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Wohlgelegen: „Zupfgeigenhansel“ Erich Schmeckenbecher tritt im RNF live Kulturforum auf

Die Saiten der Sehnsucht zum Schwingen gebracht

Von unserer Mitarbeiterin Dr. Astrid Mader

Bald umschmeichelt er auf der Gitarre seine Phrasen in zarten melodischen Modulationen, bald treibt er das musikalische Geschehen mit kraftvollem Beat voran: Zupfgeigenhansl Erich Schmeckenbecher.

© Blüthner

Bald umschmeichelt er auf der Gitarre seine Phrasen in zarten melodischen Modulationen, bald treibt er das musikalische Geschehen mit kraftvollem Beat voran: Zupfgeigenhansl Erich Schmeckenbecher.

© Blüthner

Als "Romantiker" bezeichnet sich der Liedermacher Erich Schmeckenbecher alias "Zupfgeigenhansel" gerne und meint damit: Einer Sehnsucht und einem Streben nach Miteinander, Werten und Geborgenheit folgen, die die Pragmatik des Alltags in den Schatten stellt. Jetzt kam er seinem Publikum im RNF live Kulturforum mit diesem Anliegen ganz nahe, verlegte die Bühne ins Publikum, sang und sinnierte in zartbitterer Manier über das, was Menschen voneinander und von ihren natürlichen Grundlagen entfernt.

"Ich habe keinen Beruf, aber viele Berufungen" sagt der Mann, der genau 14 Tage Architektur studierte, dann eingezogen wurde und den Wehrdienst verweigerte. Mindestens einer Berufung ging der Musiker an diesem Abend denn auch nach: Distanz und Grenzen zu überwinden, ohne von dem, was schmerzt, wegzuschauen. Von zweifelhaften Militäreinsätzen und fragwürdigen Machtkonstellationen war da die Rede, von der Entfremdung des Menschen von seinen natürlichen Grundlagen.

So fand sich explizit politisch engagierte Literatur in Schmeckenbechers Programm, daneben eigene Vertonungen von Gedichten der Weimarer Klassik, der Romantik und des Jungen Deutschland. Aktuell und zuweilen bestechend kongenial in Töne umgesetzt klangen in seinem ausdrucksvollen Gesang die Verse Schillers, Goethes, Heines und Theodor Kramers ganz und gar nicht verkopft.

Bald umschmeichelte er auf Gitarre, Mandoline und Mundharmonika seine Phrasen in zarten melodischen Modulationen, bald trieb er das musikalische Geschehen mit kraftvollem Beat voran. Und immer wieder beeindruckte dies: das unendliche stille Einkehren seiner Stimme bei sich selbst, der sich aus aller kraftvollen Klanglichkeit verabschiedende Rückzug der Instrumente in ihren eigenen Ursprung. In diesem Verklingen und Aushauchen allen Lärms der Welt liegt wohl die Kraft, mit der der "Zupfgeigenhansel" an diesem Abend Jung und Alt berührte.

Dieses Stillewerden, diese Ruhe mag es auch sein, was für Schmeckenbecher "Ursprung" und Sehnsucht nach Geborgenheit bedeutet. "Ich konnte nicht glauben, dass wir in diesem Land ohne Wurzeln sein sollen," erklärte er, und dass er mit seiner Musik immer auf der Suche war nach dem, was Ursprung aller Sehnsuchtsbewegung sei. Nicht zufällig trägt sein Album aus dem Jahr 2012 den Titel "Der Vogel Sehnsucht".

An diesem Abend ist dieser nur vor Wenigen, dafür mit ausladenden Schwingen in die Luft geflogen. Schmeckenbecher, dessen Volksliedbücher sich über 300 000 Mal verkauften und der mit seinen Tonträgern die Millionenmarke knackte, gab sich im intimen Rahmen des Kulturforums in hoher Intensität und Dichte.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 13.02.2013

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