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Jurastudium: Der Unialltag bietet nur wenig Einblicke in das Berufsbild – Eigeninitiative ist deshalb gefragt

Selbst ist der erfolgreiche Jurist

Von unserer Mitarbeiterin Anna Katharina Bernzen

Philip Hagedorn (zweiter v.l.) hat vielen Kommilitonen einiges voraus - neben dem Studium engagiert er sich. Ein zweiter Platz beim Buse Award belohnt ihn dafür.

© zg

Acht Minuten bleiben Philip Hagedorn, um die rund 100 Juristen und Juristinnen im großen Konferenzsaal des Frankfurter Hochhauses von seiner Idee zu überzeugen. Acht Minuten, in denen er ihnen erklären soll, wie man Berufskläger loswerden könnte, die gewerbsmäßig Aktiengesellschaften vor Gericht bringen. Er, der Jurastudent im sechsten Semester. Ihnen, den Großkanzlei-Anwälten und Unternehmensjuristen, die täglich Millionenverträge verhandeln. Viele Wochen Arbeit stecken in der Präsentation, die hinter Philip an die Wand gebeamt wird, als er ans Rednerpult tritt.

Am Ende des Abends wird der angehende Unternehmensjurist mit seiner Idee und dem dazugehörigen Essay auf dem zweiten Platz der Buse Awards gelandet sein. Jedes Jahr verleiht die Großkanzlei Buse Heberer Fromm diesen Preis für die besten Aufsätze zum Kapitalmarktrecht. Einreichen dürfen diese junge Wirtschaftswissenschaftler und Juristen. Eine gute Gelegenheit, schon im Studium eigene Ideen zu entwickeln, sich gute Argumente auszudenken, rhetorisch zu punkten.

Keine Zeit für Engagement

Einen Sprachkurs, vier Wochen Praktikum, zwei Schlüsselqualifikationen: Das müssen Unternehmensjuristen absolvieren. Für Staatsexamenskandidaten sind zwei weitere Monate Praktikum verpflichtend.

Seit 2005 verleiht die Großkanzlei Buse Heberer Fromm die Buse Awards für Essays zum Kapitalmarktrecht. Im Frühjahr 2013 findet die nächste Runde statt.

Die National Model United Nations in Vancouver wurden von der Universität Harvard organisiert. Die nächste globale Versammlung findet im März in Melbourne in Australien statt.

ELSA (The European Law Students' Association) heißt das europäische Netzwerk der Jurastudenten.

Sie organisieren die Konferenz "Das Recht im Netz - juristische Herausforderungen 2.0"

Diese Konferenz findet vom 21. bis 26. April in Heidelberg statt. Anmelden können sich alle interessierten Studenten, nicht nur angehende Juristen.

Doch nicht viele Studenten haben Lust darauf. Nur 25 nahmen dieses Jahr deutschlandweit an den Buse Awards teil. Dabei können die Gewinner neben Siegesprämien von bis zu 1000 Euro noch etwas anderes aus Frankfurt mitnehmen: einen Einblick in die juristische Praxis, wie ihn das Jurastudium sonst eher selten ermöglicht.

"Dass die für Klausuren und Hausarbeiten so wichtigen Paragrafen  auch in der Praxis eine Rolle spielen, weiß man zwar. Das aber selber zu erleben, ist eine tolle Erfahrung", sagt Philip. Dabei kann das Eintauchen ins spätere Berufsleben auch ganz neue Paragrafen ans Licht fördern. Das Völkerrecht zum Beispiel war Matthias Vollmer noch nicht begegnet im Unternehmensjura-Studium. Trotzdem half er im Frühjahr mit, die Genfer Konvention hierzu zu reformieren. Gut, die Juristengruppe, der er angehörte, bestand aus Studenten - ebenso wie der Rest der Vollversammlung der Vereinten Nationen in Vancouver. Denn beide waren Teil der Model United Nations (MUN), bei denen Matthias sich seit Studienbeginn vor drei Semestern engagiert. Doch er berichtet: "Man lernt auf den Konferenzen zu diskutieren, Lobbyarbeit zu betreiben, aber auch zu kooperieren." Eine gute Übung für den Job, der bei Arbeitgeberrankings für Juristen regelmäßig Platz eins belegt: die Arbeit im Auswärtigen Amt. Deshalb will Matthias bald wieder das Diplomatensein üben, auch wenn er sich dafür ein paar Tage Uni-frei nehmen muss.

Wenig Praxisangebote

Genau hier zeigt sich ein Problem: Engagement abseits der Studienordnung, wie es Philip und Matthias betreiben, ist mit dieser oft nur schwer vereinbar. Das weiß auch die Universität: "Wir sind in einer Konfliktlage: Wir würden den Studierenden gerne mehr Praxis anbieten, doch wollen wir ihnen neben dem akademischen Studium auch nicht zu viel aufzwingen", sagt der Juraprofessor Georg Bitter. Er hat den Mannheimer Jurastudiengang mitkonzipiert und Kurse wie Präsentationstechnik und Verhandlungsmanagement eingebaut. Beide sind nach Anmeldungsbeginn schnell ausgebucht. Zu diesen sogenannten Schlüsselqualifikationen kommen vier Wochen Pflichtpraktikum. Mehr fordert die Universität von ihren Studenten aber nicht.

Einige sehen jedoch genau darin auch eine Chance: "Wenn die Universität alles anbieten würde, gäbe es für uns Studenten keinen Anreiz und keine Möglichkeit, selbst aktiv zu werden", glaubt Kristin Buhr. Die Heidelberger Jurastudentin organisiert für die Studenteninitiative ELSA (The European Law Students' Association) eine Konferenz zum Internetrecht. Ein Thema, das ihr in drei Semestern Jurastudium noch nie begegnet ist. Derzeit arbeitet Kristin mit rund 20 Kommilitonen am Programm ihrer Konferenz. Gemeinsam wählen sie Referenten für Vorträge und Workshops, akquirieren Sponsoren in Kanzleien und Unternehmen.

Genau wie Philip und Matthias hat Kristin einen Vorteil. Nach dem Examen haben sie alle bereits einiges von dem erlebt, womit viele Kommilitonen erst im Berufsleben konfrontiert werden. Für die geht es dann vielleicht schon um die Zukunft jener Firmen, denen Philip jetzt noch im Wettbewerb seine Ideen präsentierte.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 19.12.2012

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