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Exkursion: Studentin Lena Redemann reist im Rahmen eines Uni-Seminars nach Afrika und sammelt Material für ihre Hausarbeit

Kulturschock im Senegal

Von unserer Mitarbeiterin Johanna Haag

Bei 36 Grad im Schatten erkundeten zehn Mannheimer Studentinnen den Senegal.

© joh

Afrikanische Hitze, Abenteuer und Kulturschock statt deutscher Minusgrade, Alltagstrott und Theorie in 90-Minuten-Blöcken: Zehn Französisch-Studentinnen und Dozentin Madame Bouilloud haben drei Wochen lang den Senegal bereist. Bakuwi-Studentin Lena Redemann war mit dabei. Der Trip vereinte Uni, Urlaub und Unbekanntes.

Die Reisegruppe verbrachte die Zeit in der senegalesischen Hauptstadt Dakar und in zwei kleinen Dörfern, in denen jede Studentin bei einer Gastfamilie wohnte. "So nah kommt man dem echten Leben in Afrika als normaler Tourist sonst nie", meint Lena und gerät angesichts der Warmherzigkeit und Offenheit der Senegalesen ins Schwärmen: "Obwohl wir nur so kurz da waren, haben wir uns wie ein Teil der Familie gefühlt."

Duschen mit Hühnern

Die Exkursion fand zum zweiten Mal statt. Madame Bouilloud steckte ein ganzes Jahr in die Vorbereitung.

Nicht jeder durfte mit nach Afrika fliegen: Das Bewerbungsverfahren bestanden nur zehn von 20 Interessenten.

Mit im Gepäck hatte die Reisegruppe Schulmaterial und Kleidung für die Dorfbewohner. Der humanitäre Hilfsaspekt war aber nebensächlich, im Mittelpunkt stand der interkulturelle Austausch.

Finanzielle Unterstützung erhielt die Reisegruppe vom Romanischen Seminar und vom Dekanat der Phi-losophischen Fakultät.

Der Senegal liegt am Atlantik im Nordwesten Afrikas und hat rund zwölf Millionen Einwohner. Die Amtssprache ist Französisch. joh

Doch trotz der Gastfreundschaft und Temperaturen von 36 Grad war nicht alles eitel Sonnenschein: Als "schockierend" empfindet Lena die Tatsache, dass Frauen trotz ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion und ihres wirtschaftlichen Engagements den Männern untergeordnet sind. Hinzu kommen Polygamie und die offiziell verbotene, aber immer noch praktizierte Beschneidung junger Frauen. Besonders erschütternd war für die Studentinnen die Besichtigung einer entlegenen Höhle: Hier wurden einst Mädchen unter unhygienischsten Umständen mit Rasierklingen beschnitten. Bei dem Gedanken daran erschaudert Lena noch immer: "Da wurde mir ganz anders zumute."

Der Alltag brachte ebenfalls die unterschiedlichsten Herausforderungen mit sich: Schmunzelnd blickt Lena zurück auf Essen mit Händen statt mit Besteck, Toiletten mit Kakerlaken und Duschen im Freien mit "regelmäßigem Besuch von Hühnern". Außer solchen Kuriositäten lernten die jungen Frauen das senegalesische Bildungssystem und die Wirtschaft, Umwelt, Kultur, Pressefreiheit und Sprache des Landes kennen. Auch zurückgezogene Naturstämme oder eine ehemalige Sklaveninsel erkundeten sie und besuchten das Institute Français oder lokale Einrichtungen wie Schulen oder eine Radiostation.

Zusätzlich konnten die Studentinnen durch eigenständige Recherche ihr Wissen erweitern und Material für die Hausarbeiten sammeln, die sie nun im Anschluss an die Reise schreiben. Lena befasst sich mit dem Thema "Religion". Faszinierend und keineswegs selbstverständlich findet sie das friedliche Nebeneinander von Christentum, Islam und afrikanisch-traditionellen Konfessionen: "Auch Widersprüche werden hier so verquickt, dass es irgendwie funktioniert."

Fehlende Strukturen

Ohnehin scheint im Senegal alles "irgendwie zu funktionieren" - obwohl Organisationstalent, Pünktlichkeit oder Planungssicherheit laut Lena nicht gerade zu den Stärken der Westafrikaner zählen: "Oft will man innerlich schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber über Millionen Umwege und Kontakte klappt dann doch alles."

Meistens zumindest. Fehlende Strukturen sind auch oft daran schuld, dass Hilfsmaßnahmen wortwörtlich im Sand verlaufen, glaubt die Studentin. So funktionierte etwa eine vor zwei Jahren installierte Solaranlage nur noch teilweise, und Material für die Friseurklasse einer Berufsschule verstaubte im Hausflur, da weder ein Strom- noch ein Wasseranschluss vorhanden war.

Gute Laune - trotz Armut

"Der Wille zur Veränderung ist da, aber es fehlt an allen Ecken und Enden. Das tut manchmal richtig weh", bedauert Lena. Trotz ihrer enormen Armut seien die Senegalesen ihr aber stets gut gelaunt begegnet. Und auch die Studentin selbst hat gemerkt, dass sie gut ohne Schminke und mit nur wenigen Klamotten auskommt.

Obwohl die Exkursion sehr aufwendig war, würde Lena jederzeit noch einmal mitfahren: Sie habe deutlich mehr gelernt als im Hörsaal und auch das Verhältnis zur Dozentin sei viel intensiver gewesen. "In unserer Gruppe hat von Anfang an die Chemie gestimmt", freut sich Lena und hofft, dass die entstandenen Freundschaften fortbestehen und dass es auch künftig Exkursionen wie diese gibt.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 06.02.2013

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