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Neckarstadt/Innenstadt: Abfallwirtschaft verteilt in Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil Infoflyer in sechs Sprachen

Wilder Müll auf Gehwegen sorgt für Unmut

Von unserem Redaktionsmitglied Waltraud Kirsch-Mayer

Der Einzelhändler Heinrich Fassoth ist genervt. Obwohl er den Gehweg vor seinem Elektrogeschäft in der Mittelstraße sauber hält, weht ihm ständig Dreck vor die Tür. Und dieser kommt häufig von wilden Müllhaufen in der Nachbarschaft. Mit einer Serie von elf Fotos, die einen über mehrere Tage sich ständig wandelnden Sperrmüllhaufen in der Lortzingstraße dokumentieren, wendet sich der Geschäftsmann an den "MM" - und die Redaktion wiederum an die städtische Abfallwirtschaft. Dort ist das Problem rund um illegale Müllkippen bekannt.

Was Heinrich Fassoth beobachtet hat, kennen Behördenchef Dr. Stefan Klockow und sein Team zur Genüge. Wilde Müllhaufen üben Anziehungskräfte der besonderen Art aus: Die einen wühlen darin, um nach Brauchbarem zu suchen, andere stellen einfach noch etwas dazu. Ein Phänomen, das auch neben Wertstoffcontainern wuchert, wie Margarete Farag von der Stadt erläutert. Da werde schon mal eine Matratze vor einen Flaschenbehälter gestellt - im Vertrauen darauf, dass die Glasentsorger die Liegestatt mitnehmen oder den Fund melden.

Um die 970 Kubikmeter wild abgelagerten Sperrmüll haben Mitarbeiter der Abfallwirtschaft innerhalb eines Jahres eingesammelt und dabei um die 8000 Arbeitsstunden aufgewendet, so aktuelle Zahlen. "Dabei müsste wilder Abfall gar nicht sein", betont Klockow. Schließlich habe jeder Haushalt in Mannheim die Möglichkeit, Sperrmüll gebührenfrei abholen zu lassen - entweder zweimal jährlich eine Menge in der Größenordnung bis zu vier Kubikmeter oder einmal pro Jahr bis zu acht Kubikmeter.

Allerdings muss vorher - entweder telefonisch oder per Mail - eine Anmeldung erfolgen. Aber die scheinen sich so manche Bürger ersparen zu wollen.

In manchen Stadtvierteln - Neckarstadt und Innenstadt gehören dazu - wird besonders häufig Sperrmüll bei Nacht und Nebel auf die Straße gestellt. Das könnte auch dafür sprechen, dass der Ablauf beim Sperrmüll auf Abruf noch nicht überall bekannt ist. Deshalb hat der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft nicht nur die Werbekampagne "Sauberes Mannheim" gestartet, sondern auch Flyer gedruckt. In der Neckarstadt wie auch in der Innenstadt, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, wurde damit begonnen, solche Flugblätter in sechs Sprachen via Briefkasten-Steckaktionen unters Volk zu bringen.

Und was können Bürger - wie Heinrich Fassoth - unternehmen, wenn sie in ihrer Nachbarschaft ein Abfallhaufen nervt, um den sich niemand kümmert? "Der kann uns gemeldet werden", erklärt Betriebsleiter Klockow, allerdings seien seine Leute nicht immer in der Lage, eine illegale Müllkippe gleich am nächsten Tag abzuholen - man versuche, solche Einsätze mit geplanten Touren zu kombinieren. Außerdem solle der Eindruck vermieden werden, die Stadtreinigung holt den Dreck ja ohnehin schnell ab - deshalb brauche erst gar nicht umständlich angemeldet werden.

Was Betriebsleiter Klockow und seine Leute ärgert, ist das geringe Unrechtsbewusstsein jener, die abgerissene Tapeten, ausrangiertes Mobiliar oder Renovierungsschutt heimlich auf die Straße stellen - in der Erwartung, es werde schon irgendwie wegkommen. Dabei handle es sich bei wildem Vermüllen um eine strafbare Ordnungswidrigkeit. Wer erwischt wird, klärt Klockow auf, müsse mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.02.2013

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