2016, nach der Olympiade in Rio in Brasilien, soll "endgültig Schluss sein", kündigt Christian Ziegler an: "Ich bin dann über 54, dann wird die Schere zwischen mir und den jungen Athleten immer weiter auseinandergehen", begründet er seinen Entschluss. Dann will er aufhören als Leitender Physiotherapeut des Deutschen Leichtathletikverbands, Schluss machen auch mit dem "gewaltigen Druck", der im Spitzensport auf einem laste - nicht allein auf Sportlern, auch auf Betreuern.
Bisher muss die Familie oft auf ihn verzichten. Sechs bis acht Wochen im Jahr ist er unterwegs zu Trainingslagern und Wettkämpfen, schätzt er - "das ist eher mehr", ruft seine Verlobte dazwischen.
1990 hatte ihn der damalige Bundestrainer der Sprinter-Staffel, Michael Manke-Reimers, erstmals gefragt, ob er mit ins Trainingslager kommt. Seither ist Ziegler dabei - mit Köfferchen und aufklappbarer Behandlungsbank.
"Man überlegt jeden Handgriff"
"So habe ich mich langsam hochgearbeitet", erzählt Ziegler. Ob beim Training oder bei Wettkämpfen - immer mal wieder habe er Athleten getroffen, die keinen eigenen Physiotherapeuten dabei hatten. Die Sportler erzählten, ja schwärmten von ihm, so wuchs das Vertrauen. 1997 war er erstmals mit der Junioren-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im finnischen Turku, seither gab es eigentlich keine Leichtathletik-EM oder -WM ohne ihn - ob in Paris, Moskau, Helsinki oder Osaka in Japan bis zuletzt 2011 in Daegu in Südkorea. Karen Sonn, Carolin Nytra, Verena Seiler, Nadine Hentschke und Kirsten Bolm - Ziegler hat die ganzen Mannheimer Sport-Stars der MTG und noch viele Athleten mehr fit gemacht. Erst betreute er die U 23-Nationalmannschaft, dann den Olympiakader, schließlich erhielt er die Führungsfunktion. Nun muss er das ganze Physiotherapeutenteam koordinieren, Betreuungspläne ausarbeiten und dafür sorgen, dass wirklich alle Wettkämpfe und Trainings abgedeckt sind.
"Man überlegt schon jeden Handgriff genau", gesteht er, dass er natürlich vorsichtig ist, wenn alle Medaillenhoffnung auch auf ihm ruht. "Da ist es schon gut, sich im Team absprechen zu können - das gibt auch Rückhalt", sagt er. Zugleich sei er seinen Kollegen bei Sportomed dankbar, "dass sie mir den Rücken freihalten, wenn Wettkämpfe anstehen". Aber zugleich profitiere Sportomed natürlich davon, dass er stets die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und viel Erfahrung habe.
"Bei Athleten sieht man sofort nach dem Wettkampf das Ergebnis von dem, was man getan hat", vergleicht Ziegler, dafür stehe er unter "Dauerdruck": Leistungssport sei "schon total anstrengend", berichtet er. Insofern freue er sich darauf, auch oft "Otto Normalbürger" in Mannheim zu behandeln, wie er betont: "Wenn ich da jemand helfen kann, wenn da jemand dankbar ist, ist das auch immer ein unheimlich schönes Gefühl."
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