Schifferkinderheim Mannheim:
Einsatz von zwei Löschzügen und Ehrenamtlichen / Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Jugendliche
Verdacht der Brandstiftung
Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge
Zum Brand im Dachgeschoss des Schifferkinderheims Seckenheim rückten in der Nacht zum Mittwoch zwei Löschzüge aus.
© Schwetasch
Brandstiftung ist die Ursache des Feuers im Schifferkinderheim Seckenheim, bei dem in der Nacht zum Mittwoch vier Jugendliche leichte Verletzungen durch Rauchgas erlitten. Sie kamen per Rettungswagen in zwei Krankenhäuser, wurden aber gestern wieder entlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt daher jetzt gegen drei Heimbewohner im Alter zwischen 15 und 16 Jahren. Die Höhe des Schadens wird auf 8000 Euro geschätzt.
Nach Angaben der Polizei sollen sie zunächst heimlich Zigaretten geraucht haben und dann über ein Baugerüst in den Dachstuhl des Kinderheims, das gerade renoviert wird, eingedrungen zu sein. Um die Bauarbeiter zu ärgern, hätten sie den - nicht näher genannten - Inhalt mehrerer herumstehender Kanister auf den Boden gekippt. Plötzlich habe es dann gebrannt. Während zwei Jungen noch versuchten, die Flammen zu ersticken, weckte der dritte Beteiligte den diensthabenden Erzieher und "beichtete", was geschehen ist, so die Beamten.
Haus schnell geräumt
Gegen 2.20 Uhr nachts erreichen die Feuerwehr gleich mehrere Notrufe. Sofort rückten die Löschzüge der Wachen Mitte und Nord aus; zugleich wird die Freiwillige Feuerwehr Seckenheim alarmiert. "Als wir eintrafen, war das Gebäude komplett geräumt, die Bewohner waren alle raus", so Einsatzleiter Nicolas Eisen. Der diensthabende Erzieher habe alle Jugendlichen persönlich geweckt - eine Durchsageeinrichtung gibt es in dem Altbau offenbar nicht, heißt es nachts. Die Jugendlichen dürfen sich noch schnell anziehen, einige packen gar eilig Taschen zusammen, einer greift nach seiner geliebten, neuen Hockeyausrüstung.
Während zwei Trupps der Feuerwehr unter Atemschutz in das Gebäude eindringen, wird die Drehleiter ausgefahren. Schon gegen 3 Uhr kann Eisen aber "Feuer aus" an die Leitstelle melden: "Es war ein Schwelbrand im Bereich eines Deckenbalkens, den hatten wir schnell gelöscht", so Eisen. Durch die Löschversuche dehnten sich die Flammen offenbar zumindest nicht aus; die Beamten entdecken später einen Wassereimer und auch einen benutzten Feuerlöscher in dem leeren Dachgeschoss.
Betreuung mit Tischkicker
Anfangs ist das Ausmaß des Feuers freilich unklar - und die Frage, ob die Jugendlichen noch nachts in ihr Gebäude zurückkönnen oder ob es verraucht ist. "Aber das geht, letztlich ist es unkritisch, denn betroffen war nur der Dachstuhl", erklärt Thomas Schmitt, der Kommandant der Mannheimer Feuerwehr, der in dem Stadtteil wohnt und nachts noch an die Einsatzstelle eilt. Zur Sicherheit postieren sich aber bis 8 Uhr am Morgen vier Ehrenamtliche der Abteilung Seckenheim als Brandwache in dem Heim. Sie haben eine Kübelspritze dabei und sollen den Brandherd halbstündlich kontrollieren, damit er sich nicht mehr entzündet; ihr Löschfahrzeug parkt direkt vor der Tür.
Eiskalte Nacht
Nachts hatte sich die Freiwillige Feuerwehr nicht nur an den Löscharbeiten beteiligt, sondern auch 27 Jugendliche zwischen vier und 19 Jahren betreut. Sie durften in den Aufenthaltsraum des nur rund 100 Meter entfernten Gerätehauses, erhielten dort Getränke und konnten sich am Tischkicker ablenken. Schließlich war es eine eiskalte Nacht - in der gleich nach Ende der Löscharbeiten das aus den eingerollten Schläuchen gedrückte Wasser auf der Straße gefror.
Brandermittler der Kriminalpolizei waren noch nachts ins Heim gekommen. Sie hatten unter anderem einen Benzinkanister beschlagnahmt, auf den Feuerwehrleute in der Nähe des Brandorts stießen. Ob die unter Tatverdacht stehenden Jugendlichen weiter in dem Heim wohnen dürfen, ist noch offen. Das Heim verweigerte auf Anfrage des "Mannheimer Morgen" jegliche Auskünfte.
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