Stadtquartier Q 6/Q 7:
Bei einer Bürgerversammlung der Stadt erläutert der Bauherr das Baugeschehen rund um die Freßgasse
16 Meter geht es in die Tiefe
Von unserem Redaktionsmitglied Anke Philipp
Anwohner fürchten mindestens vier Jahre Lärm und Staub: Ab Sommer wird nicht nur auf den Quadraten Q 6 und Q 7 in der Freßgasse gebaut.
© tröster
Wenn das Q 6-Parkhaus im Sommer schließt, will Diringer & Scheidel mit den Bauarbeiten für das Stadtquartier Q 6/Q 7 beginnen (wir berichteten). Was dann auf Anwohner, Gewerbetreibende und Kunden zukommt, kann noch keiner gänzlich ermessen. Fest steht aber schon jetzt: Viele fürchten Dauerlärm und Dreck, rechnen damit, dass Mannheims größte Baustelle ihre Lebensqualität mächtig beeinträchtigt. Vier Jahre wird gebuddelt und gebohrt - und das nicht nur entlang der beiden Q-Quadrate.
"Ganz Mannheim wird umgegraben", raufte sich bereits vor Beginn der Bürgerversammlung eine Anwohnerin die Haare. P 3, P 5, R 5, T4/T 5: "Das massiert sich in dem Quartier. Wie soll das alles gehen?", lautete die bange Frage. Die Unruhe unter Betroffenen ist groß. Um Bedenken zu zerstreuen, hatte die Stadt gemeinsam mit den Projektentwicklern zu einer Bürgerversammlung ins Stadthaus eingeladen.
Gekommen waren nur Wenige; die allerdings mit großen Sorgen im Gepäck: Schon jetzt seien Zufahrtswege verstopft, Rückstaus in der Freßgasse und Konkordienstraße an der Tagesordnung. Wo sollen die Leute parken? Wie viel Krach wird es geben?
Für die Firma Diringer und Scheidel erläuterte Bauleiter Frank Zschippig Abläufe: So will man extra einen Baulogistiker einschalten, um das Baugeschehen genau zu takten und Staus zu vermeiden. Zunächst wird im Sommer das Parkhaus und der Bunker auf Q 6 abgerissen, das Gelände zum Schutz vor Lärm und Schmutz mit Seekieferplatten umrandet. Beim Abriss, erklärte Zschippig, kämen verschiedene Verfahren zum Einsatz: Betonwände werden mit Meißeln und Hydraulikzangen bearbeitet, bei den Stahlträgern der Schneidbrenner eingesetzt. Die Bunkerwände werden mit Sprengstoff zunächst vorgeschwächt und dann gelockert: Dadurch werde die Lärmbelastung verringert. Zu Testzwecken will man eine Messstelle einrichten, um mittels Probesprengungen Erschütterungen zu erfassen und auszutaxieren. Stolze 16 Meter geht es in die Tiefe bis zur Sohle, der Aushub wird um die Baustelle herum mit Lkw abtransportiert, das Wasser über Hochleitungen zum Neckar geleitet. Parallel beginnt auch in Q 7 der Abbruch in einem ersten Abschnitt.
Rund 1600 Parkplätze entfallen durch den Abriss der Parkhäuser Q 6, Q 7 und R 5: Dafür, so Baubürgermeister Lothar Quast stünden rund 2500 Plätze in umliegenden Garagen parat. Diese seien unterschiedlich ausgelastet, könnten noch Kapazitäten aufnehmen. Zusammen mit den Parkhausbetrieben werde man Lösungen für die, so Quast, komplizierte Sachlage suchen. Nach Abschluss der Bauarbeiten gebe es jedoch dann mehr Parkplätze als heute - nämlich 1280. Den bisher üblichen Stau beim Einfahren in die Freßgasse, so erfuhren die Bürger, soll es dann auch nicht mehr geben. Auf der Höhe von Q 7 fahren die Pkw zunächst auf einer Spur ein, werden dann aber auf verschiedenen Ebenen nach unten ins Parkhaus geführt. "Das ist die Theorie, das andere ist die Praxis", äußerten sich Redner skeptisch bei der Versammlung, die OB Kurz eröffnete. Umstritten war beim anschließenden Austausch auf den Gängen die Fassadengestaltung, die mancher als unruhig und chaotisch empfand. Und auch die Glasröhre zwischen den beiden Mall-Blöcken und der Freiluft-Schacht auf dem öffentlichen Plaza-Gelände, die schon der Gestaltungsbeirat der Stadt bemängelt hatten, waren etlichen Besuchern ein Dorn im Auge.
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