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Drittmittel: Firmen investieren an Unis in neue Hörsäle oder gar Lehrstühle – ein Segen sagen die einen, andere befürchten Einflussnahme

Wenn Unternehmen Unis sponsern

Von unserem Mitarbeiter Nikolai Huland

Hochschulwatch.de möchte zeigen, wie viel Geld Unis aus der Wirtschaft bekommen.

© NHU

Weshalb pumpen Unternehmen hunderte Millionen Euro in deutsche Unis? Die "tageszeitung" (taz), Transparency International und der Freie Zusammenschluss der Studierendenschaften (FZS) befürchten, dass dahinter nicht nur Wohltätigkeit als Absicht steckt. Oft gehe es um Einflussnahme auf die Forschung und die Lehre. Die vor allem für BWL renommierte Universität Mannheim sieht bei sich allerdings keinen Anlass zur Sorge.

Ende Januar gingen taz, Transparency International und FZS mit der Internetplattform "hochschulwatch.de" ins Netz. Auslöser der Initiative war ein Skandal in Berlin: Die Deutsche Bank hatte mit den beiden großen Berliner Unis einen Vertrag geschlossen, der der Bank ein Veto-Recht bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen einräumte.

Auf hochschulwatch.de kann ähnlich wie bei Wikipedia anonym für jede Hochschule eingetragen werden, wie viele Drittmittel aus der Wirtschaft an sie fließen. Der Löwenanteil dieser Mittel kommt aus öffentlichen Quellen, doch große Summen sprudeln auch aus der Wirtschaft. 2010 etwa gingen laut Statistischem Bundesamt fast 1,3 Milliarden Euro von Unternehmen an Hochschulen - etwa ein Fünftel aller Drittmittel. "Mit hochschulwatch.de wollen wir einen Überblick über die finanziellen Einflüsse von Wirtschaft auf Unis verschaffen", erklärt FZS-Vorstand Erik Marquardt und ergänzt: "Universitäre Bildung soll öffentlich und unabhängig bleiben. Man muss immer fragen, weshalb Unternehmen Geld stiften."

Drittmittel sind Gelder, die Dritte an die Unis für bestimmte Forschungsprojekte geben.

Die Uni Mannheim hat in den Jahren 2011/12 knapp 20 Millionen Drittmittel eingeworben. Darunter befanden sich je etwa drei Millionen Euro aus der Wirtschaft. Der Gesamt-Etat der Uni beträgt 95 Millionen Euro.

An der Uni gibt es mehrere Stiftungslehrstühle: den Ernst & Young Stiftungslehrstuhl für ABWL und Rechnungswesen; den Stiftungslehrstuhl von Bilfinger, Fuchs Petrolub, MVV Energie und Südzucker für Corporate Governance.

Die Uni Mannheim ist laut eigenen Angaben "intensiv bemüht, weitere Mittelzuwendungen aus der Bürgerschaft sowie den Unternehmen einzuwerben, um in Ergänzung der staatlichen Ausstattung ihre Leistungsfähigkeit zu steigern." nhu

An die Hochschule Mannheim, die frühere Fachhochschule, flossen 2010 laut der Internetplattform etwas weniger als eine Million Euro aus der Wirtschaft. Die Universität hat demnach über drei Millionen Euro bekommen. Dazu tragen 21 Hörsäle der Uni Unternehmensnamen. Bei der Renovierung spendeten Unternehmen bis zu 300 000 Euro, und die FAZ unterhält in der Mensa eine Lounge. Auch die Stiftungslehrstühle werden genannt.

Wirtschaft will rekrutieren

Die Uni gibt in ihrer Finanzstatistik ähnliche Zahlen an. Dazu gab es Einzelzuwendungen, beispielsweise zehn Millionen Euro von Hasso Plattner für die Renovierung der Mittelbau-Bibliothek. Verwendet wurden die Drittmittel für verschiedene Zwecke: Etwa für Stipendien, Forschungsaufträge oder Stiftungslehrstühle, so die Uni. Von Sponsoring durch Unternehmen an Unis hält Hochschulwatch-Initiator Erik Marquardt nichts: "Wir wollen keine Werbung in Unis. Man muss bedenken, wo das im heutigen Bildungswettbewerb hinführen kann."

Der Dekan der BWL-Fakultät, Jürgen Schneider, kann die Kritik an den Hörsaal-Umbenennungen nicht nachvollziehen: "Wem tut das weh? Was wir heute an Räumlichkeiten haben, ist das absolute Paradies, und das verdanken wir den Spendern, die die Renovierungen bezahlt haben. Unsere Studenten sind alt genug, um sich ihr eigenes Bild zu machen." Warum aber engagieren sich Unternehmen finanziell an der Uni Mannheim? "Die Wirtschaft ist interessiert am Thema Recruiting: Sie ist interessiert an sehr gut ausgebildeten Studenten. Außerdem wollen Unternehmen Kontakt zu den Professoren haben, um neue Trends in der Forschung mitzubekommen. Sie wollen mit diesem theoretischen Wissen ihren anwendungsorientierten Problemen begegnen. Mit Einflussnahme hat das nichts zu tun", erklärt Schneider, der viele Jahre im Vorstand des heutigen Bilfinger-Konzerns war.

Die Nähe zur Praxis sei außerdem von den Studenten gewünscht, wie aus Rankings hervorgehe. Dass die Universität Mannheim ein enges Verhältnis zur Wirtschaft pflegt, ist ohnehin kein Geheimnis - schließlich bewirbt sie sich offiziell als "wirtschaftsnah". "Wir können nicht erkennen, dass es bei uns einen negativen Ansatzpunkt gibt. Verträge im Bereich Drittmittel werden durch unser Justiziariat gründlich geprüft, und es ist vollkommen ausgeschlossen, dass Unternehmen Einfluss auf Forschungsergebnisse und deren Veröffentlichung erhalten. Die Wirtschaft erkennt Mannheim positiv an, und wir sind von den Vorteilen des ständigen Dialogs mit der Praxis überzeugt", sagt Schneider.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013

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