Technik:
Im „RaumZeitLabor“ tüfteln junge Menschen an IT-Projekten, hören Vorträge und spielen mit ihrem eige
Verein 2.0 – zu Besuch bei den „Nerds“
Von unserem Redaktionsmitglied Kevin Hagen
Sie basteln an Maschinen und Rechnern, arbeiten an gemeinsamen Projekten und surfen in der Gemeinschaft: Mitglieder des RaumZeitLabors.
© kev
"Blabber" packt das Klischee noch bevor man danach fragen kann. "Wir haben hier alles, was Nerds brauchen: Süßigkeiten und Tiefkühlpizza", sagt er und schiebt ein tiefes Lachen hinterher. Er steht vor einer Küchenzeile und zeigt auf die mit Schokoriegeln vollgepackten Regale. Nerds? "Na klar", sagt "Blabber" und grinst. "Wir haben sogar eine 'Wall of Nerds'". Tatsächlich, ein paar Schritte weiter prangt dieser Schriftzug an der Wand. Darunter wurden Steckbriefe gepinnt. Unter "Nerd" versteht man im Englischen in etwa einen Sonderling, der sich beispielsweise fast ausschließlich mit seinem Computer oder schrägen Hobbys beschäftigt.
Der Ort, an dem man sich scheinbar munter selbst auf die Schippe nimmt, liegt versteckt im Obergeschoss eines alten Industriegebäudes in Käfertal. Hier hat sich das "RaumZeitLabor" eingemietet - ein junger Verein, der Workshops und Vorträge organisiert und den "verantwortungsbewussten und kreativen Umgang mit Technik" fördern möchte. So steht es auf der Webseite. "Ein kreativer Raum", sagt "Blabber" und geht auf einige Kisten mit Werkzeug zu. Die Mitglieder teilten sich das Material, um an ihren Rechnern und Maschinen zu basteln, sagt er.
Spitzname auf dem Kittel
"Blabber" ist ein groß gewachsener Mittdreißiger mit Kinnbart und freundlichen Augen. Seine langen blonden Haare hat er zu einem dünnen Zopf gebunden. Dass er eigentlich Tobias Rehbein heißt, ist hier Nebensache. In der Cyberwelt spricht man sich mit Nicknames, den Spitznamen, an. Und so hat Rehbein auch "Blabber" auf seinen weißen Laborkittel gestickt. Einen solchen tragen viele im Verein. "Identitätsstiftend", meint Rehbein. Es ist der Abend der "RaumZeitLaborierung", wie die Vereinsmitglieder ein öffentliches Treffen nennen. Rund 20 Berufstätige, Studenten oder Schüler wuseln umher oder sitzen an einer langen Tischreihe und starren auf ihre Laptops. Ein bisschen chaotisch wirkt der Raum mit all den Kisten und Regalen.
Stolz zeigt Tobias Rehbein r einige Spielereien, die im "RaumZeitLabor" entstanden sind. Ein Chipsspender, zum Beispiel, der aus einem Abwasserrohr gefertigt wurde; eine Anzeige samt Sirene, auf die von den Computern Nachrichten gespielt werden. Oder die Stickmaschine. Man müsse nur den Text über einen Rechner eintippen, erklärt Rehbein. Das Ergebnis hängt ordentlich eingerahmt darüber: Eine Stickerei mit Blumen und dem Text "Home is where the computer is".
Ohne Freude am Werkeln ging es wohl auch vor über zwei Jahren nicht. Der Verein war gerade aus verschiedenen regionalen Gruppen hervorgegangen, und es galt, eine neue Unterkunft herzurichten. "Wir mussten alles neu machen", erzählt Peter Nord, eines der Gründungsmitglieder. Finanziert werde nun alles über Mitgliedsbeiträge - deshalb die Gründung des Vereins. Offensichtlich sucht man stundenlange Vorstandssitzungen im RaumZeitLabor vergeblich. Peter Nord beschreibt den Verein als "Freiraum für digitale Kunst", ein Ort zum "Hacken". Das Wort verbinden viele mit Online-Kriminalität. Nord relativiert: Hacken heiße vielmehr, "dass wir an coolen Projekten arbeiten. Es bedeutet einfach, Sachen selbst zu tun." Das klingt weniger politisch, als es die Maske der Protestbewegung Anonymus an der Wand vermuten lässt. Tobias Rehbein zuckt mit den Schultern. Im Verein gebe es auch Mitglieder der Piraten-Partei, sagt er. Er sei es nicht. Dann setzt sich Rehbein zu den anderen an den Tisch und haut in die Tasten seines Laptops. In diesem Moment ist er wieder "Blabber".
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