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Bibflirt: Ersehnter Eisbrecher, Zeitvertreib oder gar Belästigung? Die Heidelberger Flirt-Homepage sorgt für Furore

„Wir sind der moderne Amor“

Von unserer Mitarbeiterin Lara Gruben

Tung, Alexander, Nik, Nicolas und Informatik-Experte Christian (v. l.) in der Heidelberger Altstadt-WG von Alexander.

© gru

Frauen ansprechen war gestern. Effektives Lernen auch. Pünktlich zu Beginn der Lernphase hat eine neue Form der Prokrastination die Bibliotheken erreicht - Bibflirt heißt das anonyme Flirtportal, das in kürzester Zeit 10 000 Besucher pro Tag auf seine Seite lockt.

Das Prinzip von Bibflirt.de ist einfach. Anonyme Nachrichten werden auf der Internetseite veröffentlicht. Sichtet ein Student in der Bibliothek also ein nettes Mädchen, traut sich aber nicht, es anzusprechen, kann er anonym ihr Interesse erfragen. Liest sie auf Bibflirt.de seine Nachricht und fühlt sich angesprochen, kann sie ihm antworten. Das Ganze sieht dann etwa so aus: "Heeey, sexy Lady! Du bist vor dem Campus Bergheim gerade in den 32er Richtung Neuenheim gestiegen, olivgrüne Jacke mit Fellkapuze, Bib-Tasche, schwarze Handtasche und das schönste Gesicht der Welt. Du hast gerade telefoniert, daher wollte ich dich nicht stören, aber ich würde wirklich gern mit dir essen gehen, muss immer noch an dich denken. . .".

Das anonyme Flirten ermöglichen vier Heidelberger Studenten - Nik (27), Alexander (26) , Nicolas (25) und Tung (25). Ihr Resümee aus ihrer Uni-Zeit: Die Bibliothek ist der beste Ort zum Flirten. "Ich habe meine Freundin auch in der Bib kennengelernt", erzählt Nik, der nicht so wirkt, als fiele es ihm schwer, Frauen anzusprechen.

Die Bibflirter

  • Die Heidelberger Gründer studieren Politik (Nik, Tung), VWL (Alex) und Mathematik (Nicolas).
  • Gegründet wurde die Facebook-Seite Bibflirt am 4.Januar, sie hat derzeit 2353 "Gefällt mir"-Klicks.
  • Seit 7. Januar gibt es Bibflirt.de, die Seite hat täglich 10 000 Besucher.
  • Das Mannheimer Pendant heißt "Spotted: University of Mannheim",die Seite gibt es seit dem 13. Dezember und zählt 3112 "Gefällt mir"-Klicks.
  • Vor Veröffentlichung wird jede Nachricht geprüft, Vulgäres oder Beleidigendes wird nicht veröffentlicht. gru

Ist Bibflirt also das Flirten der Zukunft - oder die willkommene Ablenkung für Studenten im Lernstress? Bequem ist das Flirten über das Internet allemal. Eine Nachricht ist schnell getippt, und die Angst vor einer Abfuhr genommen. "Eisbrecherqualität" nennt Tung das.

Nerv der Zeit?

Und wo könnte die Verbreitung der Botschaften besser stattfinden als auf Facebook. Dort starteten die vier Bibflirt, und damit ist die Seite auch nach wie vor verbunden. Alle Einträge auf Bibflirt.de, werden automatisch auf Facebook veröffentlicht. Eine Facebook-Seite dieser Art hat auch an der Uni Mannheim viel Anklang gefunden. Schon im Dezember, als die Lernphase in Mannheim begann, zählte die Seite "Spotted - University of Mannheim" mehr als 3000 "Gefällt mir"-Klicks. Sie wird von drei 20- bis 22-jährigen Studenten betrieben. Über ihre Seite reden wollen sie nicht, sie bleiben lieber anonym.

Während die drei Mannheimer Studenten es bei der Facebook-Seite beließen, erkannten die vier Heidelberger schnell das Potenzial der Idee. "Die ersten 48 Stunden haben wir nicht geschlafen", erzählt Nik. Jede Nachricht sollte sofort veröffentlicht werden. Schnell programmierten sie zudem, mit Hilfe von Informatikstudent Christian (27), die Webseite Bibflirt.de. Denn Nutzer kritisierten schnell, es sei ihnen unmöglich, bei Facebook dem anonymen Absender zu antworten. Auf Bibflirt.de ist dies jetzt per Mausklick möglich. Zudem kann die Webseite in 54 deutschen Städten genutzt werden.

Nicht alle sind von der Seite begeistert. "Ich bekomme langsam Angst davor, in die Bib zu gehen", kommentiert eine Studentin einen besonders detaillierten Eintrag über eine Kommilitonin. 81 Leute stimmen diesem Kommentar zu. Dass es in der Bibliothek primär um das "Sehen und Gesehenwerden" geht, ist für die Gründer nichts Neues. In Mannheim und Heidelberg scheint dieses Flirtfieber am Lernort jedoch besonders groß zu sein. Mitgründer Alex hat seinen VWL-Bachelor in Siegen gemacht: "In Siegen gehen die Studenten auch in Jogginghose in die Bib. In Heidelberg gibt es sowas einfach nicht." Einen Beitrag zur Kleiderordnung beim Lernen sehen die vier in ihrer Seite nicht. Vielmehr bezeichnen sie sich als "modernen Amor". Wer lieber lernt, könne Bibflirt auch ignorieren.

Doch nicht jeder sieht in den Jungs vier Liebesgötter mit goldenem Pfeil. Auch Lisa nicht, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Der Jurastudentin ist unwohl bei dem Gedanken, beim Lernen beobachtet zu werden. Sie ertappe sich immer wieder dabei, morgens doch noch etwas länger vor dem Schrank zu stehen und nach der passenden Bluse zu suchen. Deshalb lernt sie mittlerweile zu Hause.

Was nun aus Bibflirt wird? Die vier planen in Kooperation mit "Spotted" die internationale Homepage spotteduniversity.com. Es wird sich also noch herausstellen, ob Bibflirt nur der Prokrastination in der Lernphase dient oder ob die vier mit dem anonymen Flirten den Nerv der Zeit getroffen haben.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 16.01.2013

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