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Gleichstellung: Ein Partyslogan, das Getränk „Freiwild“ und der Begriff „Studenten“ sorgen für geteilte Meinungen

Uni diskutiert über Sexismus

Von unserer Mitarbeiterin Isabelle Büchner

Das Gleichstellungsreferat des AStA will Werbung wie diese künftig nicht mehr sehen.

© Büchner

"Gender"-Wahnsinn oder berechtigte Kritik am Sexismus? Nach dem "Stern"-Artikel über Rainer Brüderle diskutiert ganz Deutschland diese Frage. An der Mannheimer Uni wird schon seit dem vergangenen Semester über das Thema debattiert - Auslöser waren drei Ereignisse:

Schneckenhof-Motto

Zunächst kam es im Oktober zu Beschwerden über das Motto einer Schneckenhofparty. Unter dem Slogan, "Wir ham' die Weiber" organisierte die Fachschaft für Sprache und Literatur zusammen mit der Fachschaft für Geschichte eine der beliebten Studentenpartys. Damit wollten die Veranstalter auf den in ihren Studiengängen besonders hohen Frauenanteil verweisen.

Student ist vom lateinischen "studere" abgeleitet und bedeutet nach etwas streben, sich um etwas bemühen oder auf etwas aus sein.

Durch die Etablierung des Begriffs "Studierende" wird eine geschlechtergerechte Sprache gefordert.

Kritiker berufen sich darauf, dass der Begriff "Student" aufgrund des generischen Maskulinums auch weibliche Studenten mit einschließt.

Die Universität Mannheim beschäftigt eine Gleichstellungsbeauftragte, die versucht, Benachteiligungen für Studentinnen abzubauen.

"Worauf soll dieses Motto denn abzielen?", fragt sich Michael Maier vom Gleichstellungsreferat des AStA der Universität Mannheim. Seiner Meinung nach soll damit Männern angezeigt werden, dass es hier etwas "zum Abschleppen" gibt. In Verbindung mit dem Lady-Special, dass es Frauen ermöglichte, sich günstiger zu betrinken, halte er das für sehr fragwürdig. Marcel Horbach, Vorsitzender des RCDS, hält diese Kritik für übertrieben. "Natürlich ist das provokant formuliert. Wenn man aber weiß, dass die Party hauptsächlich von Frauen organisiert wurde, erübrigen sich die Sexismus-Vorwürfe." Michael Maier lässt dieses Argument nicht gelten: "Ich verstehe solche Frauen nicht, die sich selbst so darstellen", sagt er. Auch den Humor dahinter kann er nicht nachvollziehen. "Wenn wir ständig einem Sexismus ausgesetzt sind, der nicht so ernst gemeint ist, geht das irgendwann in den Alltag ein und wird immer präsenter."

Getränk Freiwild

Erneute Sexismusvorwürfe gab es dann im Dezember zum Verkauf einer Limonade in der Uni-Mensa. Nach Beschwerden wurde das Getränk "Freiwild", auf dessen Etikett die Silhouette einer Frau zu erkennen ist, aus dem Sortiment genommen. Die Hersteller sind ratlos. Solche Vorwürfe habe es zuvor noch nie gegeben. Gleichstellungsreferent Michael Maier sieht hier ein grundsätzliches Problem im Verständnis von Sexismus. Dieser bestehe immer dann, wenn Rollenbilder und nackte Haut so verwendet werden, dass sie nichts mehr mit dem Produkt zu tun haben. "Wenn die Silhouette einer Frau, die demütig schaut, das Markenzeichen einer Limonade ist, gibt mir das schon zu denken. Abzuweisen, dass das sexistisch sei, ist absurd", findet Michael Maier. Der RCDS startete zu diesem Thema eine Umfrage auf seiner Facebook-Seite. "Wir wollten damit ein Stimmungsbild unter den Studenten einholen", sagt Marcel Horbach. Die Resonanz zeige, dass viele den Verkaufsstopp für übertrieben hielten.

Studierende oder Studenten?

Diese unterschiedlichen Ansichten zum Gender-Thema finden sich auch in den Diskussionen im Ausschuss zur Anfertigung des Satzungsentwurfs der Verfassten Studierendenschaft wieder. Hier wurde wiederholt darüber debattiert, ob es "Studenten" oder "Studierende" heißen soll. "Student, das ist einfach ein Begriff, der sowohl männliche als auch weibliche Personen mit einbezieht", erklärt Marcel Horbach den Standpunkt des RCDS. "Eine Umbenennung braucht man einfach nicht." Außerdem sei das Wort Studierende auch grammatikalisch problematisch. Michael Maier, der bei der grün-alternativen Hochschulgruppe tätig ist, sieht das anders: "Wenn ich von Handwerkern spreche, assoziiert man etwas anderes als mit Handwerkerinnen." Auch den Vorwurf der inkorrekten Grammatik weist er zurück: "Sprache ist nichts Feststehendes, sondern ein Prozess", sagt er. Schon zuvor gab es Versuche durch den AStA, das Studentenwerk in Studierendenwerk umbenennen zu lassen. Dies scheiterte aber an den immensen Kosten, die damit verbunden sind. Das Kostenargument sieht Michael Maier aber nur als vorgeschoben an: "Ginge es dem RCDS nur um die Kosten, könnte man sich trotzdem dafür einsetzen, dass auf der Uni-Webseite und im Studienportal der Begriff Studierende verwendet wird."

Der letztendliche Satzungsentwurf für die Verfasste Studierendenschaft soll von allen, die daran beteiligt waren, mitgetragen werden. Letztendlich hat dabei auch der RCDS dem "Gendern" zugestimmt. Das erklärt der Vorsitzende folgendermaßen: "Es geht hier um sehr viel. Es sollte nicht an einer Fraktion scheitern, die aufgrund einer solchen Lappalie den Satzungsentwurf nicht mitträgt. Das ist es nicht wert."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 30.01.2013

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