Sieht aus wie ein Nickerchen, ist aber hartes Training.
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Völlig entspannt im Bett liegen und dabei für das Saisonziel von 6,15 Metern im Stabhochsprung trainieren? Tief und fest schlafen und dabei Rachmaninows drittes Klavierkonzert üben? Ist das nur ein Traum?
Der Mannheimer Wissenschaftler Daniel Erlacher hat genau darüber seine Habilitation geschrieben. An der Schnittstelle zwischen Schlafforschung und Sportwissenschaft untersucht er die Möglichkeiten des Klartraums und wurde dafür nun mit dem zweiten Platz des Wissenschaftspreises des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgezeichnet.
Dieser Preis wird im Zweijahresrhythmus vergeben und ging in den letzten zehn Wettbewerben achtmal an Wissenschaftler der Uni Heidelberg. Doch wie muss man sich das vorstellen? In einer repräsentativen Umfrage kam sein Team zu dem Ergebnis, dass immerhin 50 Prozent aller Menschen mindestens schon einmal einen luziden Traum hatten. Das bedeutet, sie waren sich der Tatsache bewusst zu träumen und haben die Kontrolle darüber.
Bewegungsablauf perfektionieren
Für die, die nicht zu diesem Prozentsatz gehören, erklärt Erlacher, dass das Erleben "wie am Tag ist, wie Wachleben in der Realität". Sobald der Träumer sich dessen bewusst ist, hat er die Oberhand über sein Traumerleben und kann dieses steuern. Dort setzt die Forschung von Erlacher und seinem Team an. Ist der Mensch in diesem Traumstadium angekommen, können komplexe Bewegungsabläufe, beim Sport oder Instrumentenspiel, wiederholt werden. Sie werden durch die Wiederholung im Klartraum fest im Bewusstsein verankert. Doch wer nun die Hoffnung hat, die Lateinvokabeln ausschließlich im Schlaf zu lernen, wird enttäuscht: Nur auf Dinge, die im Gedächtnis schon vorhanden sind, kann auch zugegriffen werden.
Immerhin, ein Strandspaziergang mit Brad Pitt ist also möglich! Und wohl auch nicht ungewöhnlich. Nach Umfragen sind die häufigsten Aktivitäten beim Klarträumen Fliegen und Sex. Doch zurück zu den Sportlern: Das motorische Lernen während des Schlafes wird von Daniel Erlacher und seinem Team der Uni Heidelberg untersucht. Er führt Interviews mit Spitzensportlern, die vor Wettkämpfen die Technik des Klarträumens anwenden.
Obwohl Erlacher die Technik beherrscht, finden sie bei ihm privat keine Anwendung. Der drei Monate alte Nachwuchs hat Hunger und nachts wenig Verständnis für luzides Training. Denn ein Klartraum ist auch für Geübte anstrengend in der Vorbereitung und braucht Geduld.
Doch auch für Nicht-Spitzensportler kann ein Gewinn in der Technik liegen. Alpträume können so ihren Schrecken verlieren, Probleme können bedacht werden und der Kreativität kann freier Lauf gelassen werden. Ein wahrer Traum. afs
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