DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

Mittwoch, 27.07.2016

Suchformular
 
 
Feudenheim Friedrichsfeld Innenstadt / Jungbusch Innenstadt / Jungbusch Käfertal Lindenhof Neckarau Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt Ost / Wohlgelegen / Herzogenried Neckarstadt West Neuostheim / Neuhermsheim Neuostheim / Neuhermsheim Oststadt / Schwetzingerstadt Oststadt / Schwetzingerstadt Rheinau / Hochstätt Sandhofen Schönau Seckenheim Vogelstang Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Waldhof / Gartenstadt / Luzenberg Wallstadt

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Einbürgerungsfeier: Larissa Domkem aus Kamerun und David Vazquez Landa aus Mexiko fühlen sich als Neubürger wohl in der Quadratestadt / Probleme mit dem Wetter

„In Mannheim ist es viel zu kalt“

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 01.03.2016

Von unserer Mitarbeiterin Helga Boschitz

Zwei von über 900 Neu-Mannheimern: Larissa Domkem aus Kamerun und David Vazquez Landa aus Mexiko bei der Einbürgerungsfeier im Rittersaal des Schlosses.

© hbo

Die deutsche Nationalhymne hat er nicht mitgesungen. Vielleicht, weil er einfach nur der außergewöhnlichen Hymnen-Interpretation des interkulturellen Musikprojekts "Wir!" lauschen wollte. Vielleicht aber auch, weil er nicht der Typ ist für diese Form von staatsbürgerlichem Bekenntnis. Insgesamt hat David Vazquez Landa, geboren und aufgewachsen in Mexiko und seit kurzem ganz offiziell Deutscher, die Einbürgerungsfeier der Stadt Mannheim genossen.

Gemeinsam mit zwei weiteren Neu-Mannheimerinnen hatte er dabei sogar einen großen Auftritt auf der Bühne: Im Gespräch mit der Moderatorin und gebürtigen Spanierin Rosa Omeñaca Prado (die selbst vor drei Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat) erzählte der 34-Jährige dem Publikum im vollen Saal, was ihn bewogen hat, Deutscher zu werden: "Es schien mir logisch", sagt er recht pragmatisch, "ich lebe und arbeite hier, kann mir auch vorstellen, langfristig hierzubleiben - und ein deutscher Pass ist viel praktischer als ein mexikanischer, zum Beispiel auf Reisen und bei vielen bürokratischen Abläufen."

Mexikaner mit deutschem Pass

Einbürgerungen

  • Im vergangenen Jahr nahmen 907 Menschen (2013: 943, 2015: 949) aus insgesamt 79 Nationen in Mannheim die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die meisten Eingebürgerten stammen aus der Türkei und aus Polen.
  • Von den 907 im Jahr 2015 eingebürgerten Personen kamen 226 Männer und Frauen aus den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU)
  • Deutlich gestiegen ist die Zahl der Neubürger aus dem Irak (60), Pakistan (32) und der Ukraine (25).
  • Die meisten Neubürger sind zwischen 16 und 35 Jahren alt.
  • Bis Mitte Februar dieses Jahres sind 150 Neuanträge bei der Stadt eingegangen. Man geht davon aus, dass auch 2016 die Zahl der Einbürgerungen zwischen 900 und 1000 liegen wird.
  • Die Einbürgerungsfeier ist Teil einer städtischen Kampagne. Mit Plakaten, Infoveranstaltungen und Einbürgerungspaten sollen Migranten, die mehr als acht Jahre in Deutschland leben, dazu ermuntert werden, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. (hbo)

Vor allem das Wahlrecht, betont er, sei ihm wichtig: "Wenn ich hier lebe, will ich die deutsche und die EU-Politik aktiv mitgestalten." Ist es ihm schwergefallen, seinen Status als mexikanischer Staatsbürger aufzugeben? "Nein", sagt er entschieden, "ich weiß ja, dass ich Mexikaner bin und bleibe - daran ändert auch mein deutscher Pass nichts!"

Ob aus praktisch-bürokratischen, politischen oder emotionalen Gründen oder weil Partner und Familienmitglieder gebürtige oder eingebürgerte Deutsche sind - die Hintergründe der Entscheidung, den deutschen Pass anzunehmen, sind so vielfältig wie die Herkunftsländer, aus denen die deutschen Neubürger kommen. Viele planen, nur eine begrenzte Zeit hierherzukommen, so wie David Vazquez Landa, zum Studium oder für eine Weiter- oder Ausbildung. Nicht selten bleiben sie dann - wiederum aus verschiedensten Gründen - für immer.

Larissa Domkem hindert der Mangel an Offenheit und Toleranz in ihrem Herkunftsland Kamerun daran, in ihre zentralafrikanische Heimat zurückzukehren. Das hatte die 31-Jährige eigentlich vor, als sie vor über zehn Jahren, an einem kalten Septembertag, frierend und mit Bangigkeit im Herzen, in Deutschland ankam. Ein Onkel lebte bereits in Berlin, er nahm die Nichte auf, damit diese ihr Wunschstudium der Logistik dort absolvieren konnte.

"Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen, ständig gefroren und war heilfroh, dass ich in Berlin wenigstens Leute aus Kamerun getroffen habe, die mir über die erste schwierige Zeit geholfen haben", blickt die junge Frau zurück. Ihr Plan war, nach dem Studium zurückzugehen und in ihrem Land etwas aufzubauen - ein Logistikunternehmen wollte sie dort gründen. Doch Larissa Domkem liebt Frauen und durfte in Deutschland erstmals erfahren, wie es ist, "endlich ich selbst zu sein und so leben zu dürfen, wie ich es will", sagt sie etwas wehmütig. In Kamerun musste sie sich schon vor ihrem Weggang verstecken, und mindestens noch für die nächsten zwanzig Jahre hegt sie keinerlei Hoffnung, dass die dortige Gesellschaft ihre Vorurteile überwindet und sie so akzeptiert, wie sie eben ist. In Mannheim lebt Larissa Domkem nun glücklich und offen mit ihrer Partnerin zusammen, hat einen großen "Multi-Kulti-Freundeskreis" - und kann beim VfR Mannheim begeistert auch ihre Liebe zum Frauenfußball ausleben.

"Schnell die Sprache lernen, sich Bildung aneignen, sich dem Neuen öffnen, sich einbringen", lauten die Tipps, die frisch gebackene Deutsche denen geben, die einen Neustart in Deutschland in Erwägung ziehen. "Durchhalten und die eigenen Ziele immer im Blick behalten", sagt Larissa Domkem. "Und immer eine warme Jacke dabei haben", ergänzt lachend David Vazquez Landa, dem es auch nach vielen Jahren in Deutschland hier immer noch "viel zu kalt" ist.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 01.03.2016

Kommentar schreiben

Jeder Kommentar wird mit dem Vor- und Nachnamen des Autors veröffentlicht.

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu verfassen.

Leser-Kommentare  

Aufgrund von nicht freigegebenen Kommentaren kann die Anzahl dargestellter Kommentare abweichen

    • Drucken
    • Senden
     
     
    TICKER

    Das Wetter in Mannheim

    Mannheim - Prognose für 9 Uhr

    22°

    Das Wetter am 27.7.2016 in Mannheim: leicht bewölkt
    MIN. 17°
    MAX. 27°
     

     

     
     

    Was Leser über das Radfahren in Mannheim denken

    Zum Artikel: "Da wird man nervös und fällt" vom 13. Juli: Manchmal braucht es Miseren wie diese, um Schwachstellen deutlich werden zu lassen. Es fehlt ein kommunaler Grundsatzbeschluss des Stadtrates, der dem Ausbau von Radwegen Priorität einräumt. Die Belange von Radfahrern kommen in Seckenheim… [mehr]

    "MM"-Kantine

    Träumereien zwischen zwei Musikwelten

    Außergewöhnliche Musik an einem besonderen Ort: Das Kurpfälzische Kammerorchester spielte im Foyer des "Mannheimer Morgen" in der Dudenstraße klassische und zeitgenössische Werke. Scheinbar mühelos gelang den Musikern unter der Leitung von Dirigentin Cosette Justo Valdés der Wechsel zwischen den… [mehr]

    morgenweb und fnweb führen Online-Abos ein

    Eine Investition in die Qualität

    Mannheim. Die renommierte "New York Times" aus den USA hat es im März 2011 vorgemacht, seitdem folgen auch in Deutschland immer mehr Verlage mit unterschiedlichen Bezahlmodellen im Internet. So hat zum Beispiel die "Bild-Zeitung" erst im Juni diesen Jahres ihr neues Digital-Abo-Angebot "Bild… [mehr]

    Kontakt zur Lokalredaktion

    Die Lokalredaktion erreichen Sie unter folgenden Telefonnummern:

     
    Sekretariat  
    Frau Roy 0621/392 13 18
    Frau Syring 0621/392 13 19
    Fax 0621/392 16 67
    Redakteure Stadtteilseiten  
    Mitte: Frau Philipp 0621/392 16 30
    Süd: Herr Maisch-Straub 0621/392 13 40
    Ost: Herr Jansch 0621/392 13 47
    Nord: Frau Baumgartner/Herr Busch 0621/392 13 17 / -1316
     

    Schreiben Sie uns eine E-Mail!

    Spezial

    Bauprojekte in der Mannheimer City

    Q6/Q7, Prinz-Haus, Bankpalais, Plankenumbau: Die Mannheimer City befindet sich im Umbruch. Wir fassen die Berichterstattung zu den Projekten in einem eigenen Portal zusammen. [mehr]

    Hier geht's zum Spezial!

    Regelrecht begeistert

    Zum Artikel: "Mobile Rampe öffnet Räume" vom 5. Juli: Es ist sehr begrüßenswert, dass das Heidelberger Schloss für alle zugänglicher wird und Schlossführungen barrierefrei gestaltet werden. Unsere Heidelberger Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und Ertaubte wurde neben anderen zum Testen der… [mehr]

    Rund 10.000 Jobs, Praktika und Ausbildungsplätze in Mannheim und Umgebung finden Sie hier

     

    DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR