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„MM“-Bürgerforum (Mit Video und Fotostrecke): Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern einer Bundesgartenschau über die Vereinbarkeit von Stadtentwicklung und Klimaschutz

Buga-See in der Au bleibt Streitpunkt

Archiv-Artikel vom Freitag, den 08.02.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Jansch

Beim "MM"-Bürgerforum im Anna-Reiß-Saal der rem erläuterte Bernhard Schwarz vom Büro sinai (re.) die Eckpunkte der Machbarkeitsstudie zur Buga 2023.

© Prosswitz

Lässt sich eine Bundesgartenschau 2023 mit dem Naturschutz vereinbaren oder zerstört sie ein historisch gewachsenes Landschaftsschutzgebiet in der ehemaligen Neckarschleife der Feudenheimer Au? Das war eine der Streitfragen, die beim Bürgerforum des "Mannheimer Morgen" im Anna-Reiß-Saal der Reiss-Engelhorn-Museen diskutiert wurden. In der von den Lokalredakteuren Dr. Stephan Wolf und Thorsten Langscheid moderierten Veranstaltung standen sich Befürworter und Kritiker einer Buga-Bewerbung erstmals im offenen Meinungsaustausch gegenüber.

"Buga 2023 - eine Zukunftschance für Mannheim?" so lautete die Frage des Abends. Bürgermeister Lothar Quast, Jochen Sandner, der Geschäftsführer der Bundesgartenbau-Gesellschaft, Bernhard Schwarz vom beauftragten Planungsbüro Sinai in Berlin und Zukunftslotse Johannes Walter haben das Fragezeichen bereits gestrichen. Sie sehen in der Bundesgartenschau eine einmalige Chance für Mannheim als "Motor der Stadtentwicklung" und Initialzündung für einen Grünzug Nord-Ost vom Rhein bis zum Neckar.

Gesamtstädtisches Sommerfest

"Ich habe alle Bundesgartenschauen der letzten 20 Jahre gesehen", so Lothar Quast, "und sie waren dann besonders gelungen, wenn es die Städte verstanden haben, die Bugas unter den aktuellen Anforderungen der Stadtentwicklung nutzbar zu machen." Bei der Konversion gehe es ja grundsätzlich um die Fragestellung, wie die einzelnen Flächen ihren Mehrwert zum Thema Freiraumnutzung beitragen könnten. Der Bürgerpark Wingertsbuckel könne über eine Buga auf Spinelli ein wesentlicher Bestandteil des zukünftigen Grünzuges werden.

"Wir haben die Chance, unter dem Motto 'Mannheim verbindet' für 180 Tage ein gesamtstädtisches Sommerfest zu feiern und damit ein Stück Gemeinschaftsgefühl in die Stadt hineinzutragen", warb Landschaftsarchitekt Schwarz. Doch eine Bundesgartenschau müsse mehr sein als eine reine Blumenausstellung. Neben einem hoch attraktiven Gelände, einem besonderen Thema und einem breit angelegten gärtnerischen Programm, sei der Höhensprung über das Ufergestade des Aubuckels mit Panoramablick auf die Stadt das besonders Reizvolle. "Der Höhensprung soll inszeniert werden", schwärmte der Landschaftsplaner. Es solle gezeigt werden, wie naturnaher Wasserbau funktionieren und wie Landwirtschaft auch schön gestaltet aussehen könne.

Doch genau dieser Überlegungen rufen die Landschaftsschützer auf den Plan. Gabriele Baier vom Umweltforum Mannheim sieht durch den geplanten naturnahen See alle Maßnahmen zerstört, mit denen man das Landschaftsschutzgebiet Au in den letzten 20 Jahren aufzuwerten versucht habe. Durch das Konzept des Panoramaparks müssten auf einer Länge von 600 bis 700 Metern sämtliche Bäume entlang der Straße Am Aubuckel gefällt werden. "Das sind gigantische Eingriffe in die Au und mit dem Schutzzweck nicht vereinbar sind", kritisierte Baier. Lothar Quast widersprach: "Die Bundesgartenschau verstößt nicht gegen den Klimaschutz. Sie soll Freiräume sichern und gestalten.

Bei den Bürgern, die sich zahlreich zu Wort meldeten, überwogen die skeptischen Stimmen. Die Rede war von einem Dschungelcamp wegen der geplanten Savanne im Zentrum des Spinelli-Geländes. "Wie will die Stadt Mannheim mit 1,1 Milliarden Euro Schulden die Buga finanzieren?" frage Klaus Brückner, der bezweifelte, dass die veranschlagten 105 Millionen Euro ausreichen werden. "Ich kann mich für nichts begeistern, wenn ich nicht weiß, worauf ich verzichte", wollte Bianca Köhn wissen, was durch die Buga wegfällt. "Warum die Millonen nicht so einsetzen, dass das Ziel Umweltschutz und die geplanten Bürgerparks optimiert werden?" schlug Gunter Maier vor.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.02.2013

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