Kulturpolitik:
Sanierung des Jugendstilbaus der Kunsthalle um 1,258 Millionen Euro teurer / Planungsfehler und Überraschungen
Stadt streitet mit Architekturbüro
Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge
Die historische Treppe vor der Kunsthalle mit den beiden steinernen Löwen.
© Markus Prosswitz / masterpress
Die Bürgermeister Grötsch, Specht und Quast sowie Direktorin Lorenz (v. l.) rückten gestern auf der Baustelle an, um Mehrkosten zu erklären - unter anderem durch komplizierte Leitungsverläufe.
© Prosswitz
© Markus Prosswitz / masterpress
Die Kostensteigerungen bei der Sanierung des Jugendstilbaus der Kunsthalle liegen zumindest teilweise auch an Auseinandersetzungen mit dem Architekturbüro. Das wurde gestern bei einem Pressetermin auf der Baustelle deutlich. In der Vorlage für den Gemeinderat ist von "internen Liquiditätsproblemen" des Berliner Architekturbüros sowie einem "drohenden Insolvenzrisiko" die Rede. Nach "MM"-Informationen wurde der Vertrag mit dem Architekten vor wenigen Tagen gekündigt, nachdem schon seit November der Bauleiter ersetzt werden musste. Einen Teil der Mehrkosten hat die Stadt juristisch geltend gemacht.
Wie gestern und bereits im November im "MM" berichtet, wird die Sanierung des Jugendstilbaus nun insgesamt rund 22 Millionen Euro kosten - genau 1,258 Millionen Euro mehr als bisher beschlossen. Die zusätzlichen Gelder soll der Hauptausschuss am Dienstag bewilligen, finanziert aus Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer, wie es heißt.
Gestern rückten gleich drei Bürgermeister auf der Baustelle an. Sie bilden gemeinsam den "Lenkungsausschuss" des Großprojekts. Es soll, wie Erster Bürgermeister Christian Specht sagte, "trotz aller Widrigkeiten" rechtzeitig fertig werden. So ist im Oktober ein, so Kunsthallendirektorin Dr. Ulrike Lorenz, "Grand Opening" für die Bevölkerung geplant und ab November die erste große Ausstellung, eine große Schau zu Otto Dix und Max Beckmann.
"Dann kann dieses schöne Gebäude und der historische Ruf der Kunsthalle mit neuem Leben erfüllt werden", freute sich Kulturbürgermeister Michael Grötsch, "und das Haus erfüllt wieder zeitgemäße technische und klimatische Standards, um mit internationalen Leihgebern kooperieren zu können."
Energie-Einsparungen
"Wir haben hier ein Juwel, ein denkmalgeschütztes Gebäude von herausragender Bedeutung. Tipptop saniert und für Altbauten einen hervorragenden Standard beim Energieverbrauch erreicht", hob Baubürgermeister Lothar Quast hervor: "In 20 Jahren macht das Einsparungen von 1,6 Millionen Euro aus", so Quast. Für dieses "Leuchtturmprojekt" zur energetischen Sanierung seien zwar zusätzliche Leistungen notwendig geworden, doch ein Teil werde durch Zuschüsse von Bund und Land wieder abgedeckt.
Allerdings führten dieses Energie-Projekt und das 100 Jahre alte Gebäude "zu schwer kalkulierbaren Kosten und unerwarteten Mehrausgaben", wie Specht sagte. Er erklärte die Mehrkosten, indem er die Arbeiten an der Kunsthalle mit einem Oldtimer verglich. Den habe man nicht nur fit für den Straßenverkehr machen, sondern zudem mit dem modernsten, energieeffizientesten Motor ausstatten wollen. "Und wenn Ihnen dann noch während der Arbeiten die Werkstatt Probleme bereitet und sie wechseln müssen, sehen sie die Dimension des Problems", deutete er die Schwierigkeiten mit dem Architekten nur an.
Ihm wirft die Stadt vor, dass er "Baumassen falsch aufgemessen hat", so Stephen Berger, Projektleiter beim Immobilienmanagement: "Es gab Dinge, die hätte man sehen könne, ja sehen müssen." Offiziell schreibt die Stadt, das "ursprünglich beauftragte Planungsbüro" habe "einige notwendige Leistungen in seinen Kostenschätzungen nicht berücksichtigt". Manchmal setzte es aber auch Ausgaben extrem zu hoch an, weshalb die Stadt sogenannte "Vergabegewinne" von über zwei Millionen realisieren konnten, weil die Rechnungen niedriger ausfielen. Andererseits sei der Bau "mehr marode gewesen als erkennbar", so Berger: "Wir mussten viel mehr Putz abschlagen!"
Problem Denkmalschutz
Einen gewichtigen Teil der Mehrausgaben entfällt laut Berger auf den Versuch, ein Jugendstilgebäude zum Niedrigenergiehaus zu verwandeln. "Durch den Denkmalschutz konnten wir keine Leitungen außen am Gebäude entlang führen, sondern mussten alles im Bestandsmauerwerk machen, mit über tausend Kernbohrungen - da gab es manche Überraschung", so Berger. Es gebe in dem Gebäude auch "kaum gerade Linien und rechte Winkel". Wegen der unter Denkmalschutz stehenden Terrazzoböden war in einigen Räumen keine Fußbodenheizung möglich - also musste Deckensegel oder eine Wandheizung installiert, diese aber so isoliert werden, dass man weiter Bilder hängen kann.
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