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Planken: Ganz wenige Objekte an der Einkaufsmeile genießen das Prädikat „erhaltenswert“ / Kein Bauwerk aus der Zeit vor 1935 erhalten

Auf der Suche nach Kulturdenkmälern

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Unverwechselbar: der denkmalgeschützte P 5-Bau aus den 30er Jahren mit dem Balkonrelief "Kurfürst Carl Theodor auf der Jagd" von Zenta Zizler.

© Prosswitz

Architektur mit Adler: Die Post in O 2 steht als Denkmal für die 50er Jahre.

Ähnelt der textilen Struktur eines Teppichs: das Engelhardt-Haus in O 6, 3.

© Markus Prosswitz / masterpress

Erhaltenswert: die wunderbaren Fifty-Formen in der Öva-Passage P 7.

© Markus Prosswitz / masterpress

Ein original barockes Bauwerk an den Planken? Fehlanzeige. Nicht einmal ein historisierender Gründerzeittempel hinterließ eine verschnörkelte Erinnerung an der Einkaufsmeile. Historisches Gemäuer, das den Bombenhagel überdauert hatte, wurde später bedenkenlos der Wirtschaftlichkeit und dem Zeitgeschmack geopfert - mit Einverständnis des Denkmalschutzes. Wie das alte Bankpalais in O 4, 4, das 1972 von der BW-Bank bis auf die Grundmauern abgerissen und mit einer Fassade im barocken Stil wieder aufgerichtet wurde. Nun steht es ohne Denkmalschutz da, soll einem Komplett-Neubau weichen. Um den Erhalt dieser wohlvertrauten Außenansicht an prominenter Stelle kämpfen die Mannheimer seit Wochen. Und es scheint sich Hoffnung abzuzeichnen: Nach Gesprächen zwischen der Stadtspitze und dem Chef der LBBW-Immobilien sollen nochmals alle Möglichkeiten geprüft werden, um das Gesicht der Innenstadt und wohl auch das Image der Landesbank Baden-Württemberg nicht zu beschädigen.

Eine Rettung - auch ohne die Hilfe der Denkmalschützer, denn die wollen der O 4, 4-Rekonstruktion auf keinen Fall das Prädikat "kulturhistorisch wertvoll" anhängen, es fehle an historischer Substanz, so die Konservatoren.

Überhaupt: Nur ganz wenige Objekte an den Planken genießen das Ansehen als Kulturdenkmal: zum Beispiel die Hauptpost am Paradeplatz in O 2. Die sich im 50er-Jahre-Look sehr qualitätvoll präsentiert und mit der Mosaik-Zier den Zeitgeist jener Aufbaujahre ausstrahlt. Dieses kühle und klare Beispiel für gelungene Nachkriegsarchitektur von Friedrich Bauer trägt den Stempel "Denkmalschutz" ebenso wie die Öva-Passage (1955/57), die Gustav Geyer mit kühnem Schwung entwarf.

Planken-Kulturdenkmäler

An den Planken stehen folgende Kulturdenkmäler unter Schutz:

 

Paradeplatz mit der Grupello-Pyramide in O 1.

 

Mannheimer Hauptpostamt in O 2.

 

Teppich Engelhardt in O 6,3.

 

Die Zizler-Bauten aus den 30er Jahren in P 5, 1-4, 14-19 sowie in P 6, 1-2, 10-11, 22-26 und die Passage in P 7, 5.

 

An den verlängerten Planken ist mehr kulturhistorische Substanz erhalten:

 

C&A in D 1, 5-8. D 4, 6 D 4, 7

 

Städtisches Leihamt in D 4, 9-10

 

Das Haus der Caritas in D 7, 5

 

Das Elisabeth-Gymnasium D 7, 8 , E 3, 16

 

Die ehemalige Produktenbörse in E 4, 1-3; 7-17

 

Das Rathaus in E 5

 

Das Bürgerhospital mit Kirche in E 6 E 7, 23-24.

Das "Koha" in P 5

Die Sprache der geraden Fronten verkörpern die Bauten mit der gelblich-weißen Sandstein-Verkleidung in den Quadraten P 5 und P 6. Sie wurden in den Jahren 1932/37 an den verbreiterten Planken unter der Leitung von Stadtoberbaudirektor Josef Zizler in schöner ästhetischer Linientreue hochgezogen. Bis heute schmückt ein langgezogenes Relief den markanten Balkon. Zenta Zizler, die Tochter des Baudirektors, entwarf dieses Erkennungsmerkmal an den Planken, die Kunstschmiede Karl und Friedrich Guiege brachten den eisernen "Kurfürsten Carl Theodor auf der Jagd" in seine bleibende aussagekräftige Form.

Hinter der P 5-Fassade drehte sich einst "tout Mannheim" im Takt: Das berühmte Café Koschenhassen, umweht vom Aroma und Aura, wurde dort 1936 eröffnet. Man liebte diesen Tempel des Vergnügens, wo erstklassige Kapellen zum Tanz aufspielten. Nach dem Krieg richteten die Amerikaner zunächst eine Rot-Kreuz-Station ein, und nach diesem Zwischenakt schwoften die Alliierten, schallten unerhörte Jazz-Klänge vom Balkon. Erst 1950 erhielten die Mannheimer ihr "Koha" wieder zurück, doch 1959 ging die glanzvolle Ära des Tanzcafés sang- und klanglos zu Ende. Und noch ein Zeugnis der Baukunst an den Planken stuften die Kunstrichter nach § 2 des Denkmalschutzgesetzes Baden-Württemberg als Kulturdenkmal ein: das Geschäftshaus Teppich Engelhardt. An seiner Erhaltung besteht aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse, heißt es in der Begründung. Das Eckgebäude setze durch seine Gitterfassade einen entscheidenden Akzent. In zehnjähriger Umbauphase wurde das Gründerzeithaus bis 1969 von dem Architekten Richard Jörg umgebaut und vom Ludwigshafener Künstler Ernst W. Kunz mit einer Strukturfassade ummantelt und zu einer Skulptur umgestaltet, die aus 2400 quadratischen, silberfarbenen Aluminiumgusselementen besteht. Besonderer Clou an dieser Arbeit: Die Elemente bestehen aus etwa sechs Formen, "die durch Drehung und beidseitige Verwendung ein unregelmäßiges Rasterbild erzeugen, das der textilen Struktur eines Teppichs ähnelt."

Von wissenschaftlicher Bedeutung, so die Konservatoren, sei auch die Anwendung eines Vollgussverfahrens nach US-Patent. Und die künstlerische Bedeutung liege hier vor allem in der Doppeldeutigkeit von Gesamtbild und Einzelelement, im meisterhaften Spiel zwischen Monotonie und Belebtheit. Die heimatgeschichtliche Bedeutung, so das Urteil der Experten, manifestiere sich darin, dass das Teppichhaus Engelhardt mit seiner Fassade "in weiten Kreisen der Bevölkerung ein Begriff" ist.

Physiognomie der City

Alles richtig und erhaltenswichtig, der Kunz-Kubus steht für die avantgardistische Ästhetik der 60er Jahre und gehört zur Physiognomie der City. Aber dass keines der drei Denkmalschutz-Kriterien auf das alte Geldinstitut O 4, 4 zutreffen soll, das will vielen Mannheimern, die für den Erhalt kämpfen, nicht in den Kopf. Wenigstens heimatgeschichtlich spiele das Palais eine prägende Rolle, wo doch die Bank von 1870 bis 2009 prachtvoll residierte.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 17.03.2012

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