Das Wetter des Monats:
Schneeflocken mitten im Herbst bescheren frostigen Rekord / Kältester Oktobertag seit 1887
Sommerlicher Start, eisiges Finale
Von unserem Redaktionsmitglied Christine Maisch-Straub
Ein goldener Oktober, wie er im Buche steht - mit herbstlich rot gefärbtem Laub und milden Temperaturen - fand in einem eisigen Rekord ein abruptes Ende.
© dpa
Viel goldener hätte sein Auftakt gar nicht ausfallen können, doch auf der Zielgeraden zeigte er sich von einer ausgesprochen ungemütlichen Seite: Der Oktober 2012 ging mit fast sommerlichen Temperaturen über 20 Grad an den Start - und einem bitterkalten Rekord ins Finale. Einen frostigeren Oktobertag als Montag, den 29., an dem die Quecksilbersäule auf Minusgrade von 5,5 absackte, hatte es in der Quadratestadt seit 125 Jahren nicht mehr gegeben.
Damals, am 28. Oktober 1887, bibberten die Mannheimer bei -5,6 Grad. Ähnlich ungemütlich war nur noch der 31. Oktober 1950 mit Minusgraden von immerhin 5,4. Und sogar ein Hauch weißer Pracht ließ sich blicken: "Am 27. fielen richtig schöne, dicke Flocken vom Himmel", sagt Bernd Fischer, der die Daten für unsere Region im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes aufzeichnet. Im Oktober geschneit hatte es zum letzten Mal 1974.
"Die letzten fünf Tage haben den schön begonnenen Herbst noch mal richtig kippen lassen", betont der meteorologische Experte von der Beobachtungsstation Vogelstang mit Blick auf den plötzlichen Temperatursturz: "Am 22. hatten wir noch 15 Grad und gerade mal vier Tage später nur noch 4 und dann sogar drei Tage in Folge Frost."
Kurz-Infos zum Luftdruck in der Quadratestadt und in der Region und zu historischen Daten geben die Experten von der für Mannheim zuständigen Regionalzentrale in Stuttgart unter der Telefonnummer 0711/9 55 20.
Die Wetter-Warte zog im Jahre 1975 von der Gartenstadt an den Rand des Ortsteils Vogelstang am Köthener Weg. Damals wurde auch das Aufgabengebiet erweitert und sie war rund um die Uhr besetzt.
1996 wurde die Warte in eine Wetterstation umgewandelt. Die Wetterberatung ging Ende vergangenen Jahres an die Regionalzentrale in Stuttgart über. mai
Entsprechend niedrig ist auch das Temperaturmaximum ausgefallen: 4,0 am 27. ist für einen Oktobertag das tiefste Maximum seit 1985 mit 2,7 und 1950 mit 2,3. Deshalb ist auch das Mittel mit 9,9 ein halbes Grad kälter als zu erwarten war.
Dafür erreichte die Sonne mit 111,8 Stunden Strahlkraft 101 Prozent des Durchschnittswertes. Mit 45,1 Litern pro Quadratmeter schaffte es hingegen der Niederschlag nur auf 92 Prozent. "Für ein gutes Jahresergebnis fehlen sogar noch knapp 20 Prozent", räumt der Fachmann ein: "Es könnte ruhig noch ein bisschen regnen. Die Natur könnte noch ein bisschen vertragen und wäre sicherlich dankbar."
Ungemütliche Prognosen
Unsereins hingegen eher nicht. Doch jammern und klagen nützt da wenig, mit dem spätsommerlichen Herbstwetter ist es nun erstmal vorbei. "Es wird zwar in dieser Woche nicht gleich extrem eisig, aber ziemlich kühl. Und es fallen immer mal wieder ein paar Tropfen", warnt Bernd Fischer vor all zu großen Hoffnungen auf Sonne. Doch er spendet auch ein klein wenig Trost: "Es wird zwar wechselhaft und windig. Aber schließlich haben wir November. Und dafür ist es doch noch ganz passabel."
Trotzdem hat er seine besonders empfindlichen Pflanzen und Kräutlein bereits ins Winterquartier gestellt. Der Schnee am Samstag, dem 27., hat allerdings auch den Wetterfrosch ziemlich kalt erwischt: "Damit habe auch ich nicht gerechnet. Da musste ich dann ganz schön wirbeln, damit alle Töpfe schnell ins Haus kamen."
Lichtblick am Wochenende
Die etwas robusteren Zitrusfrüchte, Olivenbäumchen und Oleander dürfen noch etwas im Freien bleiben: "So eisig wird es jetzt nicht, dass die Gefäße richtig durchfrieren." Erst dann wird es auch für die abgehärteteren "Südländer" gefährlich. Und es gibt noch einen Lichtblick: "Zum Wochenende könnte es abends ein bisschen Frost geben und aufklaren." Kurzum: Wenn sich schon tagsüber die Sonnenstrahlen zurückhalten, dann funkeln wenigstens am Nachthimmel die Sterne.
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