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Klage: Der Verwaltungsgerichtshof entscheidet, ob das Jurastudium in Mannheim gegen die Chancengleichheit verstößt

Mannheimer Modell ungerecht?

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 18.02.2015

Von unserem Mitarbeiter Eike Hoppmann

Ein Richterhammer, die Justitia und ein Stapel mit Gerichtsakten - zwei ehemalige Jurastudenten klagen gegen die Mannheimer Juristenausbildung.

© dpa

Der Unternehmensjura-Studiengang gehört zu den großen Errungenschaften der Universität Mannheim. Ein Alleinstellungsmerkmal, das sich bei Studenten großer Beliebtheit erfreut, aber auch Kritik einstecken muss. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg muss jetzt in zwei Berufungsverfahren entscheiden, ob der Studiengang gegen die im Grundgesetz verankerte Chancengleichheit verstößt.

Die beiden Kläger haben in Konstanz und Tübingen Jura studiert, sind aber im Jahr 2012 zum zweiten und damit letzten Mal durch die Staatsprüfung des Ersten Juristischen Examens gefallen. Sie klagen jetzt vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim für eine Neubewertung ihrer Klausuren - und gegen das sogenannte "Mannheimer Modell". Der Freiburger Rechtsanwalt Frank Hofmann vertritt beide Kläger. Er sagt dem "MM": "Die einen müssen alles Wissen in zwei Wochen parat haben, die anderen haben dafür zwei Jahre Zeit - das ist einfach ungerecht."

Das Problem hängt mit dem Aufbau des Studiengangs zusammen (siehe Infobox). Die Umstellung auf das zweistufige Bachelor- und Master-System im Zuge des Bologna-Prozesses ging an den Rechtswissenschaften lange Zeit vorbei. Bis man sich in Mannheim der Sache annahm. Dafür wurde sogar die Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung geändert und gestufte Kombinationsstudiengänge erlaubt. Prinzipiell auch im Sinne Hofmanns: "Jura ist schon ein etwas verzopftes Fach. Reformmodelle sind daher an sich wünschenswert. Nur sollten sie allen Studierenden die gleiche Chance geben."

Der Studiengang Unternehmensjurist an der Uni Mannheim

Seit 2008 bietet die Universität Mannheim den in Deutschland einzigartigen dreijährigen Bachelorstudiengang Unternehmensjurist/in an.

Besonders ist er, weil er rechtswissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte verknüpft und in das Studium integriert.

Nach sechs Semestern haben die Studenten neben Zivil- und Wirtschaftsrecht betriebswirtschaftliche Grundlagen kennengelernt und schreiben die drei zivilrechtlichen Klausuren des Ersten Juristischen Examens.

Anschließend ist es möglich, über einen "Ergänzungsstudiengang" das Erste Juristische Examen abzulegen und sich zum Volljuristen ausbilden zu lassen. Möglich ist aber auch ein wirtschaftswissenschaftlicher Master oder der Einstieg in den Beruf. hop

Er und seine beiden Mandanten sehen die Chancengleichheit allerdings verletzt. Bei der Juristenausbildung in Baden-Württemberg müssen alle Studenten am Ende des Studiums eine aus sechs Klausuren bestehende Staatsprüfung absolvieren. Auch Mannheimer Studenten müssen diese sechs Klausuren schreiben. Mit einem Unterschied: Die drei zivilrechtlichen Klausuren sind bereits Teil der Bachelorprüfung. In dem optionalen Ergänzungsstudiengang wird dieser Teil angerechnet und es müssen nur noch die fehlenden drei Klausuren geschrieben werden. Diese Teilung gibt es bei den Normaljuristen nicht. Aus Sicht der Kläger ist das ungerecht. Der Vorwurf: Die Abschichtung erleichtere die zu erbringende Gedächtnisleistung.

An der Universität Mannheim sieht man das naturgemäß anders. "Die Kombination aus juristischen und wirtschaftswissenschaftlichen Inhalten führt zu einer erheblich breiteren Ausbildung, als dies in rein juristischen Studiengängen der Fall ist, geht aber auch mit einer erheblichen Mehrbelastung der Studierenden im Bachelorstudium einher", teilt die Geschäftsführerin der Abteilung Rechtswissenschaft, Katrin Schoppa, auf Anfrage des "MM" schriftlich mit. Wegen der höheren Gesamtbelastung sehe man den Grundsatz der Chancengleichheit durch die Möglichkeiten der Abschichtung nicht verletzt.

Trotzdem wirbt die Universität in einer Infobroschüre über den Studiengang mit einem "Bonus" für Studenten, weil durch die Zweiteilung einem "zermürbenden Klausurenmarathon am Ende des Studiums" aus dem Weg gegangen werde. "Sechs Klausuren in zwei Wochen, die über alles entscheiden - das ist Stress pur! Klar ärgern sich daher die Jurastudierenden anderer Unis, dass es den Mannheimern hier leichter gemacht wird", sagt Hofmann.

Bestätigung von anderem Gericht

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat sich im Jahr 2013 bereits mit der Verfassungskonformität des "Mannheimer Modells" beschäftigt. Die Richter folgten in ihrem Urteil im Wesentlichen der Argumentation der Universität. In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, der Unternehmensjura-Studiengang unterscheide sich so stark vom klassischen Jurastudium, dass eine zwingende Gleichbehandlung gar nicht notwendig sei. Die Richter sahen ebenfalls einige Indizien dafür, dass der Studiengang anspruchsvoller und eine Abschichtung deshalb gerechtfertigt sei.

Jetzt liegt der Fall beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Ein Urteil soll noch im ersten Quartal dieses Jahres fallen.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 18.02.2015

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