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Sonderausstellung: „Die Medici“ vom Sonntag 17. Februar bis 28. Juli in den Reiss-Engelhorn-Museen

Liebe, Hass, Mord – die Schönen und die Mächtigen von Florenz

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub

Der Name Medici steht für Macht, Reichtum und Kunstförderung. Aber auch für Intrigen und Verrat. Jetzt widmen die Reiss-Engelhorn-Museen der Familiendynastie aus Florenz eine Sonderausstellung.

Das Schicksal von Florenz und Europa war mehr als 300 Jahre geprägt von einer mächtigen Familie, von ihrem Kunstsinn, ihrem Geschick als Kaufleute, als Bankiers oder Großherzöge. Doch stets rankten sich um die Medici auch Geschichten von Geschwistermorden, Neid und verhängnisvollen Liebschaften. Die Ausstellung "Die Medici - Menschen, Macht und Leidenschaft" der Reiss-Engelhorn-Museen (rem) will vom 17. Februar bis 28. Juli die oft widersprüchlichen Charaktere der Dynastie ergründen. Die Schau blickt hinter die Fassade der geschönten Porträtbilder. Dabei stützt sich das rem-Team unter dem Motto "Wenn Knochen erzählen" auf die neuesten Untersuchungen der sterblichen Medici-Überreste. Mysteriöse Frakturen oder prachtvolle Grabbeigaben helfen, so manches bislang im Dunkel der Geschichte schlummernde Geheimnis zu lüften. Und ob klug, wunderschön, humorvoll oder hinterhältig: Die Frauen der Medici spielen dabei stets eine tragende Rolle.

War es ein Auftragsmord ihres eifersüchtigen Mannes oder starb sie eines natürlichen Todes - vom Liebsten tränenreich verabschiedet? Die Geschichte von Isabella de Medici, das 1542 geborene Lieblingskind von Fürst Cosimo I., erzählt von einer charismatischen Frau. Als "Stern am Hof der Medici" und Freigeist wurde sie gerühmt, galt als schön, voller Esprit und musikalisch. Und so erregte sie auch Missgunst - sogar in der eigenen Familie. Ihr Bruder Francesco, der Thronfolger, neidete der lebenslustigen Isabella ihre Stellung. Als der Vater starb, hatte sie die Rache ihres Bruders zu fürchten. Bereits als Elfjährige musste sie den nur ein Jahr älteren Paolo Giordano Orsini heiraten. Nach mehreren Fehlgeburten brachte sie 1571 und 1572 ihre beiden Kinder, Francesca Eleonora und Virginio, zur Welt.

Der Stern von Florenz erlischt

Isabella starb am 16. Juli 1576 in der Medici-Villa in Cerreto Guidi. Zuvor kursierten Gerüchte über eine Affäre mit dem Vetter ihres Mannes. Ließ sie Orsini deshalb ermorden? Einige Quellen lassen vermuten, dass der vermeintliche Ehebruch nur üble Nachrede war. In Wahrheit sei sie einer schweren Krankheit erlegen - und Orsini habe aufrichtig um sie getrauert.

Hatte bei diesem Tod letztendlich doch ihr Bruder Francesco die Hände mit im Spiel? War es ein Geschwistermord? Jedenfalls brodelt die Gerüchteküche auch um den leidenschaftlichen Hobby-Alchemisten und seine Geliebte Bianca Cappello. Schon als ganz junger Mann verliebte sich der künftige Großherzog in die Schöne. Doch für ihn war bereits eine Ehe arrangiert: mit der Kaiser-Tochter Johanna von Österreich. Er beugte sich dem Willen seines Vaters Cosimo und heiratete 1565 die schweigsame, hochmütige und wenig reizvolle Habsburgerin. Eine unselige Verbindung: Von den ersten sechs Töchtern des Paares erreichten nur zwei das Erwachsenenalter. Der einzige Sohn Filippino hatte nach einer komplizierten Geburt einen Wasserkopf und war sein Leben lang kränklich. Er sollte nur fünf Jahre alt werden.

Karriere einer Geliebten

Francesco flüchtete sich nach wie vor in die Arme seiner Mätresse. Sein jüngerer Bruder und Kardinal Ferdinando zeigte dafür wenig Verständnis und intrigierte gegen Bianca. Als Johanna bei ihrer achten Geburt im Alter von 30 Jahren an den Folgen eines Gebärmutterrisses starb, trat Francesco sofort mit Bianca vor den Traualtar. Ferdinando muss das bis aufs Blut gereizt haben. Vielleicht starben deshalb der Großherzog und Bianca neun Jahre später nur wenige Stunden hintereinander - vermutlich an Arsenvergiftung. Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders wurde Ferdinando der neue Großherzog. Vom Leichnam Bianca Cappellos fehlt bis heute jede Spur. Ein Schicksal, das sie im Übrigen mit anderen Medici-Frauen teilt. Dank einer Gesichtsrekonstruktion geht man zwar davon aus, dass sich zumindest Isabellas letzte Ruhestätte in einem der Schächte der Alten Sakristei von San Lorenzo befindet. Doch bis heute suchen Archäologen nach den Gräbern von zwei weiteren reizvollen Florentinerinnen: Maria di Cosimo und Eleonora di Garzia di Toledo, "Dianora" genannt. Beide Frauen waren umschwärmte Schönheiten - und starben Mitte des 16. Jahrhunderts unter mysteriösen Umständen. Dianoras Ehemann, der seine Frau hasste und misshandelte, soll sie im Alter von 23 Jahren erwürgt haben. Noch bizarrer sind die Gerüchte um Marias Tod. Weil er sie im Bett mit einem Diener erwischte, habe Cosimo I. seine 17-jährige Tochter erdrosselt.

Die letzte Medici

Rätselhaft bleibt auch der Tod von Kurfürstin Anna Maria Luisa. Die gebürtige Medici starb 1743 mit 76 Jahren, vermutlich an Brustkrebs oder den Spätfolgen der Syphilis. Sie war apart, humorvoll, gebildet, eine vorzügliche Reiterin - und weitsichtige Kunstsammlerin. Interessen, die sie mit ihrem Mann Johann Wilhelm, Kurfürst von der Pfalz, teilte. Die Ehe blieb kinderlos, doch Dokumente belegen, wie glücklich sie war. Die Beiden residierten in Düsseldorf, das sie zur kulturellen Blüte führten. Nach dem Tod ihres Mannes 1716 kehrte Anna Maria Luisa nach Florenz zurück und verfügte, dass die Medici-Sammlung Florenz niemals verlassen darf, "zur Zierde des Staates, zum Nutzen des Publikums und um die Neugier der Fremden anzuziehen". Ohne dieses Vermächtnis wären die Kunstschätze wohl längst in alle Welt verstreut. Die Bürger der Renaissance-Stadt müssen die Erbin jedenfalls geliebt haben: Als sie im Februar 1743 starb, wurde sogar der Karneval unterbrochen. In einem Fackelzug trugen die Florentiner ihre Prinzessin und Kurfürstin von der Pfalz feierlich zu Grabe.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013

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