Caritasverband:
Angebot für Senioren, die von Alkohol oder Medikamenten abhängig sind, endet zum 30. April / Suchtpatienten müssen nach Alternativen suchen
Einsamkeit – im Rentenalter droht die Sucht
Von unserem Redaktionsmitglied Agnes Polewka
Wenn ältere Menschen aus dem Berufsleben ausscheiden, fühlen sie sich häufig nicht mehr gebraucht und einsam. Aus Verzweiflung greifen viele zum Alkohol oder zu Medikamenten.
© DPA
Manfred S. hat ein Suchtproblem. Im Alter von dreißig Jahren fing er an, seinen Geist mit Valium zu betäuben. "Wenn man Tabletten nimmt, sind viele Probleme weniger schlimm", sagt der Suchtpatient. 43 800 Tabletten, vierzig Jahre und eine Reihe gesundheitlicher Gebrechen später, erkannte Manfred S., dass er ein Problem hat.
Ein Problem, mit dem immer mehr ältere Menschen zu kämpfen haben: Sucht im Alter. Der Senior entschloss sich dazu, einen Entzug zu machen. "Ich hatte aber wirklich Angst, dass alles wieder von vorne anfängt, sobald ich nach Hause zurückkomme. Sobald die alten Schwierigkeiten wieder da sind", erinnert sich der Suchtpatient. Heute ist der 73-Jährige "clean". Nach dem Entzug fand er Hilfe bei Mitarbeitern des Projekts "Lebensqualität im Alter" (LEiA), einem Angebot der Suchtberatung des Caritasverbands Mannheim. Nach drei Jahren Laufzeit endet das Projekt regulär zum 30. April dieses Jahres - eine Katastrophe für Manfred S. "Was passiert nun mit uns?", fragt der 73-Jährige.
80 000 Euro Fördergelder
Symposium zum Thema
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Der Caritasverband Mannheim veranstaltet am Dienstag, 5. März, von 13 bis 17.30 Uhr ein Symposium zum Thema "Sucht im Alter - eine unterschätzte Gefahr" im Theresienkrankenhaus (Bassermannstraße 1).
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Dabei sollen auch die Ergebnisse des Projekts "Lebensqualität im Alter" präsentiert werden.
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Weitere Vorträge widmen sich der "Notwendigkeit einer Suchthilfe für alte Menschen" und "Ethischen Implikationen von Suchterkrankungen im Alter".
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Eine Anmeldung ist bis 1. März per Telefon (0621/ 1 25 06 10 oder per Mail (suchtberatung@caritas-mannheim.de) möglich.
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Der Eintritt kostet regulär 20, ermäßigt 15 Euro. agp
2009 wurde das Programm "Sucht im Alter" von der Landesstiftung Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Der Caritasverband Mannheim bewarb sich auf die Ausschreibung der Stiftung - und erhielt finanzielle Fördermittel in Höhe von rund 80 000 Euro für ein Projekt, das sich speziell an suchtkranke Menschen jenseits des 60. Lebensjahres richtet: "Lebensqualität im Alter".
"Das ist ein relativ neues Thema, das über Jahre vernachlässigt worden ist und erst ab 2006 überhaupt thematisiert wurde", sagt Thomas Wenz, der Leiter der hiesigen Caritas-Suchtberatung. Allein an Rhein und Neckar sprächen die Zahlen für sich: "Statistisch gesehen leben in Mannheim derzeit etwa 75 000 Menschen, die über 60 Jahre alt sind. 3000 von ihnen greifen laut Statistik regelmäßig zur Flasche, 2300 zu Medikamenten", weiß Wenz. Tendenz steigend. Bis 2020 soll die Zahl der Mannheimer über 60 auf 79 000 anwachsen. "Die sogenannte dritte Lebensphase macht für viele den Großteil ihres Lebens aus. Daraus ergeben sich viele Risikofaktoren", erklärt Thomas Wenz. Insbesondere das Ausscheiden aus dem Berufsleben bereite den Senioren Probleme. "Von einem Tag auf den anderen fühlt man sich nicht mehr gebraucht", so der Suchtberater. Alkohol und Tabletten erscheinen vielen als einziger Ausweg. "Neben denen, die aus Einsamkeit oder Verzweiflung süchtig werden, gibt es noch eine weitere Gruppe", erklärt Wenz. Dazu gehören Patienten wie Manfred S., die zeitlebens abhängig waren "und infolge des medizinischen Fortschritts älter werden", so Wenz.
Mit dem Projekt LEiA hat man sich der Problematik von mehreren Seiten genähert. So habe man das Pflegepersonal in Altenheimen und Sozialstationen entsprechend geschult, erklärt Projektleiter Frank Kotterer. Sprechstunden für Suchtpatienten wurden eingerichtet, Kooperationen zwischen verschiedenen Institutionen hergestellt.
"Vor allem im letzten halben Jahr haben sich die Kontakte zwischen den Beteiligten verdichtet", berichtet Kotterer. Neben dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit und dem Theresienkrankenhaus habe sich auch die Stadt kooperativ gezeigt. In knapp sechs Wochen endet LEiA. Frank Kotterer berät "seine" Patienten dann nicht mehr regelmäßig. Weitere Schulungen wird es vorerst nicht geben. "Was bleibt, sind die Vernetzung und die Schulungseffekte. Natürlich reißt aber auch etwas ab", sagt vom Vorstand des Mannheimer Caritasverbands, Dr. Roman Nitsch. Ein Hoffnungsschimmer bleibt ihm und Manfred S. aber: "Sollte die Landesstiftung erneut ein solches Programm ausschreiben, dann bewerben wir uns natürlich wieder", verspricht Nitsch.
Bis dahin ist Manfred S. aber wieder auf sich allein gestellt.
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