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Bildung: Gemeinsames Angebot von Eugen-Neter- und Justus-von-Liebig-Schule für Förderung von behinderten und lernschwachen Schülern

Praktischer Unterricht statt Warteschleife

Von unserem Redaktionsmitglied Fabian Busch

Seit Anfang des Schuljahres kommen Sonder- und Förderschüler an einem Tag der Woche zum Unterricht in die berufliche Justus-von-Liebig-Schule. Jetzt soll daraus eine feste Klasse im Rahmen eines Schulversuchs werden.

© zg

Für viele Menschen mit Behinderung führt der Lebensweg nach der Schule in nur eine Richtung: in eine Werkstatt. Sonder- und Förderschüler dagegen fit zu machen für mehr - für eine berufliche Tätigkeit, aber auch für die Herausforderungen des Alltags - dieses Ziel haben sich die Eugen-Neter-Schule für Geistigbehinderte und die berufliche Justus-von-Liebig-Schule gesetzt. Vom kommenden Schuljahr an soll es an der Liebig-Schule eine gemeinsame Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) geben. Die Vereinbarung für den nötigen Schulversuch haben die Beteiligten gestern unterschrieben.

"Wir wollen den Schülern Grundqualifikationen verschaffen, damit der Weg nicht immer strikt in die Behindertenwerkstatt führt", sagt Elsbeth Ruiner, Leiterin der Justus-von-Liebig-Schule. Ihre Einrichtung ist der Standort der neuen Klasse, die Eugen-Neter-Schule ist die federführende Schule bei dem Projekt.

Freundlicher Umgang

Die Lernenden kommen nicht nur von Sonderschulen, es sind auch besonders schwache Förderschüler darunter. An vier Tagen in der Woche lernen sie in Klassenräumen und Werkstätten der Justus-von-Liebig-Schule, am fünften Tag übernimmt die Eugen-Neter-Schule den Unterricht.

Der Schulversuch ist eines von vielen Projekten, mit denen Schulen und Verwaltung in der Region das Thema Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von Jugendlichen mit und ohne Behinderung, vorantreiben will. Inklusion im engeren Sinne findet zwar nicht statt - schließlich bleiben Sonder- und Förderschüler im Klassenraum unter sich. Doch auf den Fluren kommen sie mit den Berufsschülern in Kontakt. Ist das ein Problem, da die Liebig-Schule durchaus im Ruf steht, besonders schwierige Schüler zu haben? Rektorin Ruiner hat da keine Bedenken. Es sei schon jetzt auffällig, dass die teils ruppige Schülerschaft sehr freundlich mit behinderten Schülern umgehe.

Quasi als Testlauf besucht schon jetzt eine Gruppe von Förder- und Sonderschülern an einem Tag pro Woche die Liebig-Schule. Jetzt soll die BVE auf die ganze Woche ausgedehnt werden. Der Unterricht dreht sich um Allgemeinbildung, aber auch um handwerkliche Tätigkeiten und Fertigkeiten für den Alltag. Aufgenommen werden Lernende, die von sich aus aktiv werden und mobil sind. Die Klasse ist auf 12 Schüler begrenzt, eine Ausweitung in Zukunft aber möglich. "Der Bedarf ist sicher höher, weil auch an den Förderschulen zunehmend schwache Kinder verbleiben", sagt Margarete Eisinger-Niedworok, Leiterin der Rheinau-Förderschule, die ebenfalls Lernende in die BVE schickt.

An die BVE schließt sich eine sogenannte KoBV an, eine berufsvorbereitende Maßnahme der Agentur für Arbeit. Diese Perspektive ist nach Sicht von Hans-Jürgen Heißner, Abteilungsleiter im städtischen Fachbereich Bildung, besonders wichtig: "Es macht keinen Sinn, Schüler auszubilden und sie dann wieder in die Warteschleife zu schicken."

© Mannheimer Morgen, Freitag, 11.05.2012

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