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Nationaltheater: Diplom-Figurenspielerin Maren Kaun gehört zu den Mitwirkenden der heutigen „Ring“-Premiere

Stabpuppen spielen bei „Siegfried“ mit

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Ihr Beruf: Diplom-Figurenspielerin. Maren Kaun sorgte für die richtigen Bewegungen der Puppen für die heutige "Siegfried"-Premiere im Nationaltheater.

© Michel

Der Anruf kam im September. Ob sie denn Zeit hätte? Möglichst sofort! "Zufällig hatte ich Zeit", so Maren Kaun. Also eilte sie aus der Neckarstadt auf die Opernbühne des Nationaltheaters zu einer Bauprobe für den neuen "Siegfried". Seither bringt sie Mime, Waldvogel und Drache, aber auch Siegfried, Siegmund und Sieglinde die richtigen Bewegungen bei - beziehungsweise den Stabpuppen. Im vorletzten Teil von Wagners "Der Ring des Nibelungen", die am heutigen Samstag Premiere hat, wirken nämlich auch Stabpuppen mit.

Natürlich gibt es Uwe Eikötter, der den "Mime" singt, sind wechselnde Solistinnen als "Waldvogel" zu erleben und Heldentenor Jürgen Müller in der Titelpartie. Aber dazu kommen Puppen, die hinter einem - immer mal wieder auftauchenden, aber ebenso plötzlich verschwindenden - schwarzen Stück Stoff hervorschauen und agieren.

"Ich denke, das ist eine Überspitzung, eine Überhöhung des Geschehens", vermutet Maren Kaun. Sie denkt sich das aber nur - gesagt hat ihr das eigentlich keiner, als sie plötzlich zu den Proben gerufen und dann gleich in die Arbeit integriert wurde. Klar, sie wusste, dass in den bisherigen zwei Mannheimer "Ring"-Inszenierungen von Achim Freyer große, ja riesige Figuren mitwirkten, und dass der Regisseur schon früher bei einer Filmproduktion mit Puppen gearbeitet hatte. Maren Kaun war auch bereits an der Staatsoper Stuttgart unter Christof Nel bei der "Walküre" mit Puppen beteiligt - Wagners "Ring" ist ihr also nicht fremd. "Aber da war es eine kurze Sequenz, diesmal sind die Puppen richtig in die Handlung integriert", freut sich Maren Kaun.

Der zweite Tag des großen Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen" von Richard Wagner feiert am heutigen Samstag, 1. Dezember, um 17 Uhr Premiere am Nationaltheater.

Inszeniert hat der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner Achim Freyer, der für seine symbolisch-surreale Bildersprache bekannt ist.

Weitere Vorstellungen: 9. und 23. Dezember, jeweils 17 Uhr.

Die Premiere des letzten Teils der Ring-Tetralogie, der "Götterdämmerung", ist am 22. März 2013. Dann folgen Aufführungen der kompletten Zyklen im Wagnerjahr 2013 am 22. Mai, 25. Mai, 31. Mai, 2. Juni sowie am 7. Juni, 8. Juni, 14. Juni, 16. Juni, und schließlich am 28. Juni, 30. Juni, 4. Juli, 7. Juli.

Karten per Telefon unter 0621/1680-150 oder an der Theaterkasse am Goetheplatz.

Die nächsten Termine von Maren Kaun in Mannheim: "Die Weihnachtsgeschichte" am 13.12. um 10 Uhr in der Bernhard-Kahn-Bücherei in der Mittelstraße sowie am 18.12., 15 und 19 Uhr, am 21., 22. und 23.12. jeweils 15 im Theaterhaus TiG7. pwr

Dabei steht sie selbst gar nicht auf der Bühne. Die Diplom-Figurenspielerin, wie ihr Abschluss nach fünf Jahren Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart lautet, springt höchstens ein, wenn es eng wird. Sie hatte aber zunächst der Plastiker-Abteilung im Atelier des Nationaltheaters geholfen, die Stabpuppen herzustellen. Zudem fungiert sie als Coach und bringt den jeweils fünf Statisten, die pro Vorstellung damit betraut sind, bei, wie man die Puppen richtig bewegt.

"Gar nicht so einfach, gerade Siegfried muss von zwei Leuten gespielt werden, um parallel Kopf und beide Hände zu bewegen", berichtet Maren Kaun. Doch da am Nationaltheater bereits in dem Musical "Avenue Q" mit Puppen gearbeitet werde, habe sie "nicht bei allen ganz von Anfang anfangen müssen".

Für das Mannheimer Publikum ist die 1983 geborene Künstlerin auch keine Unbekannte. Von 2000 bis 2001 kurz am Südthüringischen Staatstheater Meiningen fest in der Abteilung Puppentheater - was es in Ostdeutschland häufiger gibt - engagiert, wurde sie inzwischen zur Wahl-Mannheimerin. Im Bereich des Kinder- und Erwachsenentheaters ist sie im gesamten deutschsprachigen Raum sowie bei Gastspielen in Italien, Frankreich, Polen und der Türkei tätig. Mehrfach wirkte sie aber ebenso bei Produktionen vom Mannheimer Kinder- und Jugendtheater "Schnawwl" mit, etwa bei "Von Maus und Mond" nach einer Geschichte von Paul Maar oder bei "Das Spielzeug schlägt zurück".

Zudem brachte sie zahlreiche eigene Kinderstücke auf die Bühne, war mit einer Produktion im TiG 7 beim Festival "Schwindelfrei" dabei. Seit 2003 arbeitet sie kontinuierlich mit dem bildenden Künstler Alex Knüttel zusammen, realisierte mit ihm oder allein schon mehrere Ausstellungen, etwa bei der Neckarstädter Lichtmeile, der "Langen Nacht der Museen". Freiberufliche Figurentheaterspielerin zu sein, sei "ein sehr schöner Beruf", so Maren Kaun zufrieden: "Man kann sich keine Villa davon kaufen, aber davon leben."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 01.12.2012

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