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Neckarstadt: Orientierungskurs für Flüchtlinge „Maorie“ beendet erfolgreich erste Projektphase

„Wir können nicht nur essen“

Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann

Teilnehmer des Orientierungskurses für Flüchtlinge mit Mitarbeitern des Caritas-Sozial- und Migrationsdienstes und ihrer Abteilungsleiterin Sigrid Kemptner (re).

© bh

"Wir würden gerne weitermachen": Diesen Wunsch äußerten unisono die 15 Teilnehmer der Mannheimer Orientierungskurse für Flüchtlinge, kurz "MAORIE" genannt. Beim Abschluss der ersten Projektphase zogen sie zusammen mit den Mitarbeitern des Caritas-Sozial- und Migrationsdienstes und ihrer Abteilungsleiterin, Sigrid Kemptner, eine positive Bilanz.

Es sind zumeist junge Menschen, die in ihrem Heimatland eine gute Ausbildung hatten. Derzeit wohnen sie in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und in kommunalen Unterkünften. Dort sind die Asylbewerber im Schnitt drei Jahre, solange wie ihr Verfahren andauert, zum Nichtstun verurteilt. Um diese lange Wartezeit zu verkürzen und die Asylbewerber auf ein Leben in Deutschland vorzubereiten, hatte der Mannheimer Caritasverband im Frühjahr 2012 "MAORIE" ins Leben gerufen. Das Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist und vom Europäischen Flüchtlingsfonds gefördert wird, umfasst einen Sprach- und Orientierungskurs, einen Computerkurs und ein zweiwöchiges Praktikum in einem Betrieb oder in einer Einrichtung.

Eine der Teilnehmerinnen war Shagufta Habib. Die 38-jährige Krankenschwester kam vor zweieinhalb Jahren aus Pakistan in die BRD, weil sie als Christin in ihrem Heimatland verfolgt wurde. Schmerzlich vermisst Shagufta Habib ihre beiden Kinder, die sie bei ihrer Schwester zurücklassen musste. Sie können erst zur Mutter kommen, wenn diese als Asylbewerberin anerkannt ist. Mit viel Freude absolvierte Habib die Kurse und machte während des Praktikums im Pflegezentrum Maria-Frieden viele neue Erfahrungen. "Die Arbeit war sehr interessant, denn in Pakistan gibt es keine solchen Heime", berichtet sie in einem fast akzentfreien Deutsch. Gerne würde sie dort oder in einer anderen Einrichtung weiter tätig sein. Doch da hat der Gesetzgeber einige Hürden aufgebaut. Denn ein Arbeitgeber muss erst nachweisen, dass die Tätigkeit, die er einem Asylbewerber anbietet, kein Deutscher und kein EU-Ausländer übernehmen kann. Das sei eine Vergeudung von Ressourcen, bemängelt Sigrid Kemptner: "Es werden doch überall händeringend Fachkräfte gesucht." Zudem seien die Teilnehmer des "Maorie-Projektes" alles kluge Menschen, die sich durch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ausgezeichnet hätten. "Die Gruppe war sehr engagiert und hat viel gelernt", ist sie voll des Lobes.

Sich viel Neues angeeignet hat auch Jawed Maimamig. Der 23-Jährige kam vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. In seinem Heimatland wollte er eigentlich Wirtschaftswissenschaften studieren, floh aber wegen der unsicheren Lage dort. Der junge Mann arbeitete während seines Praktikums bei dem gemeinnützigen Betrieb "Ad Laborem" und war dort unter anderem im Controlling beschäftigt. Da bei der "Ad Lab" viele gehörlose Menschen arbeiten, lernte er sogar etwas die Gebärdensprache, um mit ihnen kommunizieren zu können.

Wie auch die anderen Teilnehmer der ersten "MAORIE-Gruppe", unterstreicht Maimamig die Bedeutung, etwas Sinnvolles zu tun. "Denn wir können ja nicht nur essen und schlafen", sagt er.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 25.01.2013

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