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Soziales: Mete Tuncay betreibt in der City eine Fachstelle „Spielerschutz & Migration“ des „Instituts Glücksspiel & Abhängigkeit“

Schwierige Wege aus der Spielsucht

Archiv-Artikel vom Montag, den 17.11.2014

Von unsrem Redaktionsmitglied Anke Philipp

80 Prozent der Spieler in Mannheim haben nichtdeutsche Wurzeln: Mete Tuncay, Leiter der Fachstelle Spielerschutz und Migration, kümmert sich vor allem um Jugendliche.

© Tröster

Die Orte der Versuchung sind beträchtlich, die Zahl der Verführten nicht minder. 2500 Spielsüchtige leben laut Statistik in der Stadt. Sie treffen sich in Hinterzimmern von Kneipen und Cafés, in den Räumen sogenannter Freundschaftsvereine. Gezockt wird da mitunter, was das Zeug hält. Über Pokertische gehen nicht selten Unsummen, in Automaten verschwinden Millionen. Und, worüber keiner gerne spricht: Ein Großteil der Spieler sind türkisch-orientalisch-bulgarischer Herkunft, also Migranten.

Bis zum Anschlag gezockt

"Türkisch, männlich, jung, dazu prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen" - das charakterisiere die "Hochrisikogruppe für Spielsucht", sagt Mete Tuncay und verweist auf neuere Studien (Page, Uni Greifswald). Der 35-Jährige kennt sich aus - und in Mannheim die Szene seit elf Jahren. Der Sozialpädagoge, Deutscher mit türkischer Abstammung, hat im Frühjahr die Fachstelle "Spielerschutz & Migration" des "Instituts Glücksspiel & Abhängigkeit" in P 4, 3-4 eröffnet. Zuvor war er als Suchtberater und -therapeut beim Drogenverein Mannheim e.V. für die Versorgung von Hilfesuchenden mit Migrationshintergrund zuständig.

Vor allem in der Neckarstadt-West, dem Jungbusch und der östlichen und westlichen Innenstadt floriere das Glücksspiel, werde allabendlich "bis zum Anschlag gezockt" - meist, dort, wo Otto-Normalbürger sich nicht reintrauen". Allein in den Quadraten, berichtet Tuncay, seien drei Würfelrunden und zwei illegale Pokerclubs zu Hause. Dazu Sportwetten, Spielen per Internet, Handy, Telefon: Riesig sei der illegale Markt, die Entwicklung "erschreckend", sagt Tuncay, der solche Informationen aus seinen Beratungsgesprächen bezieht.

80 Prozent aller Spieler in der Stadt hätten nichtdeutsche Wurzeln. Ihnen zu helfen hat sich Tuncay zur Aufgabe gemacht. Bei seiner Fachstelle handelt es sich um eine gemeinnützige Spielerschutzeinrichtung. Der Auftrag: "Durch Beratung und Fortbildung, die Spieler und die Organisationen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Glücksspiel zu befähigen".

Doch die Hochrisikogruppe wächst täglich, seit die Zuwanderung aus den osteuropäischen Ländern andauert. Ursachen für Spielsucht bei Eingewanderten sieht Tuncay unter anderem bei "einer passiven, unterhaltungsarmen Freizeitgestaltung und einem passiven Gesundheitskonzept". Dazu komme eine hohe Tabuisierung sowie Stigmatendenzen in den traditionellen Milieus. Zoker zu sein, sei dort immer noch eine Todsünde. Bestehende Hilfen würden - vor allem wegen sprachlich-kultureller Barrieren in bestehenden Einrichtungen - unzureichend und immer erst spät in Anspruch genommen. Tuncay: "Man versucht erst mal, möglichst alles unter dem Deckel zu halten".

Die Folgen sind: Heimlichtuerei, Störungen im zwischenmenschlichen Bereich, Konflikte mit Angehörigen, Schuldgefühle, Verstrickung in ein Netz von Lügen und Vorspiegelungen, zunehmende Verschuldung mit einem Verlust des Überblicks über die finanzielle Situation. Ein Spieler stürze meist drei weitere Menschen mit ins Unglück. Das koste nicht zuletzt die Kommune jede Menge Geld für Hilfsangebote und Transferleistungen. Das Gemeinwohl werde zudem durch entgangene Steuern geschädigt. Von 1530 Geldspielautomaten in der Stadt seien nur 600 in halbwegs regulierten Einrichtungen, sagt Tuncay und findet: "Das muss sich ändern". Wie aber Spielsucht vermeiden? Fragen, die Tuncay zum Beispiel an Schulen (Justus-von-Liebig) diskutiert. Ein Austausch findet auch mit der Stadt, dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit und den Schuldnerberatungsstellen statt. Über Ausstiegshilfen und Schadensbegrenzung berät er zudem auch andere Städten mit hohem Migrantenanteil.

In Mannheim wird seine Fachstelle seit der Eröffnung von Betroffenen sehr gut angenommen. Neben bisher rund 30 pathologischen Glücksspielsüchtigen betreut Tuncay nach eigenen Angaben auch mehrere Angehörige, allesamt ebenfalls mit Migrationshintergrund.

© Mannheimer Morgen, Montag, 17.11.2014

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