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Lindenhof: Ausstellung in der Johanniskirche zeigt das Wirken des Paares Varnhagen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Hauch vom Berliner Salon weht bis nach Mannheim

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 21.08.2013

Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Osthues

Die Ausstellung ist zwar dem Ehepaar Varnhagen gewidmet, ordnet aber ihr Wirken in die Zeit des 19. Jahrhunderts ein.

©   Prosswitz

Rahel Varnhagen, geborene Levin unterhielt in Berlin einen rege frequentierten, literarischen Salon, in dem sich Staatsmänner, Künstler und Gelehrte trafen.

© Markus Prosswitz / masterpress

Glanzzeiten der Geselligkeit - in den jüdischen Berliner Salons um 1800 - und ihr Niedergang im Parteienhader während des demokratischen Aufbruchs von 1848 beschreibt eine Ausstellung in der Johanniskirche: "Lebensbilder, die Zukunft zu bevölkern". Von Rahel Levins Salon zur Sammlung Varnhagen, präsentiert von der Varnhagen-Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Verein Johannisfeuer e.V.

Mit einem Themengottesdienst wurde die Ausstellung, die von Dr. Nikolaus Gatter und Künstlerin Kornelia Löhrer konzipiert wurde, eröffnet. Pfarrerin Susanne von Komorowski beleuchtete das bewegte Leben der Varnhagens, das auch in Mannheim stattfand. Die Literatin Rahel Levin (1771-1833) führte von 1790 bis 1806 einen legendären Salon in Berlin, in dem sich Persönlichkeiten ohne Ansehen des Standes trafen.

Während der Befreiungskriege organisierte sie 1813 in Prag die Versorgung der Verwundeten. Ihr 14 Jahre jüngerer Ehemann Karl August Varnhagen (1785-1858), ein Mediziner und Journalist, begeisterte sich für die Freiheitsideen der Französischen Revolution. 1816 kam er als preußischer Botschafter nach Karlsruhe. Doch Mannheim als Stadt der Opposition reizte ihn mehr, so dass er sich vielfach dort aufhielt - ebenso seine Frau, die verwandtschaftliche Verbindungen in die Quadratestadt hatte.

Beide genossen das kulturelle Leben. Berühmt wurde das Ehepaar Varnhagen durch seine Briefkultur. Allein von Rahel Varnhagen sind über 6000 Briefe überliefert, die Karl August Varnhagen von Ense nach ihrem Tod sammelte und veröffentlichte. Die Lesung der "Dornenbriefe" aus dem Jahre 1810 mit Dr. Nikolaus Gatter von der Varnhagen-Gesellschaft und Inge Brose-Müller vom Verein Johannisfeuer ließ die beiden außergewöhnlichen Menschen und ihre Zeit lebendig werden.

Rahel Varnhagen zeigte sich darin als eine geistvolle und wortgewandte Frau, tiefbedeutend voller Witz, aber auch als eifersüchtige Geliebte. Sie überhäufte ihr "Varnhakelken" mit Vorwürfen. Varnhagen beteuerte immer wieder seine große Liebe zu Rahel. Die Lesung wurde stimmungsvoll musikalisch umrahmt von Sängerin Claudia Sobotzik und Katja Letters am Klavier.

Am Rundgang durch die Ausstellung mit Dr. Nikolaus Gatter nahm auch ein Urururenkel von Wilhelm von Humboldt, der ein häufiger Gast in Rahel Levins Berliner Salon war, teil: Freiherr Wilhelm von Humboldt war extra aus München angereist.

Die Ausstellung beschreibt die Geschichte der Varnhagens von den Anfängen des weiblichen Schreibens bis zur Verfolgung des Rahel-Andenkens durch den Nationalsozialismus: Mit Kunstwerken, Originalbriefen, Erstausgaben und "Lebensbildern", die nach einem Rahel-Wort auch "unsere Zukunft bevölkern". Inge Brose-Müller dankte dem Technoseum, das die Vitrinen zur Verfügung gestellt hatte, sowie dem Stadtarchiv und dem Kulturamt Mannheim für ihre Unterstützung.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 21.08.2013

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