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Innenstadt: Bei Polizeieinsatz zum Schutz einer radikal-islamischen Veranstaltung werden fünf Beamte leicht verletzt

Hooligans nützen Kundgebung von Salafisten für Krawall

Archiv-Artikel vom Montag, den 24.03.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Tangl

Rund 600 Polizisten schützen die Kundgebung der radikal-islamischen Salafisten auf dem Marktplatz.

© Tröster

Polizei-Einsatzleiter Joachim Scholl informiert Oberbürgermeister Peter Kurz (beide Mitte) und Sicherheitsdezernent Christian Specht (re.).

Polizisten schirmen den Versammlungsort hermetisch ab und lassen nur Kundgebungsteilnehmer durch.

Ein massives Polizeiaufgebot hat gestern bis in den Abend eine Kundgebung der radikal-islamischen Salafisten auf dem Marktplatz gesichert. Etwa 200 Hooligans aus Mannheim, Kaiserslautern und Stuttgart versuchten immer wieder, die von der Stadt mit Auflagen genehmigte Veranstaltung zu stören. "Es gab massive Provokationen, Beleidigungen, Flaschenwürfe, Pyrotechnik und Angriffe mit Pfefferspray", berichtete Einsatzleiter Joachim Scholl unserer Zeitung am Ende eines turbulenten Sonntags. Fünf Polizisten wurden leicht verletzt. 16 Hooligans kamen vorübergehend in Gewahrsam, fünf wurden festgenommen. Sogar bis zum Hauptbahnhof dehnten sich gegen 17 Uhr die Provokationen der Krawallmacher aus. Schon gegen 13  Uhr, eine Stunde vor Beginn der Kundgebung, hatten sich verdächtige Grüppchen mit der Polizei Jagdszenen rund um den Marktplatz und am Paradeplatz geliefert.

Der Verfassungsschutz warnt

"Unsere Taktik ist gut aufgegangen", erklärt Joachim Scholl am Sonntagabend in einem vorläufigen Fazit. Die Polizei habe gewusst, dass bestimmte Gruppen an diesem Tag in Mannheim "ihr Süppchen kochen" und den Auftritt der Salafisten als "Event" nutzen wollen. Immer wieder drängen die Polizisten die Störer vom Marktplatz, doch dann sickern die Hooligans vereinzelt wieder an den Versammlungsort, wo sich rund 400 Salafisten versammelt haben, um ihren Rednern zuzuhören.

Mannheim, seine Muslime – und die Salafisten in Deutschland

In Mannheim wohnen aktuell zwischen 25 000 und 30 000 Muslime.

In der Stadt gibt es 13 Moscheen, in denen bis zu 6000 Gläubige Platz haben.

Erlebbares Zeichen für ein weitgehend funktionierendes Miteinander von Christen, Juden und Muslimen ist unter anderem die "Meile der Religionen", die weit über die Mannheimer Grenzen hinaus ein Zeichen der Offenheit und Verständigung ist.

Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Angaben des Verfassungsschutzes bis Ende 2013 auf 5500 gestiegen. 2011 waren es 3800, 2012 bereits 4300 Personen.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht im Salafismus auf nationaler wie internationaler Ebene "die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung".

"Von Salafisten geht eine besondere Gefährdung für die Sicherheit Deutschlands aus", heißt es beim Bundesinnenministerium. tan

Die deutschen Verfassungsschützer verdächtigen Teile der Bewegung, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen. Die Salafisten waren nach Mannheim gekommen, um gegen die Inhaftierung ihres Gesinnungsbruders Sven Lau in der JVA Mannheim zu protestieren. "Allahu akbar" ("Gott ist größer"), tönt es mehrfach über den Marktplatz. "Wir sind keine Fanatiker, keine Verrückten. Wir streben nach Frieden und Sicherheit", erklären die Redner über Lautsprecher von der Pritsche eines kleinen Lastwagens aus. Es wird aber auch von "ideologischen Schlachten" gesprochen, von "Standhaftigkeit" gegenüber weltlichen Versuchungen. Hauptakteur auf der kleinen Bühne ist der konvertierte Prediger Pierre Vogel.

"Heuchler" und "Lügner" schallt es aus der Menge vor der Absperrung. "Alles Schwachsinn, was die sagen. Die schicken doch Leute in den Krieg nach Syrien", ereifert sich ein Sunnit aus Ludwigshafen. "Gut, dass auch viele Muslime da sind, die gegen die Salafisten protestieren. Die rekrutieren Kinder und Jugendliche für den Krieg", warnt ein junger Alevit aus Mannheim im Gespräch mit unserer Zeitung.

Dann gehen plötzlich Knallkörper auf der Breiten Straße und dem Marktplatz hoch. Wieder rückt ein Sondertrupp Polizisten an, um die Kollegen an den Absperrungen zu verstärken und "Rädelsführer" in Gewahrsam zu nehmen. Langsam leert sich der Raum vor den Gittern. Nachdem sich die Lage einigermaßen beruhigt hat, kommt es gegen 16.15 Uhr zwischen Paradeplatz und Fressgasse erneut zu Konfrontationen zwischen Hooligans und Polizei. Auch die Reiterstaffel kommt zum Einsatz. Zwischen Q 1 und F 1 machen die Polizisten dicht und kontrollieren die Ausweise der dort versammelten Gruppen. Gegen 18 Uhr ist die Kundgebung zu Ende, die Teilnehmer verlassen den Platz.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz ist schon am Nachmittag vor Ort und will sich ein Bild der Lage machen: "Hooligans sind in der Stadt. Deshalb bin ich hier, um mich aus erster Hand zu informieren. Nicht, weil mir Herr Vogel so wichtig ist." Eine Bürgerin fragt ihn, warum die Stadt eine solche Veranstaltung überhaupt genehmige. "Die Hürden für ein Verbot sind sehr hoch. Selbst bei Verfassungsgegnern müssen wir solche Kundgebungen in einem bestimmten Umfang hinnehmen", antwortet Kurz. Dagegen könne man nur politisch protestieren. Nach Beobachtungen von Kennern der islamistischen Szene in Mannheim sind unter den Salafisten vor der Bühne keine Bürger der Stadt.

Sorge um interreligiösen Dialog

Gegen den Auftritt der Salafisten hatten sich der OB, der Gemeinderat, die Kirchen wie auch viele muslimische Vereinigungen im Vorfeld ausgesprochen. Die Stadtgemeinschaft sei in Sorge, dass mit der Veranstaltung der interreligiöse Dialog in Mannheim gestört werden solle. Das gelebte Miteinander der Religionsgemeinschaften in der Stadt sei geprägt von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.

© Mannheimer Morgen, Montag, 24.03.2014

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