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Neckarau: Integrationsbetrieb in der Floßwörthstraße wächst erfolgreich / Inklusion steht im Vordergrund

Markthaus startete mit sechs Mitarbeitern, heute sind es 100

Von unserem Mitarbeiter Jan-Hendric Bahls

Markthaus-Geschäftsführer Thomas Weichert (re.) und Personalleiter Heinz Schneider wollen bei Neueinstellungen den integrativen Aspekt stärker betonen.

©  jba

Dem integrativen Gedanken bei der Einstellung neuer Mitarbeiter haben sich die Verantwortlichen schon länger verschrieben. Vor 15 Jahren öffnete das Markthaus in der Floßwörthstraße in Neckarau seine Pforten, damals noch unter der Direktive eines klassischen Arbeitsförderungsprojekts. Das Recyclingkaufhaus im Gewerbegebiet verfügte zu diesem Zeitpunkt über acht Festangestellte. In diesen Tagen wurde mit Franz Massinger der 100. Mitarbeiter engagiert.

"Bereits 2002 wurden wir aber als Integrationsbetrieb anerkannt", erinnert sich Thomas Weichert. In den vergangenen Jahren sei das Haus gewachsen und mit ihm die Zahl der Beschäftigten, erklärt der Geschäftsführer. Der Betrieb kooperiert mit der Arbeitsagentur Mannheim sowie dem Integrationsamt Baden-Württemberg. "Heute verstehen wir uns als inklusive Einrichtung", berichtete Heinz Schneider.

Von den 100 Angestellten hat die Hälfte der Mitarbeiter einen schwerbehinderten Grad. Seit 2012 richte man seinen Schwerpunkt in der Personalpolitik in diese Richtung aus. "Die berufliche Integration von behinderten Menschen liegt uns am Herzen", betont der Personalleiter. Entsprechend optimiere man die Arbeitsabläufe im Markthaus.

"Schließlich kann Integration nur gelingen, wenn wir Rücksicht auf die Besonderheit der jeweiligen Behinderung des Einzelnen nehmen", meinte Schneider. Ziel sei es, sowohl die Persönlichkeit des Mitarbeiters zu stärken als auch seinen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass seine individuellen Fähigkeiten dem Anforderungsprofil entsprächen. Im kommenden Jahr sollen weitere sechs Mitarbeiter mit einem schweren Handicap eingestellt werden, um ihnen eine Chance auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu geben, wie die Verantwortlichen des Recyclingkaufhauses erklärten.

Seine Chance genutzt hat Franz Massinger, der froh ist, sich einer solch neuen Verantwortung stellen zu können. Die vergangenen 25 Jahre arbeitete er in den Behindertenwerkstätten der Caritas. Seit September vergangenen Jahres ist er nun an der Floßwörthstraße tätig. Dieser Wechsel sei ein riesiger Schritt gewesen, bei dem er den gewohnten Arbeitsrahmen verlassen habe, um ins Markthaus zu wechseln.

Auch Thomas Weichert und Heinz Schneider zollten dem 100. Mitarbeiter ihren Respekt. "In solchen Fällen gehen wir jedoch ganz behutsam vor, damit jede Seite am Ende auch zufrieden ist", erzählt das Duo. Im September sei Massinger erst einmal für vier Wochen zu einem Praktikum eingeladen worden. Nach einer ersten Orientierungsphase war eine dreimonatige Qualifizierung erfolgt, bevor sich beide Seiten auf ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis geeinigt hatten.

Neben den wirtschaftlichen Vorteilen sei es ja vor allem die soziale Teilhabe einer gleichberechtigten Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die viel Selbstbewusstsein und ein Stück mehr Lebensglück biete, zeigte sich Thomas Weichert überzeugt. Weitere geplante Maßnahmen sind das Anbieten von Praktikaplätzen für Schüler von Sonderschulen.

Das Markthaus ist Dienstleister für Wohnungsauflösungen und verkauft Gebrauchtwaren, angefangen von Möbeln, über Kleidung bis hin zu Unterhaltungselektronik. Seit 2007 ist das Recyclingkaufhaus auch als Ausbildungsbetrieb anerkannt.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013

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