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Historie: Zwei Brüder gründeten Mannheims erste Eis-Fabrik, in der Ernst Bender seine Kindheit verbrachte

Eisstangen im Sommer, Kohlehandel im Winter

Archiv-Artikel vom Samstag, den 11.02.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Waltraud Kirsch-Mayer

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Pferdefuhrwerke von "Eis-Bender" brachten einst die begehrten Eisstangen (oben). Zu den Kunden gehörten auch Brauereien (l. u.), das Kühlhaus (r. u.) wurde erst Mitte der 1980er Jahre abgerissen.

© privat (2) /Stadtarchiv

Es gibt Erinnerungen, die graben sich tief ins Gedächtnis ein. Der gute alte Eisschrank samt Eismann, der die dafür notwendigen Eisstangen brachte, gehören offensichtlich dazu. Jedenfalls meldeten sich nach unserer kleinen Hommage an den nostalgischen Kühlschrank-Vorläufer mehrere Mannheimer in der Redaktion, um ihre persönlichen Erlebnisse beizusteuern - die wir in einem zweiten "übrigens" veröffentlichten. Zum Hörer griff auch Ernst Bender und verblüffte mit der Botschaft, er sei in Mannheims Eisfabrik auf die Welt gekommen. Natürlich nicht im Eislager, aber im Wohnhaus, das zur Fabrik gehörte.

Kältemaschine macht's möglich

Für unser Gespräch haben Ernst Bender und seine Frau Gisela zwei Rahmen mit alten Fotos bereitgelegt - so ziemlich die einzigen Dokumente, die im Zweiten Weltkrieg nicht verbrannt sind. Die Aufnahmen zeigen den Großvater, der mit seinem Bruder in der Neckarvorlandstraße /Ecke Dalbergstraße die "Erste Mannheimer Eisfabrik" gegründet hat. Dieses Markenzeichen - ergänzt durch den Schriftzug "Gebrüder Bender" - sollte jahrzehntelang in großen Lettern auf jenen Handkarren, Ein-PS-Fuhrwerken und später auf Autotransportern prangen, mit denen die Eisstangen an Haushalte und Kneipen, aber auch an Metzgereien und Tante-Emma-Läden geliefert wurden. Wann genau "Eis-Bender" - so der in Mannheim gängige Name - gegründet wurde, vermag Ernst Bender nicht exakt zu sagen. Vermutlich zwischen 1880 und 1890. Ohnehin hatte der technische Fortschritt erst nach 1870 die Kältemaschine möglich gemacht. Davor war man auf die Versorgung mit Natureis angewiesen, das im Winter beispielsweise mühsam aus gefrorenen Seen herausgebrochen und in speziellen Kuhlen und Kellern eingelagert wurde.

Als Ernst Bender von 1922 bis 1932 in der Mannheimer Eisfabrik - gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Cousin Hermann - das erste Jahrzehnt seiner Kindheit verbrachte, da lief die frostige Produktion auf Hochtouren. Die meisten Brauereien hatten damals noch keine eigenen Eismaschinen und ließen sich das Kühlmaterial liefern. Nicht von ungefähr gehören zu der kleinen historischen Bilder-Sammlung Schnappschüsse von Arbeitern, die mit Bierkrug für den Fotografen posieren oder von einer imposanten Fässer-Ladung der Brauerei Silbernagel, die heute zur "Park & Bellheimer" AG gehört. Beim näheren Betrachten des zur Fabrik gehörenden Wohnhauses kommt man ins Grübeln: Neben dem Schriftzug "Eis-Fabrik" prangt ebenso groß "Kohle-Handlung". Des Rätsels Lösung ist höchst logisch: Das Geschäft mit den Eisstangen, erzählt Ernst Bender, brummte in den warmen wie heißen Wochen, kühlte aber immer dann ab, wenn es draußen ohnehin kalt war. "Im Winter haben wir mit Kohlehandel Geld verdient."

Für den kleinen Ernst und seinen Cousin Hermann endete die erlebnisreiche Kindheit auf dem Fabrikgelände, als 1933 das Wohnhaus abgerissen wurde, um für ein großes Kühlhaus Platz zu machen. Dessen Fassungsvermögen wurde bereits fünf Jahre später verdoppelt. Metzger, Hotels, Brauereien nutzten den "coolen" Service. Auf die beiden Jungs, die in und mit der Eis-Fabrik groß wurden, haben die Kindheitsjahre nachhaltig Eindruck gemacht. Jedenfalls entschied sich Ernst Bender später für den Maschinenbau, und sein Cousin Hermann Schwind befasste sich sein Berufsleben lang mit Kälte- und Anlagetechnik, die er an der Universität Dortmund als Professor lehrte.

Wie bei so vielen Betrieben haben auch bei "Eis-Bender" die beiden Weltkriege immer wieder prosperierende Entwicklungen jäh zerstört und zu Neuanfängen gezwungen. Dennoch zeichnete sich das Familienunternehmen durch Kontinuität aus. Dafür sorgte einer der Schwiegersöhne, Otto Schwind, der ein halbes Jahrhundert das Unternehmen leitete und bei seinem 75. Geburtstag anno 1958 auch sein 50. Dienstjubiläum feierte. Eigentlich war er gelernter Zigarrenmacher, als er Helene Bender heiratete und 1908 in die Mannheimer Eisfabrik einstieg, die deutschlandweit zu den Pionieren der Kühltechnik gehörte. Der Mann mit der obligatorischen Brasil-Zigarre sorgte nach 1945 für den Wiederaufbau des bereits im ersten Bombenhagel zerstörten Unternehmens und gründete den Verband Deutscher Eisfabriken. Mitte der 50er Jahre produzierte "Eis-Bender" jährlich 25 000 Tonnen Eis. Als jedoch Kühlschrank und Gefriertruhen - nach dem Vorbild der USA - auch bei uns ihren Siegeszug antraten, begann das Geschäft mit der Kälte dahinzuschmelzen.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 11.02.2012

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