Kulturpolitik:
Design-Agentur vom Bodensee beauftragt / Ergebnis soll im Sommer präsentiert werden
Kunsthalle will sich völlig neues Logo geben
Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge
Die Kunsthalle wagt sich an ein Thema heran, das im Juli 2011 beim Nationaltheater oder auch schon 2003 bei dem roten Quadrat mit der Ziffer "2" der Stadtverwaltung einen Sturm der Entrüstung unter Bürgern auslöste - sie will sich ein neues Logo geben. Man überarbeite "grundlegend das visuelle Erscheinungsbild" und wolle "eine neue Marke prägen", kündigte Dr. Jörg Garbrecht, Abteilungsleiter Kommunikation, an.
Bislang bildet eine sogenannte "Wortmarke" das Logo - sprich nur der Schriftzug "Kunsthalle Mannheim" in weißer Schrift auf schwarzem Grund. Diese Schrift wurde in den vergangenen Jahren immer mal wieder leicht verändert. Darüber ist - in wechselnden Farben und auch schon öfter variiert - ein aufwärtsgerichteter Keil gesetzt. Er soll an die 24 Meter lange Aluminiumskulptur von Hubertus von der Goltz "Aus dem Nichts" mit der balancierenden Figur erinnern. Von den Mannheimern wird sie auch "Männele" genannt. Seit 1993 ist sie auf dem Dach des Mitzlaff-Baus montiert - als eine Spende des Ehrenvorsitzenden des Förderkreises, Hans Bichelmeier.
Was nach dem Abriss aus ihr wird, ist noch nicht klar - und die Erinnerung daran soll nun auch aus dem Logo verschwinden. Man wolle "einen Neuanfang wagen", sagte Garbrecht und habe sich dafür viel Zeit genommen. "Es geht nicht nur um Design, wir machen uns generell Gedanken über uns selbst, über unser Auftreten", so Garbrecht. Seit November liefen bereits die Vorarbeiten, es habe Workshops mit der Direktion gegeben. Im Sommer soll das Ergebnis präsentiert werden - nach rund acht Monaten Arbeit und rechtzeitig zur Neueröffnung des Billing-Baus. Das Ziel sei "eine ruhige, seriöse, profilierte" Marke, "die unser Haus für die nächsten Jahrzehnte weltweit prägt", so der Abteilungsleiter, und die auf Publikationen und im Internet verwendet wird.
Mit der Entwicklung der neuen Corporate Identity hat die Kunsthalle die Design-Agentur "Jäger & Jäger" betraut. Die inhabergeführte, 1991 gegründete Agentur mit Sitz in Überlingen am Bodensee gehört zu den am meisten ausgezeichneten Design-Agenturen in Deutschland. In den vergangenen fünf Jahren habe sie über 100 nationale und internationale Designpreise erhalten, so Garbrecht, darunter zwei "Red Dot Awards", die in der Branche besonders angesehen sind. Laut Ankündigung der Agentur soll das neue Logo "zum sichtbaren Statement einer Institution werden, die an ihren einst legendären Ruf anknüpft und ihre internationale Bedeutung ausbauen und festigen wird." Die Firma arbeitete schon für die Willy Brandt Stiftung, die Ernst von Siemens Musikstiftung, die Region Stuttgart, und sie gestaltete Briefmarken.
Kosten bleiben offen
Angaben zu den Kosten machte Garbrecht auch auf Nachfrage nicht. Die wolle er "nur ungern nennen". Es sei aber "weniger als Sie denken", ergänzte Kunsthallendirektorin Dr. Ulrike Lorenz. Getragen würden sie aus dem Marketingbudget der Kunsthalle, "es fließen aber auch private Mittel 'rein", sagte sie.
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