Sport:
Otto Rehhagel bei der Siegerehrung des Sepp-Herberger-Tages für Grundschüler zu Gast / 200 Schüler spielen im Herzogenriedpark Fußball
„Der Waldhof braucht einen Scheich“
Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm
Otto Rehhagel weiß noch immer, wo es lang geht - gestern im Herzogenriedpark mit Bürgermeister Christian Specht, Ronny Zimmermann, Präsident des Badischen Fußballverbandes, (von links) und Mannheimer Grundschülern.
© Tröster
Die Unterschrift ist ein ganz klein wenig verwischt, trotzdem blickt Melina stolz auf die Karte in ihrer Hand. In dicker schwarzer Schrift hat Otto Rehhagel gerade darauf unterschrieben. Die neunjährige Grundschülerin weiß zwar nicht genau, was der Herr Rehhagel so gemacht hat, "aber er ist schon ein wichtiger Mann". Die Autogrammkarte will sie darum Zuhause auf ihren Schreibtisch legen. Leon, ebenfalls neun, kennt Rehhagel dagegen recht gut - "von meinem Opa". Den ganzen Morgen haben Grundschüler gestern im Herzogenriedpark Fußball gespielt, zur Siegerehrung kam dann Otto Rehhagel, um den Schülern zu gratulieren.
Doch auch wenn die Schüler 2004, als Otto Rehhagel mit den Griechen Europameister wurde, gerade mal zwei Jahre alt waren, gehört haben fast alle schon von ihm. "Otto", rufen einige Jungs direkt vor der Bühne und strecken kleine Pappkarten hoch, um ein Autogramm zu bekommen. Rehhagel steht auf der Bühne, seine Gelassenheit hat irgendwie etwas Buddhahaftes, immer wieder legt er mal einem Schüler freundlich die Hand auf die Schulter, weil es die Fotografen so wünschen. Er trägt einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd. "Sie sehen so unglaublich frisch aus", sagt später jemand zu ihm, doch auch das erzeugt keine größere Regung bei dem 73-Jährigen.
"Seid gut in der Schule"
"Seid gut in der Schule, und geht in Sportvereine, dort lernt ihr ein soziales Leben", das gibt Rehhagel den Schülern mit auf den Weg. Und die Eltern sollen ihren Kindern "den Weg im Leben zeigen". Doch den Grundschülern geht es im Herzogenriedpark nicht unbedingt ums Große. Als die Kinder sich melden dürfen, fragt der Erste, ob er ein Autogramm bekommt, der Zweite, wer Fußball erfunden hat. Das weiß selbst der 73-jährige Rehhagel nicht, dafür aber kann er dem Mädchen helfen, das ihn nach seinem Lieblingsverein fragt. "Werder Bremen", sagt Rehhagel da sofort, eine unglaubliche Zeit habe er dort erlebt, "mit Rudi Völler und Kalle Riedle". Aber auch dem FCK wünsche er alles Gute, "dass sie wieder aufsteigen und Meister werden". Und nach einer kleinen Pause fügt Rehhagel hinzu: "Natürlich drücke ich auch dem Waldhof die Daumen. Aber der braucht einen Scheich, der ihm etwas Taschengeld gibt."
Für die rund 200 Kinder ist der Besuch von Rehhagel der Abschluss eines sportlichen Tages. 16 Grundschulen aus Mannheim, Wiesloch und Sinsheim hatte die Sepp-Herberger-Stiftung des DFB eingeladen, die Schüler kickten in Teams gegeneinander, Turniersieger oder -Verlierer gab es allerdings nicht. Schließlich sollte es um die Begeisterung für den Fußball und das Andenken an Sepp Herberger gehen, nicht um den Wettbewerb.
Fast jeden Tag spiele er zuhause Fußball erzählt Lukas, gegen seinen Vater und seine Schwester. "Der Papa ist am besten", sagt er. Leon ist sogar schon im Verein, Stürmer spielt er dort, auch beim Turnier hat er zwei Tore geschossen. Klar, er habe auch Lieblingsspieler, "Klose und - ", Leon muss kurz nachdenken, "und Mario Gomez natürlich."
Nach der Siegerehrung wird es schnell ruhiger rund um die Bühne im Herzogenriedpark, Otto Rehhagel schreibt noch letzte Autogramme. Dann kommt ein Grieche zu ihm auf die Bühne, er wickelt eine Flagge auseinander und lässt sich glücklich strahlend mit Rehhagel fotografien. "Ja su", rufen sich beide danach zu, "tschüss".
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