Kunsthalle:
Weitere Millionen erforderlich / Ärger mit dem Architekten / Eröffnungstermin im November 2013 bleibt
Sanierung des Jugendstilbaus wird teurer
Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge
Probleme auf der Baustelle: der Jugendstilbau der Kunsthalle. Die Sanierungsarbeiten laufen seit Anfang 2011.
© Markus Prosswitz / masterpress
Die Stadträte sollen die Beschlussvorlage dazu erst im Januar bekommen: Aber schon jetzt ist klar, dass die Sanierung des Jugendstilbaus der Kunsthalle erneut teurer wird. Nach "MM"-Informationen kommen weitere 2,6 Millionen dazu. Damit summieren sich die Kosten vermutlich auf mindestens 21,9 Millionen Euro - wenn man zwischenzeitlich erzielte Einsparungen gegenrechnet.
2009 hatte der Gemeinderat zunächst 14,29 Millionen Euro genehmigt. Im November 2011 erfuhren die Stadträte, dass über 17 Millionen Euro nötig sind, weil die Kunsthalle vom Bund für ein "Leuchtturmprojekt energieoptimiertes Sanieren" ausgesucht wurde. Dafür gibt es zwar auch höhere Zuschüsse, doch die Stadt muss wiederum einen Eigenbeitrag leisten. Seither folgten mehrere weitere Erhöhungsbeschlüsse auf 20,5 Millionen Euro.
Maulkorb für Lorenz
Bereits im August hieß es gegenüber dem "MM" bei einem Besuch auf der Baustelle, man bewege sich bei den Kosten "im kritischen Bereich". Zwischenzeitlich kamen aber nach "MM"-Informationen im Rathaus Zahlen auf den Tisch. Dr. Ulrike Lorenz, die Direktorin der Kunsthalle, will darüber indes nicht sprechen. Der "Lenkungsausschuss" habe ihr zu diesem Thema einen Maulkorb verpasst, lässt sie durchblicken. Der Kreis besteht aus den zuständigen Bürgermeistern für Bauen (Quast), Kultur (Grötsch) und Immobilienmanagement (Specht). Lorenz sagt, sie müsse alle Anfragen an die Pressestelle im Rathaus verweisen.
Kulturbürgermeister Michael Grötsch will die Zahlen dann auf Anfrage "weder bestätigen noch dementieren". Derzeit könne man keine exakten Beträge nennen, da Experten des Immobilienmanagements diese gerade erst zusammenstellten. "Abgerechnet wird zum Schluss, wir müssen auch sehen, welche Forderungen überhaupt berechtigt sind", so Grötsch. Ohne dazu Aussagen zu machen, spielt er damit auf Auseinandersetzungen mit Baufirmen und dem Architekten an. Dem Vernehmen nach bestreitet die Stadt, dass einzelne von Firmen berechnete nachträgliche Leistungen notwendig waren - oder sie will den Architekten als Verursacher dafür haftbar machen. Ob das funktioniert, ist offen. Es handelt sich um ein Berliner Büro, das zwar viel Erfahrung mit historischen Objekten hat und auch am Gropius-Bau Berlin arbeitete. In Mannheim aber klappte, so ist zu hören, zuletzt die Kommunikation gar nicht. Zeitweise kam der Bau dadurch auch nicht richtig voran. "Die Arbeit ruhte aber zu keiner Zeit", betont Lorenz.
Durch "günstigere Vergaben", so heißt es, habe es die Stadt bereits geschafft, im Gegensatz zu den Berechnungen des Architekten in der Summe 1,2 Millionen Euro einzusparen - sonst würde der Bau noch teurer. Das soll weiter versucht werden. Allerdings gibt es darüber hinter den Kulissen heftiges Gerangel. Schließlich ist man in der Endphase der Arbeiten - da sind Abstriche nur noch da möglich, wo sie später der Besucher sehen würde, also an der Qualität der Innenausstattung.
Der Eröffnungstermin solle sich aber "nicht verzögern", versichert Grötsch. Zuletzt hieß es, dass der sanierte Bau im Mai 2013 von den Bauarbeitern an das Team der Kunsthalle übergeben werde. Für die erste Sonderausstellung, eine große Schau zu Otto Dix und Max Beckmann am 22. November 2013, wird schon überregional geworben.
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