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Lindenhof: Gerdie Eschenbächer stellt in Galerie Kress aus

Suche nach dem Ursprung des Seins

Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Osthues

Bereits zum vierten Mal stellt die Künstlerin Gerdie Eschenbächer in der Galerie von Horst Nico Kress auf dem Lindenhof aus.

©  -ost-

Musik und Malerei sind das Lebenselixier von Horst Nico Kress, der mit weihnachtlichen Liedern, begleitet von Anneliese Haag-Schliecker am Klavier, die Ausstellung von Gerdie Eschenbächer in seinem Atelier eröffnete. Es ist bereits die vierte Ausstellung der in Rimbach im Odenwald lebenden Künstlerin in der Galerie in der Gontardstraße 5-7.

Die Künstlerin arbeitet hauptsächlich mit Collagen. Sie sammelt Papier und ungewöhnliche Verpackungen, aus denen dann Landschaften ausgeschnitten und gerupft werden, aber auch Holz, dessen Strukturen sie "ein bissel bemalt" und Draht, den sie biegt, wie er ihre gerade in die Hand kommt. Hinzu kommen Arbeiten in Acryl und Gips, wie die Vexierbilder "Gegenwelten".

Es ist ihr "Versuch, die Welt ein bissel origineller zu machen". Ihre "Turbulenzen" - Manche sprechen auch von einem Atompilz - ziehen sich so wunderbar empor, sind im Entstehen, explodieren - "eine Folge der Klimasituation". Eine Landschaft aus Gips zur Tsunamiezeit wird vom Meer überflutet, was bleibt, sind ein Mensch und ein Boot.

"Am Tag davor" zeigt eine tolle Stimmung, ein tiefblaues Meer und der Himmel darüber grau und bedrohlich. "Es ist eine Metapher, was wird auf uns zukommen", erläuterte Eschenbächer. "Alles hat einfach ein bissel was mit Leben zu tun", sagte die Künstlerin. "Wir und die Welt" ist der Titel ihrer Ausstellung.

Die Künstlerin sucht und findet Spuren des Ursprungs unseres Seins, setzt diese mit Begabung um und erläutert sie durch ihre Bilder. Nicht in erster Linie Farbe, sondern Strukturen machen das Werk von Eschenbächer unverwechselbar. Aber wenn sie Farbe einsetzt, wird diese zum Sog.

Es gibt kein Draußen, alles ist drinnen: Am deutlichsten zu sehen bei "Globalniks" und "Im Halozaen", in dem der Mensch verschwindet. Eschenbächers Arbeiten beziehen ihren Ursprung im Entstehen und Werden. Angesichts der Globalisierung wird das Leben ambivalent. Im Mittelpunkt ihrer Malerei steht der Mensch, die Vielfalt der Lebensbezüge ebenso wie die menschliche Existenz, eine Seite des sozialen Wesens mit den individuellen Bedürfnissen von Körper und Seele.

Das Material verleiht allen Arbeiten Struktur, daraus entstehen Collagen, Haptisches, Körperhaftes. Durch Einbringen von Acrylfarben wird das Figurative betont. Alle Figuren sind archaisch, keine Gestik, Geschlecht ist zu erkennen. Sie erinnern an die schlanken Figurinen in Höhlenzeichnungen. Person und Gesten sind stilisiert. Der Mensch in der Moderne muss sich fortwährend auf neue Begebenheiten einstellen. In der globalen Welt gibt es kein Draußen mehr, alles ist abstrakte Pose. Eschenbächer Werke werfen die Frage auf: "Wie weit wird sich der Mensch verändern und wohin?"

© Mannheimer Morgen, Freitag, 28.12.2012

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