Kitas in Mannheim:
Stadt könnte vorgesehene Betreuungsquote für Ein- bis Dreijährige wegen Personalmangels verfehlen
250 Erzieherinnen fehlen noch
Von unserem Redaktionsmitglied Fabian Busch
Teerunde im Mannheimer Kinderhaus in der Cheliusstraße. Bis August müssen in der Stadt noch mehr als 1000 Betreuungsplätze entstehen.
© Tröster
Der Ausbau der Kinderbetreuung ist in Mannheim eine Herausforderung mit vielen Baustellen - im übertragenen wie im konkreten Sinn. Gebaut wird derzeit nämlich tatsächlich an vielen Stellen der Stadt. Mehr als 920 Krippenplätze für Ein- bis Dreijährige sollen bis zum kommenden August noch entstehen, außerdem 150 Plätze bei Tagesmüttern. Dann hätte die Stadt die vorgesehene Betreuungsquote von 35 Prozent erreicht, zumindest theoretisch. Praktisch aber ist das Ziel noch in Gefahr. Wegen mangelnden Personals.
Der Bund räumt Eltern von Ein- bis Dreijährigen ab August einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ein. Das bedeutet nicht, dass die Kommunen jedes Kind versorgen müssen, vorgesehen ist aber eine Betreuungsquote von 35 Prozent - die Plätze können in Kitas oder bei Tagesmüttern angesiedelt sein. "Baulich erreichen wir zum 1. August die Versorgungsquote zwar, aber wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob wir die personellen Kapazitäten besitzen werden", sagt Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb. Möglicherweise muss sich die Verwaltung daher auf Klagen gefasst machen.
Rund 250 Erzieherinnen (oder natürlich die selteneren Erzieher) fehlen derzeit noch, um die nötigen Stellen sowohl in öffentlichen Kitas als auch in solchen der Freien Träger zu besetzen. Man befinde sich mitten im Bewerbungsprozess, teilt die Stadt mit. Da aber Kommunen im ganzen Land ihre Kinderbetreuung ausbauen, buhlen viele zukünftige Arbeitgeber um neue Fachkräfte.
Rund 80 Millionen Euro kosten die baulichen Maßnahmen, um bis zum Spätsommer die nötige Zahl von knapp 2800 Krippenplätzen zu erreichen. 1,6 Millionen Euro investiert die Stadt zudem, um dem Erzieherinnenmangel entgegenzutreten. Der wichtigste Baustein dieses sogenannten "Attraktivitätsfonds" ist die "Praxisintegrierte Erzieherausbildung" (PIA), bei der die Auszubildenden im Gegensatz zum bisherigen Modell vom ersten Jahr an Geld verdienen. Für das jetzt zunächst anstehende Ausbauziel nützt der Stadt das Vorzeigeprojekt PIA allerdings noch nichts, denn der erste Jahrgang hat 2012 erst die Ausbildung begonnen. Deswegen setzt die Verwaltung unter anderem auch auf Weiterbildungen für Kinderpfleger und hat eine Werbekampagne gestartet.
35 Prozent noch zu wenig?
Doch selbst wenn die Stadt die Marke noch erreicht, wird kaum Zeit zum Durchatmen bleiben. Eine Betreuungsquote von 35 Prozent gilt nur als Richtmarke, weil unklar ist, bei welchem Wert wirklich alle Eltern einen Platz bekommen, die einen wollen. "Wir gehen davon aus, dass mit dieser Versorgungsquote der Rechtsanspruch in vielen Städten, so auch in Mannheim, nicht erfüllbar ist", sagt Freundlieb. "Deshalb sind Planungen für einen weiteren Ausbau in Vorbereitung."
Auch das Thema Platzvergabe will die Stadt noch einmal angehen. Ursprünglich wollte Freundlieb ein zentrales System für Anmeldung und Verteilung der Plätze bei städtischen Stellen aber auch bei allen anderen Einrichtungen einführen. Damit scheiterte sie am Widerstand der Freien Träger. Dazu gehören etwa die Kirchen aber auch kleinere Organisationen und Elterninitiativen.
Deren Einrichtungen umfassen zwei Drittel aller Plätze. Die Freien Träger hatten die zentrale Platzvergabe nicht mitgetragen. Deshalb wird über das neue Meldesystem (MeKi, siehe Infobox) nur die Anmeldung zentral erfasst. Wer die Plätze erhält, entscheiden die Träger der Kitas. "Wir wollten das eigentlich zentralisieren, damit die Vergabe transparent und nachvollziehbar ist", sagt Marion Lüttig, Mitglied im Vorstand des Stadtelternbeirats der Betreuungseinrichtungen.
Bei den Freien Trägern ist dagegen zu hören, man warte zunächst ab, wie überhaupt die zentrale Anmeldung funktioniert. "Das ist sicher eine schwierige Testphase", sagt Eckhard Berg, Geschäftsführer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde. 9000 Briefe hatte die Stadt an Eltern verschickt, mit der Bitte, den Vormerkbogen auszufüllen. Nur 4000 davon sind aber bisher ins MeKi-Büro zurückgekommen.
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