Neckarstadt-West:
Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien im Fokus des Bezirksbeirates
Gefahr für das soziale Gefüge
Von unserem Mitarbeiter Bernhard Haas
"Da müssen sich junge Frauen aus Rumänien und Bulgarien bei eiskaltem Wetter auf offener Straße ausziehen. Das ist für mich und meine Frau einfach etwas Ekelhaftes", machte ein Neckarstädter seinem Unmut über die zunehmende Prostitution in der westlichen Neckarstadt Luft.
Damit verdeutlichte der Mann auch das seiner Ansicht nach ins Schwanken geratene soziale Miteinander in dem Multikulti-Stadtteil. Dass die Zuwanderung aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien mit all ihren Problemen bei der Stadtspitze erkannt ist und angegangen wird, das begrüßten übereinstimmend die Bezirksbeiräte aller Fraktionen in der Sitzung im Bürgerhaus. Dennoch würden sich Ängste unter den Bewohnern breitmachen, wie es CDU-Bezirksbeiratssprecher Christian Stalf formulierte: "Es darf nicht so weit kommen, dass der Stadtteil überfordert wird." Sabine Reich von den Grünen befürchtete, dass nicht alle Gruppierungen, die sich mit dem Schicksal der Menschen in der Neckarstadt beschäftigen, in die Mitarbeit um eine tragbare Lösung eingebunden sind. Sigrid Richter (SPD) machte darauf aufmerksam, dass insbesondere an den Schulen der Neckarstadt ein ständiges Kommen und Gehen herrsche. Viele Kinder besuchten nur kurze Zeit den Unterricht und würden dann wieder verschwinden.
David Linse vom Fachbereich Internationales und Integration der Stadt verdeutlichte die gesamte Problematik: "Die Lebensbedingungen für einen Großteil der bulgarischen und rumänischen Zuwanderer hier sind geprägt durch eine prekäre Wohnsituation, problematische Arbeitsverhältnisse, gesundheitliche Risiken, eine schwierige Bildungsintegration sowie Informations- und Orientierungsdefizite durch unzureichende Kommunikations- und Kontaktmöglichkeiten zwischen den Neuzuwanderern und hiesigen Institutionen." Daraus würden sich Belastungen des Stadtteils und Störungen im öffentlichen Raum ergeben, dort wo sich die Zuwanderung konzentriert. "Ein großes Problem markieren Strukturen mit ausbeuterischer, krimineller Anlage", so Linse. Gemeint ist damit die Vermietung von Ekelimmobilien. Michaela Settelmaier vom Fachbereich Arbeit und Soziales berichtete, dass mit Mietervereinen eine Zusammenarbeit initiiert wurde, um den Zuwanderern Wohnraum zu vermitteln. "Oft werden die Zuwanderer auch von ihren eigenen Landsleuten ausgenutzt", so Settelmaier. Die Stadt hat für die nächsten beiden Jahre 300 000 Euro aus Haushaltsmitteln und den gleichen Betrag noch einmal aus dem Integrationsfond bereitgestellt, erläuterte Linse. "Der Bund hält sich mit der Förderung noch vornehm zurück", kritisierte auch Sitzungsleiterin und Grünen-Stadträtin Gabriele Thirion-Brenneisen.
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