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Marktrundgang: Von Märtyrern, Herzchen-Nudeln und roten Rosen

Wenn Männer Blumen kaufen

Führt für alle Verliebten Herzchen-Nudeln: Karl-Heinz Müller.

© mei

Eigentlich wurde der Valentinstag von Papst Gelasisus dem Ersten im Jahr 469 zum Gedenken christlicher Märtyrer mit dem Namen Valentinus eingeführt. Valentin von Rom soll beispielsweise als einfacher Priester Liebespaare trotz kaiserlichem Verbot nach christlichem Ritus getraut, ihnen Blumen aus seinem eigenen Garten geschenkt haben und dafür durch Enthauptung hingerichtet worden sein. "Tatsächlich?", wundert sich da Robert Schumacher, der gestern am Stand von Blumenhändler Klaus Schneider auf einen Strauß roter Rosen wartet. "Dann sollten wir wohl nicht nur auf unsere Liebe anstoßen, sondern auch diesen mutigen, selbstlosen Mannes gedenken", ist sich der Kavalier sicher.

Die Blumen, natürlich für Freundin Beate. Das sei Brauch und gehöre sich so. "Es ist schon wirklich verrückt, wie viele Männer auf dem Markt unterwegs sind", bestätigt Fleurist Klaus Schneider. "Da Valentinstag in diesem Jahr auf einen Werktag fällt, haben die Männer heute nicht so viel Zeit, für ihre Liebste eine Aufmerksamkeit zu organisieren." Der absolute Renner, seien aber nach wie vor rote Rosen, selbst wenn der erfahrene Blumenhändler sich für spezielle Wünsche, mit gemusterten orange- und aprikotfarbenen oder rosa und pinkfabenen Rosen gewappnet hat. Ein paar Meter weiter beobachtet auch Metzger Peter Burkhardt das Markttreiben mit einem Schmunzeln: "Es sind schon mehr Männer unterwegs. Die meisten kaufen aber tatsächlich nur Blumen." Ob der ein oder andere seine Auserwählte auch bekoche, darüber ist sich der Waldhofer, der seit 45 Jahren mit seinem Metzgereiwagen auf dem Markt dabei ist, nicht sicher: "Wenn, dann wohl Nudeln mit Tomatensoße. Denn wenn es ums Kochen geht, dann haben die Frauen die Nase vorne." Dabei bemerke man nicht einmal die Fastenzeit. "Ich glaube der einzige, der sich den Verzicht auf Wurst und Fleisch, Cola und Schokolade vorgenommen hat, bin ich selbst", sagt er.

Auf das Männer-Spezial-Gericht Nudeln mit Tomatensoße ist Karl-Heinz Müller vom Stand "frische Eier und Bauernnudeln" vorbereitet. "Wir führen die Teigwaren selbstverständlich in den unterschiedlichsten Größen und Formen im Programm". Für Verliebte hat der Nudelverkäufer aber etwas Besonderes. "Damit die Herren nicht mit Spaghetti ankommen, gibt es Herzchen-Pasta." Sie verleihe jedem Essen einen ganz besonderen Schliff. Was Märtyrer Valentin zu der ganzen Liebesindustrie sagen würde, bleibt fraglich. Für ihn zählte wohl nur die Liebe. mei

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.02.2013

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