Magerwrack schockte, ist vorbei.
Dabei war Houston vor wenigen Jahren dem Tod näher als dem Leben. Sie war so tief unten, wie es tiefer nicht mehr geht. Immer öfter kamen kurzfristige Konzertabsagen, immer verwirrter war der Eindruck, den sie hinterließ. Über die Jahre hatte sich das einst so strahlende All American Girl in ein Drogenopfer verwandelt. 2002, als ihre letzte Platte "Just Whitney" erschien, gab sie ein TV-Interview, in dem sie erstmals Alkohol- und Drogenmissbrauch einräumte, auch wenn sie mit dem Ausspruch "Crack is whack" (Crack ist Schrott) den Konsum der berüchtigten Droge abstritt.
2006 trennte sich Houston, auch auf Druck von ihrem Entdecker Clive Davis (77) und ihrer Familie, von Brown, 2007 kam die Scheidung. Sie machte einen Entzug und scheint heute clean. Mit Bobbi Kristina lebt Houston überwiegend in Los Angeles.
Fehlte nur noch das Comeback. "Als Clive mich zum ersten Mal anrief, kam er ziemlich ungelegen. In jener Zeit verlief mein Leben noch ruppig. Ich ging durch eine schwere, eine harte Phase." Worte wie "Drogen", "Sucht" oder "Abhängigkeit" nimmt Whitney nicht in den Mund. Sie sagt lediglich: "Schlagzeilen machte ich seinerzeit nicht mit meiner Musik. Sondern mit anderen, negativen Dingen." Sie wollte von Davis, der auch Janis Joplin oder Rod Stewart gemanagt hat, wissen, ob sie das schwierigste Comeback-Projekt sei, an dem er je gearbeitet hat. "Seine Antwort lautete: "Ja, Schatz. Das bist du."
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