Unfall:
Obdachloser stürzt in eine Grube / Polizei ermittelt / Stadt und Architekt rechnen mit baldiger Baufreigabe
T 1-Ruine sorgt für Ärger
Von unseren Redaktionsmitgliedern Anke Philipp und Peter W. Ragge
Ungesicherte Zäune, zahlreiche Spuren von hier lagernden Obdachlosen im Innern - die Ruine in T 1 sorgt für mächtig Ärger. Jetzt gab es einen Verletzten.
© Prosswitz
Nächtliches Großaufgebot von Rettungskräften, Feuerwehr und Polizei auf dem Gelände des ehemaligen Prinz-Hauses in T 1: Ein Obdachloser war in einen Schacht gestürzt und musste gerettet werden - ein Szenario, vor dem Anwohner seit Monaten gewarnt hatten. Die Geduld der Nachbarn mit der Schrott-Ruine ist aufgebraucht. Im Rathaus hofft man derweil, dass nach Jahren des Leerstandes nun endlich Bewegung ins seit langem ankündigte Baugeschehen kommt.
Der Alarm kam gegen 20.25 Uhr vom Kommunalen Ordnungsdienst, der die Ruine während seiner Streifen regelmäßig ansteuert. Auch Passanten hatten Hilferufe einer männlichen Person gehört. Die Einsatzkräfte entdeckten dann in einem etwa vier Meter tiefen, leeren Fahrstuhlschacht einen verletzten Mann, der sich nicht mehr bewegen konnte. Feuerwehrleute leuchteten die Ruine aus und holten von ihrem Löschfahrzeug eine Steckleiter, mit deren Hilfe der Rettungsdienst zu dem Mann in die Tiefe klettern und ihn versorgen konnte. Gleichzeitig forderte Feuerwehr-Einsatzleiter Simon Berger von der Wache Nord die Höhenretter an. Die Beamten dieser Spezialeinheit montierten einen Flaschenzug und hievten den Mann, in einer Schleifkorbtrage liegend, über Seile und Rollen aus dem Loch. Er hatte, so stellte sich heraus, Verletzungen an der Halswirbelsäule und Brüche am Oberschenkel erlitten und kam ins Krankenhaus. Zu Polizisten sagte der Mann, ein 46 Jahre alter Obdachloser aus Litauen, polnische Obdachlose hätten ihm seine Geldbörse abgenommen und ihn dann in die Grube gestoßen - weshalb die Kriminalpolizei nun wegen Verdacht des Raubes ermittelt.
Ein Kommen und Gehen
Das ehemalige Prinz-Haus und sein Schicksal
Fünf Jahre stand das ehemalige Prinz-Haus an der Breiten Straße leer, 2007 kauften irische Investoren die Immobilie in T 1.
Bemühungen, den Standort für Einzelhandel zu entwickeln, scheiterten. Danach wollte die französische Accor-Gruppe zwei Hotels bauen. Doch das Projekt zog sich in die Länge: Einsprüche von Nachbarn verzögerten das Vorhaben, zuletzt versagten die Banken die Finanzierung.
Nun will man die Immobilie umbauen: eine Decathlon-Filiale, eine Diskothek und ein weiteres Lokal sollen einziehen.
Entsprechenden Plänen hat die Stadt im November 2012 eine Baugenehmigung erteilt, im Dezember auch die beantragte Leinwand (Werbeanlage zur Breiten Straße hin) genehmigt.
Derzeit wird am Vollzug gearbeitet: Die Statik ist fertig, der Prüfstatiker beauftragt. Wenn dessen Bericht vorliegt, will die Stadt die Baufreigabe erteilen.
Planungen und Berechnungen finden statt, sagt auch Klaus Götz, der für den Investor tätige und zuständige Architekt. Er rechnet in diesen Tagen mit dem Baubeginn. aph
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"Muss denn immer erst etwas passieren, bevor sich was tut", ereifert sich Christa Kapf, selbst Hauseigentümerin mit prominentem Blick aufs hässliche Dauer-Desaster gegenüber: Seit Monaten warnen die Anwohner vor den Zuständen in T 1 und dem unbefugten Betreten, hatten gerade in den letzten Wochen seit dem Start der Vesperkirche in Konkordien ein verstärktes Kommen und Gehen von Obdachlosen beobachtet. Immer mehr Menschen würden sich hier rumdrücken, tags trinken und nachts dort schlafen, teilte Kapf gerade gestern dem "MM" mit, dass auch die Polizei - von Nachbarn immer wieder herbeigerufen - zuletzt abgewunken und erklärt habe, die Ruine aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu betreten. Und nun das?
Bereits im Herbst hatte sich der örtliche Bürgerverein zusammen mit der Werbegemeinschaft City schriftlich an die Stadt gewandt, und darum gebeten, das nächtliche Treiben auf dem eigentlich abgeschlossenen Abrissareal zu unterbinden. Zwar schaue man immer wieder dort vorbei, der Zaun werde aber aufgebrochen: "Das ist Hausfriedensbruch", sagt Klaus Götz, für den Investor tätiger Architekt.
Wie mehrfach berichtet interessiert sich Europas größter Sportartikler Decathlon für den Standort, das Haus gehört seit 2007 einem irischen Investor. Dessen Finanzberater versicherte dem "MM" noch im Herbst 2012, entsprechende Mietverträge seien unterschrieben, die Finanzierung stehe.
Zumindest hat die Stadt im November 2012 eine Baugenehmigung erteilt. "Mittlerweile liegt die Statik vor, ist ein Auftrag an den Prüfstatiker ergangen", gibt sich Josef Krah vom Fachbereich Baurecht und Denkmalschutz trotz allem zuversichtlich, dass im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann. Sobald der Prüfbericht vorliege, werde die Baufreigabe erteilt, kündigt er an und hält fest: "Man merkt, dass es weiter geht." Das bestätigt Klaus Götz, der sich zum Stand der Finanzierung in T 1 allerdings nicht äußern wollte. Nur so viel: Schon in diesen Tagen werde die Rolltreppe demontiert. "Danach gehen die Bauarbeiten richtig los, die Rechnungen werden bezahlt", sagt er und vermutet: Dann werde es auch durch die Baufirmen zusätzliche und spezielle Sicherungsmaßnahmen geben.
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