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Toleranz: „Queer im Schloss“ heißt das Netzwerk der Homosexuellen an den Hochschulen – Studenten werben für Gleichberechtigung

„Was ist heute schon normal?“

Von unserer Mitarbeiterin Johanna Haag

"Travestie Total": Bei der Kleinkunstshow liefen die Studierenden von "Queer im Schloss" als Diven auf, mit hohen Hacken oder einer Federboa. Erlaubt war, was gefällt. Wir zeigen nur die Accessoires. Was in der Show passiert, soll auch dort bleiben.

© joh

Studenten können nicht nur querdenken, sondern auch "queer leben". Dafür steht "Queer im Schloss" (QuiS), die Anlaufstelle für Schwule, Lesben, Bisexuelle und "Transgender" an der Uni Mannheim. Am vergangenen Samstag zelebrierte QuiS die Kleinkunstshow "Travestie Total" - mit facettenreichen Protagonisten: Im echten Leben studieren sie etwa Mathe oder Politikwissenschaft, doch auf der Bühne verwandelten sie sich in singende und tanzende Diven.

So zeigte sich auch "Patsy Montgomery" sexy mit einem knappen Kleid in Pink, das ihre beneidenswert langen Beine betonte. "Annabelle Amour" hielt es elegant mit einem weißen, bodenlangen Kleid. "Agnetha von Bernadotte" wählte mit dem Kleinen Schwarzen, Lederstiefeln und roter Federboa den klassisch-verruchten Look.

Einer der Veranstalter von "Travestie Total" ist Sören Perschel. Der frischgebackene Geschichts- und Deutschlehrer ist der Sprecher von QuiS. Er beeindruckte mit seinem Gesang und bezeichnet den Abend als einen der Höhepunkte im Veranstaltungskalender. Zweimal pro Jahr feiert QuiS auch eine Studentenparty im Schneckenhof. Heute ist die Fete an der Uni bekannt, ihre Premiere im Jahr 2009 war aber alles andere als rosig: "Schwule Sau" und ähnliche homophobe Schmierereien verunstalteten damals die Party-Plakate. "Auch wenn das ein Einzelfall war, wurde hier eine Grenze überschritten, die nicht überschritten werden darf", kommentiert Sören. Der 24-Jährige war damals überrascht, dass Homosexuelle selbst an einer Universität noch mit bösartigen Vorurteilen zu kämpfen haben: "Solange Homosexualität noch als ,anders' wahrgenommen wird, müssen wir darauf aufmerksam machen, dass sie ganz normal ist. Und mal ehrlich: Was ist heute schon ,normal'?"

"Queer im Schloss" gehört zum Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Die meisten Veranstaltungen finden im AStA-Haus in L 9, 7 statt.

Seit der Gründung im Jahr 2008 hat sich die Anzahl der festen Mitglieder auf etwa 15 verdoppelt. Größere Veranstaltungen werden aber meist von 30 bis 50 Leute besucht. Bei "Travestie Total" füllten gut 25 Zuschauer den Raum.

QuiS bietet auch regelmäßig "Warm-Ups" für die traditionellen Himbeerpartys in der Feuerwache an.

"Queer" ist ein englisches Wort für "schwul". Obwohl es einen abwertenden Beiklang haben kann, verwenden es auch Homosexuelle. joh

Ängste abbauen

QuiS will Präsenz auf dem Campus zeigen und Berührungsängste unter den Studenten abbauen: "Wir sind offen für jeden", erzählt Sören. So offen sogar, dass manch heterosexueller Erstsemester beim Ersti-Kneipenbummel erst nach einigen Bars feststellte, dass er mit homosexuellen Kommilitonen unterwegs war.

Mit den Veranstaltungen richtet sich QuiS an Studenten aller Semester, will aber auch homosexuellen, unsicheren oder noch nicht geouteten Studienanfängern den Start in den neuen Lebensabschnitt erleichtern. Sören freut sich: "Gerade Mannheim ist durch seinen Multikulti-Charakter bereits sehr tolerant." Gleichgesinnte zusammenbringen ist das größte Ziel der engagierten Studenten, und dem sind sie mit "Travestie Total" nähergekommen: Studenten sämtlicher regionaler Hochschulen, Neulinge und Stammpublikum, Schwule und Lesben fanden sich ein - und wurden sogar selbst Teil des Bühnenprogramms. "Sarah Saphir" holte einen männlichen Gast auf die Bühne und deutete zur Erheiterung der restlichen Zuschauer ihre Verführungskünste an.

Zwischen den Show-Einlagen bat Moderatorin Yvonne die Diven zum Interview und stellte zuvor gesammelte Fragen des Publikums. Dank ihres trockenen Humors entpuppte sie sich als heimlicher Star des Abends: Diva "Cathérine Kokett" verneinte etwa die Frage, ob sie den Ausschnitt der Moderatorin bemerkt habe. Daraufhin Yvonne: "Wie man an deiner Kleidung sieht, fallen dir die schönen Dinge im Leben ja nicht auf." Für einige Lacher sorgte auch der teils zu extravagante Tanzstil, der das Mobiliar zum Umfallen und die BHs der Tänzerinnen zum Verrutschen brachte.

Doch auch wenn "Travestie Total" Spaß mache - das Format sei nicht repräsentativ für das QuiS-Programm, betont Sören. Bildaufnahmen der Show würden möglicherweise homophobe Vorurteile bedienen und gehörten nicht in die Zeitung. Auch die Diven spielten ihre Rolle mit viel Selbstironie und identifizierten sich nicht im wahren Leben damit. Daher möchten sie ihre bürgerlichen Namen nicht mit den Künstlernamen in Verbindung bringen. Für Sören ist das kein Widerspruch zu dem Wunsch nach offenem Umgang mit ihrer Sexualität im Alltag: "Travestie ist eine Kunstform, Homosexualität eine sexuelle Identität. Das darf man nicht verwechseln." Ein Klischee könne QuiS aber dann doch erfüllen: "Partys für Homosexuelle punkten mit super Stimmung und ausgelassenen feiernden Leuten."

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 28.11.2012

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