Christine Maisch-Straub
Klirrende Kälte im Wechsel mit zweistelligen Pluswerten, Sprünge um bis zu 20 Grad innerhalb von drei Tagen: Der Dezember 2009 bescherte uns ein wahres Wechselbad der Temperaturen. Und einen Rekord: Am 19. sank die Quecksilbersäule nachts auf -15,3 Grad ab. Das hat es in der Nachkriegszeit im zweiten Wintermonat in Mannheim nur noch ein Mal gegeben - und zwar am 29. Dezember 1996. Doch auch das Tagesergebnis von -10,4 ist eine kleine Sensation: Es toppt den niedrigsten Wert, der seit dem 29. Dezember 1939 mit einem Maximum von -11 Grad gemessen wurde.
Krasser Minimum-Rekord
"Ein krasser Minimum-Rekord": Der lässt selbst Bernd Fischer von der Beobachtungsstation auf der Vogel-stang nicht ganz kalt. Wie es zu solch einem abrupten, ausgedehnten Knick in der Grafik kommt? "Diese extremen Wetterlagen treten auf, wenn Kalt- und Warmluftfronten aufeinanderprallen." Und zwar im Wortsinn "ungebremst": "Normalerweise kommt die kontinentale Kaltluft zu uns nicht so geballt und schnell auf direktem Weg aus Polen und Sachsen, so wie es zwischen 19. und 22. passiert ist, sondern hat tagelang Zeit, sich über Skandinavien langsam zu erwärmen."
Doch der Experte, der mit seinem Team im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes die Werte für die Quadratestadt aufzeichnet, kann alle, die es ohnehin eher fröstelt, vielleicht für ein weiteres Extrem erwärmen. Denn nur drei Tage nach der eisigen Temperaturtalfahrt schnellte die Zick-Zack-Kurve gleich wieder in die Höhe auf knappe +10 Grad. "Deshalb war der Dezember, auch wenn er sich für uns relativ kalt anfühlte, gemessen am langjährigen Mittel von 2,2 noch um 0,3 Grad zu warm", räumt der Wetterfrosch vom Köthener Weg ein. Selbst, dass der letzte Monat 2009 ungewöhnlich nass gewesen sein soll, können die Zahlen nicht belegen.
Zwar hat sich die Niederschlagsmenge im Vergleich zu 2008 fast verdoppelt. "Es kam uns auch so vor, dass es ziemlich viel geregnet und geschneit hat. Aber 84 Liter pro Quadratmeter sind nix Besonderes", versichert Fischer: "Abgesehen von 1947 mit 116 Litern gibt es in der Nachkriegszeit noch fünf weitere Dezember mit über 100 Litern." Dennoch: Den Regenfällen im Dezember ist es zu verdanken, dass es das Jahr 2009 auf eine Menge von über 650 Liter pro Quadratmeter geschafft hat. Das sind knapp 100 Prozent der zu erwartenden Menge: "Niederschlagsmäßig endlich mal wieder ein normales Jahr", freut sich Fischer.
Sonne setzt sich wieder durch
Und von wegen Kälterekord: Ein Blick in die Statistiken verrät, dass das Jahr 2009 insgesamt um fast ein Grad zu warm war. Ein Temperaturmittel von 11 Grad ist aber auch kein echter Spitzenwert: Den Nachkriegsrekord hält nach wie vor 1994 mit knapp 12 Grad. Auch die Sonne hat ihr Arbeits-Soll mehr als erfüllt: Sie schien knapp 1770 Stunden. Das überschreitet den Mittelwert sogar um sechs Prozent. Und wie geht's weiter? "Die Sonne setzt sich immer mal wieder durch."
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