Breite Straße:
Anwohner und Geschäftsleute beklagen „unhaltbare Zustände“ / Hilferuf an den OB / Investor will jetzt Abhilfe schaffen
Ratten und Müll im ehemaligen Prinz-Haus
Von unserem Redaktionsmitglied Roger Scholl
Wolfgang Ockert zeigt den Dreck an T 1 - sehr unappetitliche Detailaufnahmen haben wir unseren Lesern erspart.
© Troester
Das ehemalige Prinz-Haus in T 1 - ein Paradies. Leider vorerst nur für Ratten, Tauben und illegale Müll-Entsorger. Die Zustände in und an der nun seit Jahren verwaisten Sorgen-Immobilie stinken im wahrsten Sinne des Worts zum Himmel. Zerrissene Altkleider, weggeworfene Dosen, Papierfetzen, Kaffeebecher und Tierkadaver - Unrat und Dreck, wohin man schaut. Längst haben Ratten und Tauben das zum bloßen Betonskelett verkommenen Haus für sich erobert, und nachts sollen sich drinnen, so beklagen Augenzeugen, ungebetene "Gäste" herumtreiben. Nachbarn und umliegenden Händlern reicht es jetzt, man hat sogar den Oberbürgermeister um Hilfe angerufen, so groß sei die Not. Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Vom "MM" mit der Bürgerkritik konfrontiert und von der Stadt zum Handeln aufgefordert, kündigte der Architekt des Investors nun Abhilfe an.
"Unzumutbare Sauerei"
Matthias Hoffmann, der sein Büro in der Nähe hat, nennt es einen "Albtraum", Heike Schmied, die in der Nachbarschaft arbeitet, fürchtet sich, wenn sie abends vorbeigeht, Wolfgang Ockert, der Vorsitzende des Bürger- und Gewerbevereins östliche Innenstadt, spricht von einer "unzumutbaren Sauerei". Alle drei meinen dasselbe: das ehemalige Prinz-Haus an Mannheims zweitbester Einkaufsmeile. Kein Schmuckstück, sagen die Nachbarn, fürwahr nicht, man spricht von der "Rattenburg", nennt T 1 längst "den Schandfleck". Mehrfach habe man nachts die Polizei gerufen, wenn da drinnen wieder mal "Rabatz" gewesen sei. Hoffmann sieht, wie sich morgens Obdachlose herauszwängen, die hier in der Ruine ein festes Nachtquartier gefunden hätten, "die Leute bei uns im Haus haben Angst". Auch Wolfgang Ockert macht sich Sorgen: "Da kann wohl jeder rein, es heißt zwar, die Ruine sei abgesichert, aber wenn doch mal einer irgendwo runterfällt, was dann?"
Die Pläne in T1
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2007 kauften irische Investoren das Objekt, davor stand es schon jahrelang leer.
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Erste Pläne, T 1 als Handelshaus zu betreiben, scheiterten ebenso wie Konzepte, das Gebäude abzureißen und zwei Hotels der Accor-Gruppe zu bauen.
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Aktuell will man die Immobilie umbauen, eine Decathlon-Filiale, eine Discothek und ein weiteres Lokal sollen einziehen. scho
Ockert hat zusammen mit Lutz Pauels, dem Chef der Werbegemeinschaft City, ein Schreiben samt "Beweissicherungsfotos", die auch unappetitliche Details dokumentieren, an den OB gerichtet - ein Hilfeschrei: "Wir haben darum gebeten, dass hier wenigstens gereinigt wird, dass die Stadt den Eigentümer anhält, rasch und nachhaltig Abhilfe zu schaffen oder selbst etwas zu tun". Schließlich wisse niemand, wann hier endlich die Bauarbeiten beginnen. Auch der Einzelhandelsverband ist alarmiert: "Wir sind sehr unglücklich mit der Situation", klagt Geschäftsführer Dr. Oliver Seifert.
Wie mehrfach berichtet interessiert sich Europas größter Sportartikler Decathlon für den Standort, das Haus gehört seit 2007 einem irischen Investor. Dessen Finanzberater Werner Schröder versicherte dem "MM" nochmals, die entsprechenden Mietverträge seien unterschrieben, die Finanzierung stehe, man habe im Juli die Bauunterlagen eingereicht und rechne Mitte Oktober mit der Genehmigung. Zu den katastrophalen Zuständen in T 1 wollte sich Schröder - "ich bin hier der Finanzberater" - nicht äußern, er verwies stattdessen auf den beauftragten Architekten Klaus Götz. "Wir werden umgehend reinigen, den Zaun schließen und Lampen einbauen, um nächtliches Treiben dort zu unterbinden", versprach der. Die Sauberkeit an einer "Baustelle in der Warteschleife" aufrechtzuerhalten sei eben schwierig, so Götz lapidar.
Und die Stadt? Die reagierte prompt auf das Schreiben: Man habe eine Firma beauftragt, den Zaun mit Schellen zu schließen und den Bevollmächtigten des Eigentümers aufgefordert, zu säubern und zu sichern. Geschehe dies nicht, werde man selbst für Ordnung sorgen - und alles in Rechnung stellen, so ein Verwaltungssprecher.
Das Beste für alle, für die Nachbarn, für die Stadt und für den Investor, freilich wäre, es ginge jetzt endlich, endlich los mit dem Bau.
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