Porträt:
Humorvoll und bodenständig – der neue Ordensträger im Gespräch / „Leben ist Bewegung“ als Motto
Mann mit goldenen Händen trainiert die Lachmuskeln
Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge
Vorbeugung gegen Rückenschmerzen: Was Christian Ziegler seinen Patienten empfiehlt, macht er auch selbst in der Wohnung - und lacht dabei.
© Prosswitz
Christian Ziegler schnürt die Sportschuhe - um andere Sportler fit zu machen.
© Markus Prosswitz / masterpress
Das spricht für großen Lokalpatriotismus: Er bindet die vier Blätter seiner Vita mit blau-weiß-rotem Band zusammen, in den Stadtfarben also. "Das gehört sich doch so, wenn man solch eine Auszeichnung erfährt", sagt Christian Ziegler - und man spürt, dass er es selbst noch gar nicht so richtig fassen kann. Doch am Rosenmontag erhält er den 44. Bloomaulorden, was er "ganz enorm aufregend" findet.
"Des kann net sein, ihr seid verrückt" - das war seine erste Reaktion, als ihm das Verleihungskomitee die Ehrung antrug. Er war "völlig sprachlos", weiß er noch, habe erst gedacht, dass die drei Herren als Patienten zu ihm kommen, sich aber dann "riesig gefreut". Es sei ja schon "eine super Anerkennung", so der Mitgesellschafter der Mannheimer Sportomed Reha GmbH und Leitende Physiotherapeut des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV).
Klar, er kennt viele Bloomäuler, er hat einige schon behandelt, "aber ich hatte nie die Idee, dass das mal auf mich zukommt, das war ganz weit entfernt, eine ganz andere Welt", bekennt er: "Mir würden spontan zehn andere Leute einfallen, die es verdient hätten", meint er bescheiden. Aber dann lässt er doch den immensen Stolz erkennen, "bald zu diesem ehrwürdigen Kreis zu gehören".
Christian Ziegler ist am 27. Juni 1961 in Kenzingen/Breisgau geboren, kam 1966 nach Mannheim. Er machte 1982 das Abitur am Bach-Gymnasium und ging dann zur Bundeswehr in den Sanitätsdienst.
Er ist Vater von zwei Söhnen, von Florian (16) und Benjamin (13), und verlobt mit Petra Kagel.
1984 bis 1986 absolvierte er eine Ausbildung als staatlich anerkannter Krankengymnast in Berlin, dann sein Anerkennungsjahr bei der Stiftung Rehabilitation in Langensteinbach.
1988 trat er eine Stelle bei der Praxis Wessa-Herbeck in Mutterstadt an. 1989 wechselte er zur Sportomed Reha GmbH und ist seit 1994 dort als Physiotherapeut und Osteopath (spezialisiert auf die Behandlung von Bewegungsstörungen), seit 2002 als Mitgesellschafter.
Seit 1990 ist er bei den Trainingslagern dabei, seit 2010 als Leitender Physiotherapeut des Deutschen Leichtakthletikverbands.
Er behandelt die Leichtathleten der MTG, die Fußballer des SV Waldhof und des Zweitligisten in Sandhausen. Bei 14 Europa- und Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen in Athen, Peking und London bewährte er sich als Betreuer der deutschen Athleten. pwr
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Schnurrbart als Markenzeichen
Dass er dazu passt, daran gibt es keinen Zweifel. Bekannt ist er als "Mann mit den goldenen Händen" oder auch "Zauberhänden", der müde Glieder munter, eingerostete Gelenke wieder fit machen, schmerzende Verspannungen im Rücken lösen kann. Aber was er ebenso wunderbar zu reizen vermag, das sind die Lachmuskeln. Der Mann mit dem akkurat gezwirbelten Schnurrbart als Markenzeichen hat einen herrlichen, spitzbübischen Humor, kann liebevoll-ironisch wie auch enorm schlagfertig sein und ist für jeden Spaß zu haben.
Der Sohn des bis 1996 amtierenden, inzwischen verstorbenen evangelischen Stadtdekans Gernot Ziegler hat sich trotz aller beruflichen Erfolge rund um den Globus eine sehr sympathische Bodenständigkeit bewahrt. Deshalb kann er gar nicht versehen, wenn Patienten ihn fragen, ob sie jetzt, nach dieser Ehrung, überhaupt jemals noch einen Termin bei ihm bekommen. "Quatsch, so ein Quatsch", sagt er da nur kopfschüttelnd. Abheben? Das ist ihm völlig fremd, da sorgen schon seine zwei Söhne dafür, für die er sich so oft wie möglich Zeit nimmt.
Ihnen wie auch rätselnden Patienten hat er "Bloomaul" zunächst so erklärt, dass es nichts mit "blauem Maul" zu tun hat, sondern eher mit "aufblasen" oder "aufschneiden" - was er ja nun gar nicht tut. Sieht man das Wort aber als Dialektbezeichnung für Mannheimer, die weltoffen-sympathisch und nicht auf den Mund gefallen sind, das Herz auf dem rechten Fleck tragen und sich zu ihrer Heimat bekennen, gar für sie eintreten - dann trifft das voll auf ihn zu.
Ziegler sind Werte und Traditionen wichtig, ohne dass er dies mit einem sturen Beharrungsvermögen gleichsetzt. Im Gegenteil: "Leben ist Bewegung" lautet schließlich sein Motto, das er schon als Fasnachtsprinz 2003 enthusiastisch vertreten hat. Ganz bewusst schwang er in dem Jahr das Prinzen-Zepter, in dem Mannheim die (letztlich chancenlose) Olympiabewerbung von Stuttgart unterstützt und sich auch als Austragungsort ins Spiel gebracht hatte. "Ich wollte das mit unterstützen", so Ziegler.
Schock in den Quadraten
Dabei ist er gar kein gebürtiger Mannheimer. "Doch mein Bewusstsein fängt als Mannheimer an", betont er. Mit fünf Jahren kam er in die Quadrate, weil der Vater die Pfarrstelle an der Konkordienkirche antrat. "Das war ein Schock für mich", weiß er noch, denn so viel Verkehr war er aus dem Schwarzwald nicht gewohnt. Er wusste plötzlich gar nicht mehr, wo er Rad fahren sollte. . . Aber längst liebt er diese Stadt und wirbt für sie, wo auch immer er auf der Welt Sportler betreut - und kommt stets gerne nach Hause zurück: "Mannem is doch immer widder schää!"
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