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Drittmittel: Jochen Hörisch sieht die Entwicklungen in der Hochschul-Finanzierung äußerst kritisch

„Neue Prestige-Währung“

Ein prominenter Widersacher des Drittmittel-Systems ist Jochen Hörisch. Seit 25 Jahren lehrt der Germanistik-Professor an der Uni Mannheim und beobachtet das Werben um die Gelder: Die Unis verlören dabei ihre "wichtigste Ressource."

Welche Rolle spielen Drittmittel in Ihrem Alltag und welche Rolle spielen sie Ihrer Meinung nach allgemein an der Uni Mannheim?

Jochen Hörisch: In meinem Uni-Alltag spielt das Thema Drittmittel eine enorme Rolle - einfach deshalb, weil jede Woche mehrere Hinweise auf Drittmittelausschreibungen meinen Schreibtisch erreichen. Damit wird immer signalisiert: Wichtig ist nicht ein von vielen zur Kenntnis genommenes Buch, eine Vortragseinladung an eine renommierte Uni, Erfolg in der Lehre und dergleichen, sondern eben Einwerbung von Drittmitteln. Das ist die Uni-Aufmerksamkeits- und Prestige-Währung, die eigentlich zählt. Auch ganz handfest: Man bekommt häufig Gehaltszulagen, wenn man Drittmittel einwirbt. Mit der Konsequenz, dass viele Forscher Themen bearbeiten, die sie nicht eigentlich interessieren, sondern für die Drittmittel ausgeschrieben werden. Auch konkret personalpolitisch - man beruft gerne Köpfe, die das Genre Antragsprosa souverän beherrschen. Die ziehen dann an denen vorbei, die ein Werk vorzuweisen haben.

Jochen Hörisch, geboren 1951, promovierte und habilitierte in Düsseldorf.

Der Wissenschaftler ist seit 1988 Professor für Neuere Germanistik und Medienanalyse an der Uni Mannheim.

Er veröffentlichte 2006 im Hanser Verlag das Buch "Die ungeliebte Universität - Rettet die Alma mater!".

Hörisch ist Vizepräsident von Absolventum. nhu

Was halten Sie grundsätzlich von Drittmitteln aus der Wirtschaft?

Hörisch: Wir haben gerade in der Kurpfalz eine beeindruckende Reihe von Mäzenen, die großzügig und ohne falsche Hintergedanken der Universität erhebliche Summen spenden. Denen kann man nur dankbar sein.

Die Internetplattform hochschulwatch.de befürchtet, dass die Wirtschaft durch Drittmittel die Forschung und Lehre an deutschen Universitäten beeinflusst. Ist diese Sorge berechtigt?

Hörisch: "Du solltest idealerweise einen renommierten Volkswirt aus BW haben, der das Ganze gut findet und den die Presse zitieren kann", schrieb der Banker Dirk Notheis am 22. November 2010 an den damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus, um den überteuerten Rückkauf von Aktien durch das Land Baden-Württemberg zu managen. Wer es für ausgeschlossen hält, dass Drittmittel aus der Wirtschaft mit mehr oder weniger expliziten Zielvorgaben vergeben werden, ist Ideologe und nicht Wissenschaftler.

Sind die auf hochschulwatch.de genannten aufgeführten Hörsaalunternehmungen problematisch?

Hörisch: Solche Kooperationen sind im Unterschied zum großen Drittmittelhype völlig unproblematisch und wünschenswert. Das Tolle an der Werbung ist ja, dass jeder Siebenjährige sie durchschaut. Werbung und PR-Aktionen zählen zu den offensten Kommunikationsformen, ihr Zweck ist kein Rätsel. Die Absicht solcher Aktionen wie Benennung eines Hörsaals oder einer Lounge ist transparent und also heiter - anders als drittmittelgesteuerte Forschung kommt sie nicht im Gewand von Objektivität einher.

Wie soll sich Ihrer Meinung nach die Uni zukünftig zu Drittmitteln positionieren?

Hörisch: Drittmittel sind ein Fetisch geworden, der wissenschaftlich kontraproduktiv zu werden droht. Das Problem allerdings ist nicht wegzureden. Die deutschen Universitäten sind ohne Drittmittel unterfinanziert. Und also sind auch Kritiker der wahnhaften Momente des Drittmittelhypes geradezu gezwungen, den Wahnsinn Methode werden zu lassen - auch ich stelle Drittmittelanträge und habe damit sogar ab und an Erfolg. Was dabei verloren zu gehen droht, ist der Verlust der wertvollsten Uni-Ressourcen: Aufmerksamkeit auch für das erst einmal Nicht-Marktgängige, Eigensinn und, warum nicht, auch Einsamkeit statt Mainstream. Ich fürchte, dass ich, der ich mich als geselligen Menschen wahrnehme, nach diesem Interview ein wenig einsamer werde. nhu

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013

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