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Gesellschaft: Das Jugendamt spürt wenig von dem landesweiten Rückgang an adoptionswilligen Paaren

Zur Adoption gehören stets zwei Biografien

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 13.06.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Waltraud Kirsch-Mayer

Ein Kind an die Hand nehmen und ins Leben begleiten: Darauf bereiten Mitarbeiter des Jugendamtes adoptionswillige Paare in intensiven Gesprächen vor.

© dpa

"Die Zahl der vorgemerkten Adoptionsbewerber sinkt dramatisch" - diese Botschaft sorgte für Schlagzeilen. Das Stuttgarter Sozialministerium hatte nämlich veröffentlicht, dass in Baden-Württemberg während eines Jahrzehnts die Listen mit registrierten Paaren, die ein Kind annehmen möchten, um die Hälfte geschrumpft sind. "In Mannheim merken wir keine großen Veränderungen", schildert hingegen Sylvia Chebila vom Adoptions- und Kinderpflegedienst des Jugendamtes die Situation. "Wir haben - natürlich mit Schwankungen - jährlich um die 40 Bewerber und acht bis neun Adoptionen."

Einzelsituation entscheidend

"Bei uns sind die meisten Adoptionsbewerber Mitte bis Ende dreißig, manchmal auch darüber", berichtet Sylvia Chebila. Strikte Altersbegrenzungen, wie früher üblich, gibt es heute nicht mehr. Die Empfehlung lautet: Zwischen dem adoptierten Kind und seinen Eltern sollte der Altersunterschied nicht größer als 40 Jahre sein. "Entscheidend ist aber immer die Einzelsituation." Ohnehin verlangt das Zusammenbringen von Kindern und Paaren Erfahrung verknüpft mit Sensibilität. Vor allem wenn es sich um Risikokinder handelt. "Jedes Kind bringt eine Lebensgeschichte mit", betont Abteilungsleiter Dr. Andreas Hundsalz. Das gelte auch für Säuglinge. Denn so manch ein Baby war bereits vor der Geburt Alkohol und Drogen ausgesetzt, bekam Ängste der Mutter über Stresshormone zu spüren. "Fetal Programming" heißt jener junge Medizinzweig, der von einer Prägung der körperlichen und psychischen Gesundheit bereits im Mutterleib ausgeht.

Adoptionen und Pflege

  • Das Jugendamt hat eine eigene Abteilung für Adoptionsvermittlung und Pflegekinderdienst. Diese prüft Bewerber, die ein Kind annehmen wollen, bereitet intensiv vor, bietet eine langjährige Begleitung.
  • Erfahrene Mitarbeiter beraten auch bei Auslandsadoptionen oder wenn Stiefeltern ein Kind annehmen.
  • Das Team unterstützt bei der "Spurensuche" - wenn beispielsweise nach Jahren mit der leiblichen Herkunftsfamilie Kontakt aufgenommen werden soll. Adoptionsunterlagen werden 60 Jahre aufbewahrt.
  • Bei Paaren mit Kinderwunsch wirbt das Jugendamt auch für eine Dauerpflege. Denn viele Mädchen und Jungen brauchen - auch ohne Adoption - eine liebevolle Familie. ( (www.mannheim.de/pflegeltern) . Telefonkontakt unter 0621/293-6260.
  • Als Anlaufstelle für Adoptiv-und Pflegeeltern bietet sich außerdem der Verein "Apfel" (Rheingoldstraße 14) an: Telefon 0621/ 875579-75 oder apfel@hk.mailbox.de. wam

Die Gründe, die eine Frau dazu bringen, ihr Kind zur Adoption freizugeben, sind vielfältig. Auch wenn jedes Schicksal anders ist, ähneln sich Situationen: Blutjunge unverheiratete Frauen aus Familien mit strikten Moralvorstellungen wollen ihren Eltern keine Schande bereiten. "Das sind oftmals Musliminnen, aber nicht nur. " Sylvia Chebila hat in den letzten Jahren auch schwierige Lebenssituationen von Südosteuropäerinnen erlebt - häufig illegal eingeschleust, zur Prostitution gezwungen, in völliger Abhängigkeit. Solche Frauen nutzen bevorzugt die seit einigen Jahren in der Hedwigsklinik mögliche anonyme Geburt, die bislang 20 Mal in Anspruch genommen wurde. Fünf der Mütter haben sich dann doch für ihr Kind entschieden. "Viele ringen verzweifelt mit sich", so die Erfahrung des Chefgynäkologen Dr. Horst Job. "Frauen, die entbinden und verschwinden, sind die große Ausnahme." Meist sei die Bereitschaft groß, wenigstens eine persönliche Botschaft in einem verschlossenen Umschlag zu hinterlassen, der später, im Alter von 18 Jahren, ausgehändigt werden kann. Meist werde ein seelsorgerisches Gespräch akzeptiert, oft auch das Angebot einer sozialen Beratung.

Adoption ist eine Entscheidung fürs Leben - und ein lebenslanger Prozess. "Irgendwann begann es in mir zu rumoren, mich umzutreiben", erzählt eine als Baby adoptierte Frau, die im Alter von 30 Jahren damit begann, nach ihren Wurzeln und "meinem Ich" zu suchen.

Wichtige Spurensuche

Adoptionsvermittler legen deshalb Paaren ans Herz, von Anfang an darüber zu sprechen, wie ihr Sohn oder ihre Tochter zu ihnen gekommen ist. Weil jedes Adoptivkind zwei Biografien hat, so Psychologe Hundsalz, sollte es die Chance erhalten, möglichst viel über seine Vorgeschichte zu erfahren. Spuren suchen nicht nur Adoptierte. Kontakt zum Jugendamt nehmen auch Mütter auf, die sich mit Vorwürfen quälen und wissen möchten, ob es ihrem einst abgegebenen Kind gutgeht. Auch leibliche Geschwister kommen: Manche trauen sich erst nach dem Tod der Mutter ein Familiengeheimnis zu erkunden - und forschen nach Bruder oder Schwester.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 13.06.2013

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