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Neuostheim / Neuhermsheim: Evangelische Thomaskirche soll erhalten bleiben, aber nicht mehr als Gotteshaus genutzt werden

Ökumenisches Zentrum fest im Blick

Von unserer Mitarbeiterin Bettina Henkelmann

Die Thomaskirche soll erhalten bleiben, aber anders genutzt werden. Auf dem Gelände planen Protestanten die Errichtung eines Zentrums zum Wohnen im Alter. Ein Architektenwettbewerb ist ausgeschrieben.

© Rittelmann

Positive Resonanz: Nach einem ökumenischen Gottesdienst bekamen interessierte Gemeindemitglieder die neue Planung vorgestellt.

© Thomas Rittelmann

"Grünes Licht vom Erzbistum Freiburg", hieß es bei einer Versammlung nach Abschluss der Ökumenischen Woche beider Gemeinden in Neuhermsheim, als Wilhelm Heucke-Scheller vom Ältestenkreis der Thomasgemeinde und Bernhard Hübner vom Gemeindeteam St. Pius über den Sachstand informierten. Dabei stießen sie auf eine durchweg positive Resonanz.

"Die Nutzung der St.-Pius-Kirche durch die evangelische Thomasgemeinde besteht auf jeden Fall weiter. Das Gebäude bleibt in seiner jetzigen Größe erhalten. Der Innenraum kann gemeinsam von Katholiken und Protestanten gestaltet werden" - das war die wohl wichtigste Botschaft, die die beiden verkündeten.

Seit die Thomaskirche Ende 2009 durch zwei Wassereinbrüche stark beschädigt wurde, genießt die Gemeinde Gastrecht in St. Pius. Das soll jetzt durch einen Nutzungsvertrag "auf solide Beine" gestellt werden. Die Kirche St. Pius, die im Eigentum der Katholiken verbleibt, wird entgegen einer Machbarkeitsstudie, die im Frühjahr letzten Jahres vorgestellt wurde, nicht verkleinert. Eine Raumreduzierung war zunächst unter anderem aufgrund zurückgehender Kirchenbesucher ins Auge gefasst worden. "Das ist jetzt vom Tisch", bestätigte Bernhard Hübner, "wir können dagegen gemeinsam den Kirchenraum so gestalten, dass sich - je nach Nutzung - sowohl evangelische als auch katholische Christen darin wiederfinden."

Und eine weitere gute Nachricht hatten Hübner und Heucke-Schaller parat: Nach Abriss des bisherigen Pfarrhauses und der Kindertagesstätte - die Kirche bleibt - kann auf der entstehenden Freifläche der katholischen Pfarrei ein gemeinsames Kinderhaus mit je einer Kita in evangelischer und einer in katholischer Trägerschaft entstehen. "Ich wünschte mir dafür ein gemeinsames Eingangstor, so dass die Kinder die Trennung zwischen katholisch und evangelisch gar nicht merken", meinte Bernhard Hübner unter dem Applaus der zahlreich erschienen Gemeindeglieder.

Den Gebäudekomplex vervollkommnen sollen Gemeinderäume, Räume für ein evangelisches Pfarramt und eine Wohnung für die Pfarrerin. Offen sind dagegen noch die Eigentumsverhältnisse auf dem Gelände. "Das bedarf noch der Klärung", antwortete Bernhard Hübner auf die Frage eines Teilnehmers, wem nun eigentlich was gehöre. Er lobte das geplante gemeinsame Projekt als erfolgreiche Weiterführung der seit langem bestehenden, guten ökumenischen Beziehungen vor Ort.

Beide Dekane im Gespräch

St. Pius hatte ebenso wie die Thomasgemeinde fast zeitgleich eine Machbarkeitsstudie über eine zukünftige Nutzung ihrer Kirchen und der dazugehörigen Einrichtungen in Auftrag gegeben, die beide eine räumliche Konzentration der Gemeinden mit ihren Einrichtungen auf St. Pius empfehlen (wir berichteten). Als nächsten Schritt hat ein gemeinsamer Ausschuss von Vertretern des Ältestenkreises der Thomasgemeinde und des Pfarrgemeinderates von St. Pius einen runden Tisch mit den beiden Dekanen vorgesehen.

Für das Gelände der Thomaskirche haben die Protestanten die Errichtung eines Zentrums "Wohnen im Alter - Servicewohnen" unter kirchlicher Trägerschaft geplant. Ein Architektenwettbewerb dafür wird ausgeschrieben. Dabei soll das Gotteshaus, so ist es der Wunsch der Beteiligten, wenn möglich als Begegnungsstätte integriert werden.

Wenn es um den Erhalt der Thomaskirche gehe, sei zu häufig "vielleicht und eventuell zu hören", bemängelte eine Teilnehmerin. Aus ihren Worten und anderen Beiträgen wurde deutlich, wie sehr die Neuostheimer mit ihrer Kirche verbunden sind.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 01.02.2013

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