Die für dieses Jahr letzte Lesung der Reihe Europa-Morgen-Land fand erstmalig im gemütlichen Café Prag statt. Zu Gast war die Schriftstellerin Rumjana Zacharieva, die vor allem Passagen aus ihrem zuletzt erschienenen Roman "Transitivismus fürs Leben", aber auch einige Gedichte vortrug. Ihre Art, die Problematik der Anpassung an eine neue Sprache, Lebensumstände und Gesellschaft unterhaltsam und lustig darzustellen und dabei doch ernst zu bleiben, hielt die Schriftstellerin auch im Vortragen bei.
Dem Heimatland verbunden
Rumjana Zacharieva lebt schon seit 42 Jahren in Deutschland; dennoch ist sie ihrem Heimatland Bulgarien tief verbunden und begeisterte das Publikum auch mit Gedichten in bulgarischer Sprache, um ihm den "Sound" nicht vorzuenthalten. Zacharievas östlicher Akzent verlieh den gelesenen Auszügen aus ihrem Roman, der sich, passend dazu und autobiographisch angelehnt, mit der Identitätsfindung zwischen bulgarischer und deutscher Kultur befasst, eine noch eindringlichere und persönliche Note. So ist wohl jedem Anwesenden das Zitat "Ach, so duftet mir der verfaulende Kapitalismus" noch in den Ohren. Es beschreibt den Gedanken der bulgarischen Protagonistin Mila als diese am Flughafen der "westlichen Welt" ankommt, um dort auf ihren Ehemann zu treffen.
Tragigkomische Atmosphäre
Dieses Zitat war sicherlich auch gleichzeitig Titel der Lesung, weil es die tragigkomische Atmosphäre dieses Abends widerzuspiegeln vermag. Es folgten weitere Ausschnitte aus "Transitivismus fürs Leben", wie zum Beispiel die Umstände unter denen Mila ihren zukünftigen Ehemann Johannes kennenlernt, bei denen das Fremdschämen für Milas Eltern nicht aufhört, oder das erste Abendessen in Johannes Wohnung, bei dem Manieren zur unüberbrückbaren Hürde werden, einen Schluck Wein zu genießen. Rumjana Zacharieva begeisterte zu ihrer eigenen Verwunderung das Publikum lange und bewegte zum herzlichen Lachen. Unverkennbar war, dass auch ihr dieser Abend gut gefallen hat. Unter dem Applaus des Publikums verabschiedetet sie sich rührend mit den Worten: "Es gab viele Lesungen in diesem Jahr, aber diese war die schönste!".
Das Kulturamt Mannheim und das Kulturbüro Ludwigshafen in Kooperation mit den Vereinen Kultur Rhein-Neckar und KulturQuer-Quer Kultur Rhein-Neckar initiierten die Lesereihe, um neue deutschsprachige Literatur in der europäischen Metropolregion Rhein/Necker zu fördern. Ein spezieller Dank ging dafür an Bernhard Wondra vom Kulturamt Mannheim, dessen Engagement mit viel Applaus und einem Geschenk gewürdigt wurde. blu
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