Sicherheit:
„Man-Trailer“-Hunde sind darauf spezialisiert, verschwundene Menschen zu suchen – Mischling Max vom Roten Kreuz ist schon viele Jahre in der Branche
Experte im Aufspüren von Vermissten
Von unserem Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber
Waren auch schon häufig in Mannheim im Einsatz: Dieter Schemenauer und Max.
© imo
Bis zu 50 000 Hautschuppen verliert ein Mensch jede Minute. Die Partikel sind winzig, doch an jedem hängt der spezielle Geruch der Person, individuell wie ein Fingerabdruck. Der schwarze Schäferhund-Labrador-Mischling Max ist einer der wenigen Experten in der Region, die eine solche Spur wahrnehmen können. Der Hund von Dieter Schemenauer ist ein ausgebildeter Menschensuchhund, ein Man-Trailer.
Die Mannheimer Polizei bittet den Hundeführer und seinen Vierbeiner von der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Rhein-Neckar/Heidelberg in Walldorf vor allem dann um Unterstützung, wenn Kinder, kranke Senioren oder Menschen mit Suizid-Absicht plötzlich verschwunden sind. Unter den 25 Rettungshunden der Staffel gibt es verschiedene Experten: "Flächenhunde" können herausfinden, ob sich in Gebieten irgendwelche Menschen befinden. Trümmerhunde machen das Gleiche in eingestürzten Gebäuden. Die Man-Trailer-Hunde dagegen sind darauf spezialisiert, eine einzige bestimmte Person zu suchen. "Deren Geruchsspur verfolgen sie, im Grünen oder in der Stadt", sagt Schemenauer.
Der 55-Jährige Briefzusteller ist seit seinem zehnten Lebensjahr beim Roten Kreuz, 1996 hatte er begonnen, die Rettungshundestaffel in Walldorf aufzubauen. "Um jemanden zu finden, brauchen die Hunde Kleidungsstücke der Personen. Am besten solche, die direkt auf der Haut waren." Aber auch Uhren, Brillen oder ein Haarband taugen als "Geruchsprobe".
In der Stadt ist die Suche schwieriger als im Grünen, zwischen Häusern und Verkehr verschwinden die Hautpartikel schneller. Schemenauer und Max waren in Mannheim schon oft im Einsatz. Auch vor einem Jahr, als in Käfertal eine Krankenschwester vermisst und wenig später erschlagen auf einer Brachfläche gefunden wurde. Die Kripo hatte damals schon früh Anzeichen auf ein Verbrechen - also forderten die Ermittler Max an. Die Brachfläche sei ein schwieriges Gebiet für dessen Nase gewesen, weiß Schemenauer noch. Viele Hundebesitzer gehen dort mit ihren Tieren Gassi, es wimmelt nur so von "Ablenkungsgerüchen". Auch die Krankenschwester selbst war mit ihrem Hund hier täglich unterwegs, neben der Spur des Tattages befanden sich also wohl auch noch frühere von ihr auf der Wiese. Einmal, sagt Schemenauer rückblickend, habe Max in Richtung des späteren Leichen-Fundorts gezogen. Aber er dachte damals, sein Hund wolle zu einem anderen Vierbeiner. Kurz danach muss Max wohl auf eine alte Spur der Frau geraten sein - und führte Herrchen und Polizisten wieder zum Haus der Frau zurück. Aber viele Einsätze des Duos sind auch erfolgreich. In Schwetzingen zum Beispiel haben sie mal einen älteren Mann vor dem Suizid bewahrt. "Wir haben ihn noch rechtzeitig im Wald gefunden." Eine Spur zu verfolgen, ist für die Man-Trailer-Hunde extrem anstrengend. "Wie Hochleistungssport", sagt Schemenauer. Die Ausdauer reicht für eine bis eineinhalb Stunden.
"Hund muss Menschen mögen"
Mit seinen zehn Jahren ist der schwarze Max ein "alter Hase", der dreijährige Chekov dagegen steht noch am Anfang seiner Karriere. Der Karelische Bärenhund von Kai Beiderwellen (49) hat bald Prüfung. Das Tier muss dabei eine Person suchen, die bis zu 2,5 Kilometer entfernt ist.
Bis dahin sind zwei bis drei Jahre Training nötig. "Am besten, man fängt schon mit acht Wochen spielerisch an", erklärt Beiderwellen, im wirklichen Leben Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule Mannheim. "Der Hund muss Menschen mögen, damit er sie später gerne findet. Deshalb müssen verschiedene Personen schon von klein auf mit ihm spielen." Die nächste Stufe sei dann, dem Hund Gegenstände wie etwa einen Teebeutel vor die Nase zu halten und ihn diesen suchen zu lassen - erst auf engstem Raum in der Wohnung, später mit schwierigeren Verstecken im Gelände. Zum Man-Trailer kann man eigentlich jede Rasse ausbilden, sagt Beiderwellen. "Wichtig ist nur, dass die Tiere auch bereit sind, weite Strecken zu gehen."
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