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Ergebnisse: Wolfgang Raufelder (Grüne) und Rüdiger Klos (AfD) gewinnen die beiden Direktmandate

Landtagswahl teilt die Stadt

Archiv-Artikel vom Montag, den 14.03.2016

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm

© Proßwitz

Wolfgang Raufelder (links) verteidigte sein Direktmandat im Süden deutlich, Rüdiger Klos (AfD) holte im Norden den Wahlkreis.

© Prosswitz

Die radikale Veränderung der Parteienlandschaft macht auch vor Mannheim nicht halt: Die beiden Direktmandate bei der Landtagswahl gehen an Grünen-Politiker Wolfgang Raufelder und den AfD-Vertreter Rüdiger Klos.

Die Stimmung bei der Wahlparty in der Abendakademie gestern war so zweigeteilt wie die politische Farbenlehre in der Stadt: erst großer Jubel unter Grünen-Anhängern über das triumphale Landesergebnis, dann eine wachsende Fassungslosigkeit über das Abschneiden der AfD in Mannheim. Selbst war die Partei mit ihren Kandidaten oder Anhängern nicht in der Abendakademie vertreten.

In den Landtag geschafft haben es über die Zweitauszählung auch die SPD-Politiker Stefan Fulst-Blei und Boris Weirauch. Ihnen gelang der Einzug, weil sie im Vergleich zum Landesergebnis der SPD in Mannheim besser abgeschnitten haben. Die Wahlbeteiligung ist in der ganzen Stadt deutlich angestiegen.

Aus Kopfschütteln wird Entsetzen

Fulst-Blei erzielte im Norden das beste SPD-Ergebnis im ganzen Land. Dennoch hat es zum ersten Mal überhaupt seit Bestehen des Wahlkreises hier für den SPD-Kandidaten nicht zum Direktmandat gereicht. Völlig überraschend gewann das der AfD-Politiker Rüdiger Klos. Wolfgang Raufelder konnte dagegen im Süden seinen Erfolg von 2011 wiederholen, er setzte sich deutlich gegen den CDU-Bewerber Carsten Südmersen durch.

Als um kurz nach 18 Uhr die ersten Ergebnisse aus einigen Wahlbezirken auf den Bildschirmen in der Abendakademie aufleuchteten, war es noch ungläubiges Kopfschütteln: Es zeichnete sich ein starkes Abschneiden der AfD ab, allerdings noch in sehr kleinen Stadtteilen wie Suebenheim und Scharhof. Wenig später wurde aus dem Kopfschütteln eine beinahe mit Händen zu greifende Fassungslosigkeit. Direktkandidat Rüdiger Klos lag da im Norden vor dem SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei und Gerhard Fontagnier (Grüne) sowie Chris Rihm (CDU). Ziemlich schnell wurde klar: Das könnte reichen, der Abstand zwischen Klos und Fulst-Blei wuchs auf zwischenzeitlich mehr als 1000 Stimmen an. Am Ende reicht es mit rund 400 Stimmen Vorsprung.

Bei der Wahl erscheint Mannheim damit als politisch geteilte Stadt, denn im Süden gab es eine Art Kretschmann-Effekt, nur dass der Kretschmann hier Wolfgang Raufelder heißt. Der Landtagsabgeordnete, der 2011 noch ziemlich knapp das Direktmandat geholt hatte, gewann den Süden mit allen Stadtteilen unangefochten. Schon um kurz vor 19 Uhr lag er mit mehr als zehn Prozentpunkten vor Carsten Südmersen. Der Grüne hatte am Ende über 7000 Stimmen Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger von der CDU.

Zu diesem Zeitpunkt war das Gesprächsthema in der Abendakademie aber längst ein anderes, nämlich die AfD. Als Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) um kurz vor 20 Uhr das Endergebnis verkündete und sagte "Herr Klos ist damit direkt gewählt", gab es laute Buh-Rufe im Saal. Die Vertreter der AfD waren auch bis dahin nicht aufgetaucht.

"Das ist ein Ergebnis im Norden, das ich unserer Stadt gerne erspart hätte", sagte Kurz. Mit dem Direktmandat für die AfD habe er nicht gerechnet. Möglicherweise seien auch die speziellen sozialen Konstellationen in den nördlichen Stadtteilen für das starke Abschneiden der AfD verantwortlich. Allerdings sei der Umgang mit der Partei eine Herausforderung für die ganze Stadt.

© Mannheimer Morgen, Montag, 14.03.2016

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