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Handel: Viele Kunden reagieren gelassen auf Warnung vor belasteten Adventskalendern / Märkte nehmen betroffene Produkte aus dem Angebot

„Man weiß doch nie, was genau drinsteckt“

Von unserem Redaktionsmitglied Fabian Busch

Die Schokolade aus vielen Adventskalendern sei mit giftigen Öl-Resten belastet, sagt die Stiftung Warentest. Die Hersteller wehren sich gegen die Vorwürfe.

© dpa

Die Deutschen, so heißt es häufig, sind für Katastrophenmeldungen besonders empfänglich. Und bedenkt man, wie früh und reichhaltig hiesige Supermärkte jedes Jahr ihre weihnachtlichen Süßigkeiten präsentieren, dürften die Neuigkeiten von der Stiftung Warentest in der Tat für viele eine Katastrophe gewesen sein: Mit Schokolade gefüllte Adventskalender, so teilte die Verbraucherorganisation mit, seien häufig mit giftigen Ölrückständen belastet (wir berichteten). In allen 24 getesteten Kalendern wurden Reste gefunden, neun davon waren so belastet, dass die Stiftung vom Verzehr abrät.

Dienstagnachmittag, Eingangsbereich des Marktkauf-Scheck-In-Centers an der Friedrich-Ebert-Straße: Dort wo Unmengen von Adventskalendern zum Kauf angeboten werden, ist von Panik wenig zu spüren. "Man weiß doch nie genau, was in Lebensmitteln eigentlich alles drinsteckt", sagt eine junge Frau, die gerade aufmerksam das Sortiment studiert.

Auch eine andere Kundin hat keine große Angst vor dem, was hinter den Türchen lauern könnte - aufmerksam ist sie trotzdem. "Ich habe mir die Ergebnisse heute Morgen sofort ausgedruckt", erzählt sie. "Ich vergleiche schon, welche Marken betroffen waren und welche es zu kaufen gibt", sagt sie und klemmt sich drei Kalender unter den Arm. Ganz verderben lassen will sie sich den Appetit nicht: "Wenn man sich an eine vielbefahrene Straße stellt, nimmt man doch genausoviel Schadstoffe auf."

Auch Katharina Dörr und Thomas Bening sehen das ähnlich. Thomas Bening ist Abonnent der Zeitschrift von Stiftung Warentest und durchaus interessiert an diesem Thema. Doch auch er verfällt nicht in Panik. "Wenn ich wüsste, dass ein Kalender betroffen ist, den ich selber habe, dann würde ich die Schokolade nicht mehr essen", sagt auch Katharina Dörr, "aber wich will mir dieses Jahr auf jeden Fall wieder einen kaufen".

Weniger gelassen reagierten gestern die Hersteller auf die Vorwürfe der Stiftung Warentest und zweifelten die Aussagekraft der Befunde an. Die Firma Rausch etwa, deren Kalender besonders belastet sein sollen, kündigte an, ihre Produkte von einem anderen Institut überprüfen zu lassen. Trotzdem nahmen viele Märkte die betroffenen Produkte aus dem Handel. "Wir haben ein klares Qualitätsmanagement. Und wenn wir betroffene Kalender anbieten, ziehen wir die aus dem Verkauf zurück", so Timo Lösch, Geschäftsführer der Metro-Filiale in der Floßwörthstraße. Die Supermarkt-Kette Rewe erklärte gestern, sie wolle ihren Kunden bereits gekaufte Kalender aus Kulanz erstatten. Das gleiche Vorgehen kündigte auch die Kette "real" an.

Eine andere Einschätzung gab es aus der Lidl-Pressestelle. Günstige Angebote hatten bei der Stiftung Warentest nicht schlechter abgeschnitten als teure. Lidl sieht deshalb keinen Anlass, an seinem Sortiment etwas zu ändern. "Wir freuen uns über die gute Bewertung unseres Adventskalenders, da wir uns schon seit Jahren intensiv mit dem Thema der Mineralölrückstände befasst haben", so eine Sprecherin.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 28.11.2012

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