DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Mittwoch, 30.07.2014

Suchformular
 
 
Feudenheim Friedrichsfeld Innenstadt / Jungbusch Innenstadt / Jungbusch Käfertal Lindenhof Neckarau Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt West Neuostheim / Neuhermsheim Neuostheim / Neuhermsheim Oststadt / Schwetzingerstadt Oststadt / Schwetzingerstadt Rheinau / Hochstätt Sandhofen Schönau Seckenheim Vogelstang Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Wallstadt

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • via Facebook teilen
  • Drucken
  • Senden

Planken: Ganz wenige Objekte an der Einkaufsmeile genießen das Prädikat „erhaltenswert“ / Kein Bauwerk aus der Zeit vor 1935 erhalten

Auf der Suche nach Kulturdenkmälern

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Unverwechselbar: der denkmalgeschützte P 5-Bau aus den 30er Jahren mit dem Balkonrelief "Kurfürst Carl Theodor auf der Jagd" von Zenta Zizler.

© Prosswitz

Architektur mit Adler: Die Post in O 2 steht als Denkmal für die 50er Jahre.

Ähnelt der textilen Struktur eines Teppichs: das Engelhardt-Haus in O 6, 3.

© Markus Prosswitz / masterpress

Erhaltenswert: die wunderbaren Fifty-Formen in der Öva-Passage P 7.

© Markus Prosswitz / masterpress

Ein original barockes Bauwerk an den Planken? Fehlanzeige. Nicht einmal ein historisierender Gründerzeittempel hinterließ eine verschnörkelte Erinnerung an der Einkaufsmeile. Historisches Gemäuer, das den Bombenhagel überdauert hatte, wurde später bedenkenlos der Wirtschaftlichkeit und dem Zeitgeschmack geopfert - mit Einverständnis des Denkmalschutzes. Wie das alte Bankpalais in O 4, 4, das 1972 von der BW-Bank bis auf die Grundmauern abgerissen und mit einer Fassade im barocken Stil wieder aufgerichtet wurde. Nun steht es ohne Denkmalschutz da, soll einem Komplett-Neubau weichen. Um den Erhalt dieser wohlvertrauten Außenansicht an prominenter Stelle kämpfen die Mannheimer seit Wochen. Und es scheint sich Hoffnung abzuzeichnen: Nach Gesprächen zwischen der Stadtspitze und dem Chef der LBBW-Immobilien sollen nochmals alle Möglichkeiten geprüft werden, um das Gesicht der Innenstadt und wohl auch das Image der Landesbank Baden-Württemberg nicht zu beschädigen.

Eine Rettung - auch ohne die Hilfe der Denkmalschützer, denn die wollen der O 4, 4-Rekonstruktion auf keinen Fall das Prädikat "kulturhistorisch wertvoll" anhängen, es fehle an historischer Substanz, so die Konservatoren.

Überhaupt: Nur ganz wenige Objekte an den Planken genießen das Ansehen als Kulturdenkmal: zum Beispiel die Hauptpost am Paradeplatz in O 2. Die sich im 50er-Jahre-Look sehr qualitätvoll präsentiert und mit der Mosaik-Zier den Zeitgeist jener Aufbaujahre ausstrahlt. Dieses kühle und klare Beispiel für gelungene Nachkriegsarchitektur von Friedrich Bauer trägt den Stempel "Denkmalschutz" ebenso wie die Öva-Passage (1955/57), die Gustav Geyer mit kühnem Schwung entwarf.

Planken-Kulturdenkmäler

An den Planken stehen folgende Kulturdenkmäler unter Schutz:

 

Paradeplatz mit der Grupello-Pyramide in O 1.

 

Mannheimer Hauptpostamt in O 2.

 

Teppich Engelhardt in O 6,3.

 

Die Zizler-Bauten aus den 30er Jahren in P 5, 1-4, 14-19 sowie in P 6, 1-2, 10-11, 22-26 und die Passage in P 7, 5.

 

An den verlängerten Planken ist mehr kulturhistorische Substanz erhalten:

 

C&A in D 1, 5-8. D 4, 6 D 4, 7

 

Städtisches Leihamt in D 4, 9-10

 

Das Haus der Caritas in D 7, 5

 

Das Elisabeth-Gymnasium D 7, 8 , E 3, 16

 

Die ehemalige Produktenbörse in E 4, 1-3; 7-17

 

Das Rathaus in E 5

 

Das Bürgerhospital mit Kirche in E 6 E 7, 23-24.

Das "Koha" in P 5

Die Sprache der geraden Fronten verkörpern die Bauten mit der gelblich-weißen Sandstein-Verkleidung in den Quadraten P 5 und P 6. Sie wurden in den Jahren 1932/37 an den verbreiterten Planken unter der Leitung von Stadtoberbaudirektor Josef Zizler in schöner ästhetischer Linientreue hochgezogen. Bis heute schmückt ein langgezogenes Relief den markanten Balkon. Zenta Zizler, die Tochter des Baudirektors, entwarf dieses Erkennungsmerkmal an den Planken, die Kunstschmiede Karl und Friedrich Guiege brachten den eisernen "Kurfürsten Carl Theodor auf der Jagd" in seine bleibende aussagekräftige Form.

Hinter der P 5-Fassade drehte sich einst "tout Mannheim" im Takt: Das berühmte Café Koschenhassen, umweht vom Aroma und Aura, wurde dort 1936 eröffnet. Man liebte diesen Tempel des Vergnügens, wo erstklassige Kapellen zum Tanz aufspielten. Nach dem Krieg richteten die Amerikaner zunächst eine Rot-Kreuz-Station ein, und nach diesem Zwischenakt schwoften die Alliierten, schallten unerhörte Jazz-Klänge vom Balkon. Erst 1950 erhielten die Mannheimer ihr "Koha" wieder zurück, doch 1959 ging die glanzvolle Ära des Tanzcafés sang- und klanglos zu Ende. Und noch ein Zeugnis der Baukunst an den Planken stuften die Kunstrichter nach § 2 des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg als Kulturdenkmal ein: das Geschäftshaus Teppich Engelhardt. An seiner Erhaltung besteht aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse, heißt es in der Begründung. Das Eckgebäude setze durch seine Gitterfassade einen entscheidenden Akzent. In zehnjähriger Umbauphase wurde das Gründerzeithaus bis 1969 von dem Architekten Richard Jörg umgebaut und vom Ludwigshafener Künstler Ernst W. Kunz mit einer Strukturfassade ummantelt und zu einer Skulptur umgestaltet, die aus 2400 quadratischen, silberfarbenen Aluminiumgusselementen besteht. Besonderer Clou an dieser Arbeit: Die Elemente bestehen aus etwa sechs Formen, "die durch Drehung und beidseitige Verwendung ein unregelmäßiges Rasterbild erzeugen, das der textilen Struktur eines Teppichs ähnelt."

Von wissenschaftlicher Bedeutung, so die Konservatoren, sei auch die Anwendung eines Vollgussverfahrens nach US-Patent. Und die künstlerische Bedeutung liege hier vor allem in der Doppeldeutigkeit von Gesamtbild und Einzelelement, im meisterhaften Spiel zwischen Monotonie und Belebtheit. Die heimatgeschichtliche Bedeutung, so das Urteil der Experten, manifestiere sich darin, dass das Teppichhaus Engelhardt mit seiner Fassade "in weiten Kreisen der Bevölkerung ein Begriff" ist.

Physiognomie der City

Alles richtig und erhaltenswichtig, der Kunz-Kubus steht für die avantgardistische Ästhetik der 60er Jahre und gehört zur Physiognomie der City. Aber dass keines der drei Denkmalschutz-Kriterien auf das alte Geldinstitut O 4, 4 zutreffen soll, das will vielen Mannheimern, die für den Erhalt kämpfen, nicht in den Kopf. Wenigstens heimatgeschichtlich spiele das Palais eine prägende Rolle, wo doch die Bank von 1870 bis 2009 prachtvoll residierte.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 17.03.2012

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich einloggen, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • via Facebook teilen
    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Das Wetter in Mannheim

    Mannheim - Prognose für 12 Uhr

    22°

    Das Wetter am 30.7.2014 in Mannheim: örtlich Regenschauer
    MIN. 19°
    MAX. 24°
     

    Wo können die Gelben Säcke abgeholt werden?

    Wo können in Mannheim die Gelben Säcke abgeholt werden. Unsere Übersicht listet die Stellen auf. (PDF als Download)

     
     

    Zum Thema

    Gewalt in den Köpfen

    Schon im Vorfeld konnte man über den sicherlich gut gemeinten Appell gesellschaftspolitisch relevanter Institutionen unserer Stadt an die Teilnehmer der erwarteten Demonstration Free Palestine nur den Kopf schütteln. Einen demokratischen Staat, nämlich Israel und eine brutale Terrororganisation im… [mehr]

    Grafik

    Entwicklung des Arbeitsmarktes 2013/2014

    So haben sich die Arbeitslosenzahlen und die Arbeitslosenquote 2013 und 2014 in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg bisher entwickelt.

    "MM"-Kantine

    "Theater findet im Kopf statt"

    Ein Auto-Rave-Konzert, bewegende Erzählungen, ein schillernder Cowboy - die Festival-Leitung von „Theater der Welt“ erklärt, was Mannheim erwartet. [mehr]

    morgenweb und fnweb führen Online-Abos ein

    Eine Investition in die Qualität

    Mannheim. Die renommierte "New York Times" aus den USA hat es im März 2011 vorgemacht, seitdem folgen auch in Deutschland immer mehr Verlage mit unterschiedlichen Bezahlmodellen im Internet. So hat zum Beispiel die "Bild-Zeitung" erst im Juni diesen Jahres ihr neues Digital-Abo-Angebot "Bild… [mehr]

    Kontakt zur Lokalredaktion

    Die Lokalredaktion erreichen Sie unter folgenden Telefonnummern:

     
    Sekretariat  
    Frau Roy 0621/392 13 18
    Frau Syring 0621/392 13 19
    Fax 0621/392 16 67
    Redakteure Stadtteilseiten  
    Mitte: Frau Philipp 0621/392 16 30
    Süd: Herr Cerny 0621/392 13 98
    Ost: Herr Jansch 0621/392 13 47
    Nord: Herr Zurheide 0621/392 13 16
     

    Schreiben Sie uns eine E-Mail!

    Beilage "Klasse 5"

    Wohin nach der Grundschule?

    Die weiterführenden Schulen im Steckbrief. Eine Beilage zur Ausgabe Ihrer Zeitung vom 7. Februar 2014.

    Wissenstests

    Gesucht: Kenner der Region!

    Ob Nachrichten aus Rhein-Neckar oder die regionale Weinszene - wie gut wissen sie Bescheid? Wöchentlich erwarten sie neue herausfordernde Wissenstests. Zeigen Sie, dass Sie ein Kenner der Region sind!

    Spezial

    Bauprojekte in der Mannheimer City

    Q6/Q7, Prinz-Haus, Bankpalais, Plankenumbau: Die Mannheimer City befindet sich im Umbruch. Wir fassen die Berichterstattung zu den Projekten in einem eigenen Portal zusammen. [mehr]

    Hier geht's zum Spezial!

    Zum Thema

    Otto Nerz gewürdigt

    Die Herberger-Ausstellung im Pflanzenschauhaus des Luisenparks war sehr gut. Besonders hat mich als Mannheimer natürlich gefreut, dass zum ersten Mal der erste Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Otto Nerz, der ja aus den Reihen des VfR Mannheim hervorgegangen ist, für seine Leistung… [mehr]

    Rund 10.000 Jobs, Praktika und Ausbildungsplätze in Mannheim und Umgebung finden Sie hier

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR