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Wallstadt: Rathaus-Matinée mit Mittelalter-Liedern, kurpfälzer Humor und Graffiti-Kunstwerken

Schotten-Tänze und Sprühdosenkunst

Von unserem Mitarbeiter Christian Hoffmann

Neulich bei "Kunst im Rathaus": Gisamani mit mittelalterlicher Folklore, der Street-Art-Künstler Matthias Witt (l.o.) und Mundartkabarettist Michael Falter.

© Blüthner

Welchen Fußball spielte Preußen Dellbrück? Wie klingt eine musizierende Schweineblase? Und wie sieht Straßenkunst im Wohnzimmer aus? Antworten auf diese Fragen gab die jüngste Matinée im Rathaus Wallstadt: Die Mittelalterkapelle Gisamani stimmte auf authentischen Instrumenten Lieder aus Renaissance und Barock an, Street-Art-Künstler Matthias Witt hängte besprühte Leinwände auf und Mundartkabarettist Michael Falter riss mit Witzen zu Gelächter hin. Drei grundverschiedene Künste trafen so aufeinander.

Folklore und Gewürzwein

Ursprünglich stammt der Dudelsack aus dem Zweistromland. Von dort aus verbreitete er sich über den Balkan in Westeuropa, vor allem in England und Spanien. Die mittelalterliche Volksmusiktruppe Gisamani gab im Wallstadter Rathaus einen schottischen Tanz auf einem nichtschottischen Dudelsack zum Besten. Nicht nur altertümliches Liedgut brachte die Combo mit, sie ließ auch den Besuchern einen Gewürz-wein ausschenken.

Gisamani orientieren sich am keltischen Teil der angloamerikanischen Volksmusik. Im fliegenden Instrumentenwechsel griffen die sechs Musikanten zu immer anderen Gegenständen, je nachdem, was das folgende Stück erforderte. Fast wie Pistolen tragen die in historische Gewänder gekleideten Musiker ihre Blockflöten in einem Holster am Ledergürtel. Sie spielen eine Musik, die bis vor zehn Jahren noch eine Nische war, jedoch heute mit Künstlern wie Subway To Sally oder Blackmore's Night die obersten Plätze der Hitparade belegt. Zwischen den Liedern erzählten die Musiker Interessantes über ihre Instrumente. So stellte der lustige Spielmannszug den Besuchern eine "Epinette des Vosges" vor, einen kantigen, mit Saiten bezogenen Holzscheit, den man auf dem Schoß liegend zupft. Unweit von Wallstadt, in Lindenfels im Odenwald, lebt der Dudelsackbauer Jürgen Ross, der in seiner Klangwerkstatt Sackpfeifen herstellt und Kurse hält, in denen er seine Fertigkeiten weitergibt. Ihm vertrauen auch Gisamani.

Die Rathaus-Matinée war eine musikalische Vernissage. Der Street-Art-Künstler Matthias Witt, der den Künstlernamen Buschwerk trägt, stellt dort bis Mitte März seine Graffiti-Leinwände aus. Meist arbeitet der 41-Jährige mit Schablonen und Sprühdosen. So hängt etwa ein stilisiertes Gesicht des exzentrischen Modedesigners Harald Glööckler auf weißem Grund an der Wand. In einem anderen Gemälde lässt "Buschwerk" Witt alte Kindheitshelden wie Tim & Struppi, Lisa Simpson oder Herrn Rossi aufleben. "Im Jungbusch sah ich überall auf der Straße diese Graffiti, die immer mehr wurden", erklärte Matthias Witt, wie er zur Sprühdose kam.

Es ist Rinnsteinkunst. Im vergangenen Sommer stellte Witt bereits in der Buschgalerie aus. Er arbeite stetig an seinem Stil, will sich weiter verbessern. "Mit den Künstlern, die zum Beispiel in der Stoffwechsel-Galerie ausstellen, kann ich mich nicht vergleichen, das ist dann doch eine andere Liga", zeigt sich Matthias Witt bescheiden. "Ich wollte einfach das, was ich auf der Straße sah, in mein Wohnzimmer hängen."

Gedichte in breitem kurpfälzischen Dialekt trug als Dritter im Bunde Mundartkabarettist Michael Falter vor. "Kurpfalz, des rauscht und pischpert, so breit, so raus, im Leben der einfache' Leit", zitierte Michael Falter seinen Bruder im Geiste, Hans-Peter Schwöbel. Außerdem erzählte Falter die turbulente Busreise eines Heimatvereins in den Rheingau, eine Anekdote, bei der ein edles Restaurant mit Trüffelspezialitäten eine zentrale Rolle spielt.

Dazu spielte Falter mit den Besuchern ein Quiz in der Art von "Wer wird Millionär?". Wobei die Besucher lernen konnten, dass der Musiker Joachim Schäfer, Gründungsmitglied der legendären Krautrock-Band "Kin Ping Meh", den Wasserturm-Boogie schrieb.

Die nächste Vernissage im Rathaus Wallstadt findet am 17. März statt, dann mit europäischer Malerei.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 08.02.2013

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